Lukas Lang International Campus Vienna
Kurt Hörbst/Lukas Lang
Der International Campus Vienna vereint Schule und Kindergarten unter einem Dach

Bildung mit Freiraum

Mo, 02.12.2019

Der International Campus Vienna wurde zu einem Ort, wo sich das pädagogische Konzept praxisnah in das Raumkonzept etabliert. Dabei wurde der Anspruch ans Bauwerk erhoben die körperliche, kognitive und soziale Entwicklung der Kinder zu fördern.

Mit einer Gesamtfläche von 18.000 m2 bietet das Grundstück, in der Stadt gelegen und doch im Grünen, den optimalen Standort für den International Campus Vienna, der Schule und Kindergarten unter einem Dach vereint. Die Liegenschaft befindet sich auf dem Grundstück der ehemaligen Sportanlagen der AUA in der Fontanastraße am Kulturpark Oberlaa im 10. Wiener Gemeindebezirk.  Professionelle Bildungsangebote im Kindergarten- und Schulbereich sind im 10. Wiener Gemeindebezirk besonders gefragt. Der International Campus Vienna nimmt die Herausforderungen der heutigen Zeit gekonnt und gerne an: mit einem wegweisenden bilingualen Bildungskonzept an einem einzigartigen Standort am Puls der Zeit, privat aber trotzdem leistbar.

Ökologie mit Mehrwert – zeitsparender Modulbau aus einer Hand

In nur sieben Monaten Bauzeit entstanden zwei nachhaltige, energieeffiziente Gebäude verteilt auf eine Gesamtfläche von rund 4.500 m2, bestehend aus dem Hauptgebäude und der separaten Sportstätte. Die beiden von der Lukas Lang Building Technologies GmbH errichteten Gebäude mit einem Holzanteil von rund 85% in Tragwerk, Hülle und Innenausbau schaffen einen vollwertig qualitativen sowie schülergerechten Lebensraum. Die rund 1250 m³ Gesamtkubatur an Holz und Holzwerkstoffen gliedert sich in 1070 m³ beim Hauptgebäude und 180 m³ bei der Sportstätte. Von der Materialökologie sind die Baukomponenten schadstofffrei verarbeitet, feuchtigkeitsausgleichend, wärmedämmend und die Bauwerke emissionsarm sowie CO2 bindend. Ein idealer Schallschutz und eine optimierte Akustik tragen zur Senkung der Geräuschbelastung bei. Die Kombination aus gesundem leistungsfördernden Raumklima und ansprechender Optik gliedert sich in die schöne Natur und Umgebung des Kulturparks ein. Große Gemeinschaftsflächen, Einzelarbeitsplätze für konzentriertes Arbeiten und Ruheräume bilden das Grundkonzept für die Architektur.

Reichliche Glasflächen sorgen dabei für Transparenz und ermöglichen den Lehrkräften eine erleichterte Aufsicht der Kinder im Klassenraum und zugleich im Gemeinschaftsbereich. Den architektonischen Knotenpunkt repräsentiert die Aula, die atriumartig vielseitige Sichtkontakte bietet. Eine hervorragende Open-Space Lösung für soziale Interaktionen und das Zusammenleben am Campus. Die Bauform passt sich der bestehenden Geländesituation an. Entsprechend wird das zweite Obergeschoß versetzt angeordnet. Somit gliedert sich das Gebäude in zwei zweigeschoßige Bauteile. Im Bereich des  Gebäudeversatzes besteht das Gebäude aus drei Geschoßebenen, die mit einem Stiegenhaus verbunden sind. Im Erdgeschoß, an der Südseite, befindet sich die Eingangshalle mit Bibliothek, Speiseraum, Garderoben, die Einlieger-Wohnung des Schulwartes und die Haustechnik. In der Eingangshalle bilden die Treppen mit Sitzstufen eine großzügige architektonische Struktur, die das Erdgeschoß mit dem 1. Obergeschoß verbinden und dank der natürlichen Belichtung in Zusammenhang mit der Bibliothek einen hochwertigen Aufenthaltsraum bieten. Im 1. Obergeschoß sind die Verwaltung, die Kreativräume und der Kindergarten situiert. Die Klassen der Volks- und Mittelschule, als auch die Terrasse, befinden sich im 2. Obergeschoß. Die abwechslungsreichen Räumlichkeiten bieten eine angenehme Behaglichkeit mit gesundheitlichem Mehrwert für die Kinder.

Die Technologie – Freiräume kreieren, wertvollen Lebensraum schaffen

Die Bildungsgebäude wurden mit dem Lukas Lang Baukastensystem aus einheimischem Holz errichtet, mit welchem die standardisierten und industriell produzierten Baukomponenten direkt an der Baustelle nur mehr kraftschlüssig montiert werden müssen. Im Vergleich zu anderen Modulbau-Anbietern am bestehenden Markt, unterscheidet sich die Bauweise durch ein individuell zusammenstellbares Matador-Konzept, welches ohne stringent vorkonzipierte Raumzellen auskommt. Holz als Baustoff ist aktuell wie nie zuvor. Die standardisierten Bauelemente und Einzelteile bieten unendlich viele Möglichkeiten für individuelle Gestaltungsfreiheit – Freiräume statt Raumzellen.

