Mike Bucher Wienerberger Ziegel
Andreas Hafenscher
Mike Bucher, Geschäftsführer Wienerberger Österreich, zum Thema Digitalisierung

„Digitalisierung ist Chefsache“

Der Trend zur monolithischen Bauweise ist für den neuen Geschäftsführer der Wienerberger GmbH ebenso eindeutig, wie die Digitalisierung vorrangig ist und wurde deshalb zur Chefsache erklärt. Anders würde es auch nicht funktionieren, wie Mike Bucher im Interview erzählt.

a3BAU: In letzter Zeit hört man wieder verstärkt „Die alten Häuser waren gar nicht mal so schlecht“ – brauchen wir mehr „stupid houses“ – im positiven Sinne des Wortes: also einfache Häuser?

Bucher: Da gibt es ganz gegensätzliche Ansichten. Ich persönlich habe mich beim Hausbau gegen ganz viel Technik entschieden, aus genau diesem Grund. Wenn man sich gut geplante, 120 Jahre alte Häuser anschaut, dann funktionieren die von der Bauphysik her. Und die werden in 100 Jahren auch immer noch stehen. 

a3BAU: Würden Sie davon schon einen Trend ableiten?

Bucher:  Wir spüren eindeutig, dass es in Richtung monolithische Bauweise geht, weniger drumherum einpacken und eher nachhaltig und natürlich. Das heißt jetzt aber nicht, dass wir wieder mit alten Methoden wie vor 200 Jahren bauen müssen. Aber die positiven Aspekte aus der Bauweise von damals kann man schon ableiten. 

a3BAU: Ist der Trend zum einfacheren Bauen am Markt spürbar?

Bucher: Ja, definitiv. Denn so wie wir im Wirtschaftlichen überregulieren, wird auch beim Bauen vieles extrem übertrieben. Energieeffizientes Bauen macht Sinn, aber die letzten zehn Prozent einer kaum spürbaren Einsparung sind unglaublich teuer. Alle reden vom leistbaren Bauen, auf der anderen Seiten zwängen wir uns mit Regulierungen in gewisse Ecken, aus denen wir nicht mehr herauskommen. 

a3BAU: Fertigteilelemente aus Ziegel, Wandtemperierung im Ziegel – alles Entwicklungen, die im Markt nie angekommen sind. Ist der mit Dämmstoff verfüllte Ziegel nun das richtige Produkt für das Haus der Zukunft?

Bucher: Die temperierte Ziegelwand bieten wir weiterhin an, wird aber nicht wirklich nachgefragt. Das ganze Thema Bauteilaktivierung hat sich viel zu wenig durchgesetzt. Wobei man sagen muss, dass man den Beton aktivieren muss, sonst ist er nicht behaglich, beim Ziegel haben wir das Problem nicht.  Unser verfüllter Ziegel ist derzeit das innovativste Produkt am Markt und wir streben Weiterentwicklungen an. Das Thema „Fertigteile aus Ziegel“ wird derzeit von uns überprüft und ist somit definitiv eine Option.

a3BAU: Wenn ich es richtig heraushöre, sind Sie mit der Marktentwicklung von Wienerberger in Österreich zufrieden?

Bucher: Beim Wandbaustoff würde ich die Entwicklung sowohl im vergangenen Jahr 2017 also auch 2018 positiv bezeichnen. Beim Dach ist der Markt letztes Jahr leider um fünf Prozent zurückgegangen. Derzeit hören wir von den Kunden sowohl was Wand als auch Dach anbelangt nur Positives: „Vollbeschäftigung, Boom – wir haben genug zu tun.“ Dennoch sehen wir derzeit beim Wandbaustoff einen Anstieg, während wir beim Dach schon zufrieden sind, wenn der Markt nicht zurückgeht. 

a3BAU: Sie sind angetreten, Wienerberger ins digitale Zeitalter zu führen. Was dürfen wir uns da erwarten?

Bucher: Generell sollen alle Prozesse, die wir uns jetzt anschauen, digitalisiert werden. Zunächst intern, beispielsweise  im Einkauf mit „purchase to pay“, aber auch in Richtung Kunde soll so viel wie möglich, was einen Nutzen bringt, ins digitale Zeitalter führen. 

a3BAU: Ein Beispiel …

Bucher: Wir haben gemeinsam mit einem Start-Up eine virtuelle begehbare Visualisierung entwickelt. Unsere Massivwerthauspartner können uns den Entwurfsplan ihrer Kunden als PDF schicken. Innerhalb von 48 Stunden wandeln wir diesen in eine Datei um, die auf jedem gängigen Handy zu öffnen ist. Mit der mitgeschickten Virtual-Reality-Brille kann der Kunde virtuell intuitiv durch sein zukünftiges Haus laufen  – in verschiedenen Einrichtungsstilen von puristisch bis rustikal – und so überprüfen, wo vielleicht der Tisch zu groß ist oder Räume zu klein sind. 

a3BAU: Was wird dieses Tool kosten, wer bezahlt dafür und kann das jeder nutzen?

Bucher: Diese Visualisierung wird in etwa 400 Euro kosten und vom Kunden bezahlt werden.  Wir haben die Prototypen mit zehn Personen, von 24 bis 74 Jahren, getestet und jeder hat es intuitiv durch die zwei Stockwerke geschafft. An der Brille hat man einen Knopf, mit dem man sich virtuell vorwärts bewegt. Man kann nur durch Türen, aber nicht durch Wände gehen. Das ist nur ein Mosaiksteinchen, wo wir die Vorreiterrolle auch wirklich einnehmen. Wir werden aber auch für unsere direkten Kunden, also Baumeister und Dachdecker, die digitalen Serviceleistungen ausbauen, beispielweise der Zugang zu Daten oder zu Videos. Da sind wir noch nicht auf dem Stand, auf dem wir sein wollen. Hier wird sich in den nächsten zwölf bis 24 Monaten viel tun.

a3BAU: Wie setzt Wienerberger seine digitalen Pläne um? 

Bucher: Weil alle Abteilungen das gleichermaßen umsetzen müssen, zieht sich das Thema wie ein roter Faden durchs Unternehmen. Digitalisierung geht nur, wenn es Chefsache ist. Brainstorming gibt es mit jedem Bereich und dann gibt es ja noch viele andere Länder im Wienerberger-Konzern, die Digitalisierung auf der Agenda haben. Wenn ich da an BIM denke, dann werden wir das nicht neu erfinden, wenn unsere Kollegen in Großbritannien schon viel weiter sind. Bei der virtuellen Visualisierung wiederum sind wir in Österreich die ersten.



Lebenslauf Mike Bucher

Mit März kam es bei der Wienerberger Ziegelindustrie GmbH zu einem Wechsel an der Spitze: Mike Bucher (40) löste Christian Weinhapl als Geschäftsführer ab, der als Chief Operating Officer in das Management der Semmelrock International wechselte. Mike Bucher verfügt über umfassende Branchenerfahrung:

2006 – 2010 Geschäftsführer bei der Geze International GmbH

2010 – 2018 Geschäftsführer/CEO Prefa Aluminiumprodukte GmbH

seit Jänner 2018 Geschäftsführer Wienerberger Ziegelindustrie GmbH

 

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