Infografik Facility Management
Lünendonk-Studie 2017
© Lünendonk-Studie 2017: Professionelles Gebäudemanagement im Mittelstand

Facility Management: Personal im Wandel

Der Personalmangel ist im Facility Management zweischneidig. Zum einen zwingt er die Unternehmen, die Bewirtschaftung der Immobilie auszulagern, andererseits macht das eigene Personal den FM-Dienstleistern Sorge.

Zunehmende gesetzliche Regulierungen und Personalmangel sind die treibenden Faktoren, wenn Unternehmen die Bewirtschaftung ihrer Immobilie in fremde Hände geben, lautet das Ergebnis einer deutschen Studie. Befragt wurden mittelständische Unternehmen aus Industrie, Handel, Verkehr, Logistik sowie Informations- und Kommunikationstechnologie.

Während für Großunternehmen und Konzerne ein Vertrag mit einem Facility Manager selbstverständlich ist, sind mittelständische Unternehmen stark in der Region verwurzelt. Damit geht  ein hohes soziales Verantwortungsgefühl gegenüber den eigenen Mitarbeitern einher sowie die Angst um den Ruf in der Region. Der Fachkräftemangel auf der einen und der Anstieg von gesetzlichen Vorschriften auf der anderen Seite lassen viele befürchten, dass sie für die Bewirtschaftung ihrer Immobilie künftig kein geeignetes Personal zur Verfügung stehen wird.

Aber wie sieht es generell mit qualifiziertem Personal im Facility Management aus? Die Digitalisierung gewinnt gerade in der Gebäudebewirtschaftung immer stärker an Bedeutung, führt aber gemeinsam mit der Flexibilisierung von Arbeitszeit und Arbeitsplätzen auch dazu, dass sich die FM-Branche neue Konzepte überlegen wird müssen.

„Es wird hier weniger um neue Anforderungen für bestehende FM-Mitarbeiter gehen. Vielmehr geht es um neue Jobs innerhalb der Spannweite von Facility Manager. Um den Nutzer das bestmögliche Gefühl im Gebäude zu geben, werden Manager mit sehr stark ausgeprägten Softskills von Nöten sein. Solche wie Hospitaly Manager, Well-Being Manager, Fitness-Manager, etc. Die Herausforderung für bestehende FM-Mitarbeiter wird sein, diese neuen Trends auch zu akzeptieren und mit Teamgeist zu befeuern", sagt Reinhard Poglitsch, ISS World Services und IFMA Austria Präsident.

Reinhard Poglitsch ISS IFMA

Reinhard Poglitsch, ISS World Services und IFMA Austria Präsident: „Wir müssen uns über die HR-Schiene besser in die Unternehmen hineinbringen, damit Facility Management nicht am Ende der Wertschöpfungskette steht“

Woher diese neuen FM-Mitarbeiter kommen werden? Solche Manager gibt es in anderen Industrien wie im Hotelbereich, im Gesundheitswesen, meint Poglitsch und ergänzt: „Ist es nicht schön zu sehen, wie Facility Management einen ganz anderen Stellenwert bekommen wird?"

Bleibt noch die Frage der Bezahlung

Wie einige Branchenvertreter meinen, seien die Auftraggeber nicht bereit, jene Preise zahlen, die den Dienstleistern wiederum die Anstellung von Spezialisten ermöglicht. Dazu Poglitsch: „Die FM-Branche ist solange unattraktiv, solange sie weiterhin jammert und im eigenen Saft brät.“ Der Mehrwert solcher neuen Funktionen ermögliche ganz andere Effizienzsteigerungen und Produktivitätssteigerungen. Somit könnten Manager solcher Kategorien aber auch der FM-Manager selbst viel besser bezahlt werden. Dies auch nicht zuletzt durch gesteigerte Anforderungen. Poglitsch: „Da befinden wir uns in ganz anderen Levels. Die Erfahrung zeigt mir, dass solche FM-Manager 6.000 Euro brutto und mehr verdienen können. Der Kunde selbst ist rasch überzeugt, wenn ihm der Mehrwert monetär und nachvollziehbar dargestellt werden kann.“

Gerhard Grafl Porreal

Gerhard Grafl, Porreal: „Ich freue mich auf die Ausschreibung und die Verhandlung, an dem es nicht mehr um den Preis, sondern um die Immobilie und den Mitarbeitern geht

Gerhard Grafl (Porreal) fordert ebenfalls ein Umdenken auf Auftraggeberseite ein: „Es muss jedem Eigentümer klar sein, dass sich die Betreuung einer modernen Immobilie nicht mit dem Kostensatz einer alten Immobilie ausgehen kann. Durch die Vielzahl an neuen vernetzten Technologien wird aus den altbekannten HKLS/E-Techniker ein Spezialist, der auch noch die Aufgaben eines „Wohlfühlmanager“ übernehmen soll. Die „neue Arbeitswelt“ benötigt auch den „neuen Auftraggeber“, der auch die Mittel bereitstellt. Auch wenn man immer mehr von Quereinsteigern in der Branche spricht (Licht/Luft/Mediation- Manager), auch diese müssen in einem angemessenen Maß bezahlt werden.“

Gerhard Schenk, Apleona HSG GmbH

Gerhard Schenk, GF Apleona HSG GmbH: „Die Preise in der Branche geben es nicht her, dass wir mehr bezahlen können, um noch besser ausgebildete Spezialisten zu beschäftigen“

Weitere Artikel von Sabine Müller-Hofstetter

Immer informiert bleiben!

Jetzt für a3BAU.AKTUELL anmelden und die Neuigkeiten aus der Baubranche kommen direkt in Ihr Postfach.
 Ja, ich habe die Datenschutzerklärung verstanden und akzeptiere sie.*

Neuester Inhalt