Lukas Lang a3bau
© design.renate-leitner.at

Aufbauend auf einem Basisraster von 1,40 x 1,40m, lassen sich die skalierbaren Systembauteile mittels metrischer Verschraubung unterschiedlich kombinieren und in diversen Farb- und Materialausführungen, ob Holz, Glas oder Metall designen. Der Werkstoff ist veränderbar, die Geometrie bleibt gleich, wodurch das gesamte Setup für variierende Anforderungen konstant adaptierbar ist. So können die Räumlichkeiten des Campus bei Bedarf anforderungsentsprechend schnell, leicht und leise angepasst und erweitert werden, sodass mühelos zukünftig auch Platz für 800 Schüler und Kinder geschaffen werden kann. Der modulare Bau folgt der Topografie des Geländes, wodurch die Herausforderung des Geländesprungs gemeistert wurde. Es wurde sehr viel Wert auf brandschutztechnische Maßnahmen gelegt. Eine Besonderheit des Baukonstrukts ist der Liftschacht, der ohne Beton auskommt. Der Schacht besteht aus Großformat-Brettsperrholz-Elementen und einer Bekleidung aus Gipskartonfeuerschutzplatten (A2 Oberfläche, nicht brennbar). Im Vergleich zu herkömmlichen Aufzugsschächten wird dieser bereits ohne Zeitverzögerung mitsamt dem umschließenden Tragwerk errichtet.

Auch die Stiegen-Konstruktion in der Aula und im Stiegenhaus wurden vollständig aus Brettsperrholzplatten, die statisch auf Abbrand berechnet wurden, ausgeführt. Stahlsäulen und Stahlträger sind minimal an jenen Stellen eingesetzt, wo es statisch notwendig war. Die statische Pionierleistung zeigt sich anhand der Auskreuzung für die Erdbebenbemessung. Der Vorteil dieser pushover1-Bemessungsmethode ist, dass die Verbände den ideal plastischen Bereich zur Kompensation der Erdbebenkräfte heranziehen und somit eine Reduktion der Auskreuzungen zur ideal elastischen Bemessungsmethode erzielt wird, die ein architektonisch offeneres Grundrisskonzept zulässt. Somit wird Stabilität durch Mobilität bezeugt. Die großzügigen Freiflächen und terrassierten Baukörper bieten zahlreiche bewegungsanregende Aktivitätsmöglichkeiten und somit einen gesundheitsfördernden balancierten Ausgleich zum alltäglichen Sitzverhalten.

Das Ensemble – Ein Niedrigstenergiehaus mit Zukunftsperspektive

Aufgrund der hohen internen thermischen Lasten - Wärmestrahlung Mensch - und dem temporären Bauvorhaben wurde in der TGA eine schlanke, jedoch umfangreich wirkende Anlage konzipiert. Das Schulgebäude wird über eine kontrollierte Lüftungsanlage beheizt. Die Lüftungsanlage hat eine Wärmerückgewinnung. Die durch die internen Lasten aufgeheizte Fortluft aus dem Gebäude erwärmt die erforderliche Frischluft mit einem Wirkungsgrad von rund 80% und übernimmt somit die Hauptheizlast des Gebäudes. Das Heizregister in der Lüftungsanlage wird zusätzlich über eine Luft-Wasser-Wärmepumpe mit Energie versorgt. Die Wärmepumpe erzeugt mit Strom eine bis zu dreifache Energiemenge. Der erforderliche Nachweis über den Einsatz erneuerbarer Energie wird sowohl über die Wärmerückgewinnung, wie auch über die Wärmepumpe geführt. Zur Abdeckung der Heizlastspitzen gibt es im nutzungsspezifischen Bedarfsfall zusätzliche dezentrale elektrische Infrarot-Heizpaneele. Der standortbezogene Heizwärmebedarf liegt bei 17 kWh/m²a. Dies entspricht einem sehr guten Niedrigstenergiehaus-Standard. Im Sommer kann die Lüftungsanlage dazu benutzt werden, die Zuluft etwas zu kühlen und auch zu trocknen, was zum Komfort beiträgt. Neben dem innovativen Heizkonzept ist das Gebäude bautechnisch und statisch ausgeklügelt konzipiert. Mit der Umsetzung dieses Niedrigstenergie-Bauwerks wurde ein allergenarmes Umfeld für nachkommende Generationen geschaffen, welches Raum zur Entfaltung bietet. Multifunktionsflächen, offene Raumgeflechte und Rückzugsorte in Kombination mit einer innovativen Konstruktion sorgen für ein einzigartiges Raumklima.

Mehr Informationen zu Lukas Lang Building

Mehr zum Thema

Weitere Gastbeiträge

Immer informiert bleiben!

Jetzt für a3BAU.AKTUELL anmelden und die Neuigkeiten aus der Baubranche kommen direkt in Ihr Postfach.
 Ja, ich habe die Datenschutzerklärung verstanden und akzeptiere sie.*

Neuester Inhalt