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Nach FinTech, PropTech und jüngst dem Legal Tech Hub Vienna entwickelt sich nun im Baubereich eine aktive Startup-Szene

Startups als Innovations-Turbo

Immer wieder wird das Bild bemüht: Die Konzerne sind die großen Tanker, Startups die schnellen Beiboote. Manche sinken nach ein paar Monaten, andere leisten wertvolle Starthilfe für großartige Entwicklungen.

In Rankings kommt die Baubranche bislang nicht gut weg: Meist rangiert der Bau auf den letzten Plätzen, wenn es um die Digitalisierung der Wertschöpfungskette geht. Das muss sich ändern, darüber sind sich mittlerweile alle am Bauprozess Beteiligten einig. Wichtiger Faktor bei der digitalen Transformation sind Forschung & Entwicklung. Große Konzerne stecken zwar viel Geld in ihre Forschungsabteilungen, treten aber in Sachen Digitalisierung auf der Stelle. Startups können hier wertvolle Starthilfe leisten.

„Startups spielen als Speerspitze des technologischen Wandels eine wichtige Rolle, um die internationale Wettbewerbsfähigkeit der österreichischen Wirtschaft zu stärken. Besonders in derzeit noch wenig digitalisierten Bereichen wie der Baubranche gibt es noch einiges an Potenzial, durch komplett neue Ansätze positive Veränderungen anzustoßen. So können Startups mit innovativen Produkten oder Geschäftsmodellen dabei helfen, zentrale Probleme von bestehenden Bau-Unternehmen zu lösen“, sagt Martin Raunig, Geschäftsführer der Initia­tive AustrianStartups.

Einige erfolgreiche Startups aus dem Bau- und Immobilienbereich sind PlanRadar mit Sitz in Wien, eine Software für Baudokumentation, Aufgaben- & Mängelmanagement, das Wiener Unternehmen Idwell, eine Multi-Channel-­CRM-Software für Immobilienverwaltungen, oder klarx, ein digitaler Baumaschinenvermieter mit Sitz in München. Vor wenigen Tagen ging ein Spin-off der Schüco International KG auf den Markt. Plan.One schlägt die digitale Brücke zwischen Planern und Herstellern im Bauwesen. Konzipiert als intelligentes Assistenzsystem von Archi­tekten für Architekten, ermöglicht Plan.One das schnelle Auffinden und Vergleichen von perfekt auf das jeweilige Bauvorhaben zugeschnittenen Produkten. Die Produktdetails und Planungsinforma­tionen können direkt in die gängige Planungssoftware übernommen werden.

Andreas Tschas, Mitgründer des Startup-Festivals „Pioneers“ und seit September Leiter der Digitalisierungsagentur, die in der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft FFG angesiedelt ist, bemüht sich in seiner Funktion etablierte Unternehmen und Startups zusammenzubringen. Er denkt nicht in den Kategorien New und Old Economy, sondern glaubt an die „True Economy“, die Verschmelzung von etablierten Unternehmen, die ihre Marktstärke und Glaubwürdigkeit einbringen, mit kreativen Startups, die auf der Suche nach einem finanziellen Fundament sind.

Die Bedeutung von Startups ist zweifelsohne in den letzten Jahren rasant angestiegen. Nach FinTech (Startups für die Finanzbranche) und PropTech entwickelt sich derzeit eine sehr aktive Bautech-Startup-Szene. Ende Mai fand in Berlin die eigens auf die Baubranche zugeschnittene Startup-Messe „Tech in Construction” statt, bei der sich Tech-Startups kostenlos der Baubranche präsentieren durften, denn gerade für B2B-Startups ist es nicht immer ganz einfach, an die Zielgruppe zu kommen. Mit diesem klaren Fokus setzt die Startup-Messe, die im Herbst 2019 das nächste Mal stattfinden soll, ein Zeichen zur Förderung der Digitalisierung am Bau.

Die „Tech in Construction“ richtet sich an alle am Bau Beteiligten, wobei der Fokus auf der Bauausführung liegt. „Es präsentieren ausschließlich Tech-Startups, die Lösungen für Architekten, Fachplaner, Bauhandwerker, Bauunternehmer, Entscheidungsträger in Baukonzernen und bei Bauzulieferern sowie bei Baustoff- und Baumaschinenherstellern und -händlern entwickeln“, so Organisator Roland Riethmüller, der in Deutschland auch einen Verband zur Unterstützung von Startups aus dem Bereich ConstructionTech gründen möchte.

Startups in Österreich

„Startups wirken sich positiv auf Wirtschaftswachstum und Wettbewerbsfähigkeit eines Landes aus“, heißt es in der Einleitung des heuer erstmals herausgegebenen „Austrian Startup Monitors“ (kurz ASM). „Wenngleich Startups traditionell in wissens- und technologie­intensiven Branchen gegründet werden, gibt es auch immer wieder besonders innovative Gründungen in traditionellen Branchen wie der Baubranche“, meint Karl-Heinz Leitner, Center for Innovation Systems & Policy, Austrian Institute of Technology GmbH (AIT). Er ist einer der Autoren des „Austrian Startup Monitor“.

Mit dem „Austrian Startup Monitor“ – das Ergebnis einer Zusammenarbeit des AIT Austrian Institute of Technology, der Startup-Dachplattform „AustrianStartups“ und des Gründungszentrums der Wirtschaftsuniversität Wien – wurde die bisher mit Abstand größte und umfassendste Studie zur österreichischen Startup-Landschaft präsentiert.

Über 500 Startup-Gründer wurden für diese repräsentative Studie intensiv befragt. Insgesamt flossen mehr als 1.500 Startup-Gründungen von 2004 bis 2017 in den zukünftig jährlich erscheinenden „Austrian Startup Monitor“ mit ein.

Leitner: „Der Austrian Startup Monitor zeigt, dass rund drei Prozent der Startup-Neugründungen im Baugewerbe und der Immobilienwirtschaft gegründet werden. Startups in den unterschiedlichsten Branchen können mit ihren innovativen Geschäftsmodellen, Dienstleistungen und Technologien auch einen Impuls für andere Unternehmen liefern und treiben damit auch den strukturellen Wandel in der Bauwirtschaft voran. Hier können etwa viele Anwendungen, die durch die Digitalisierung möglich werden, angeführt werden und von der Projektplanung bis hin zur automatisierten Wartung reichen.“

„Das Bauen selbst hat ja viele Jahrzehnte keine Innovation erfahren“, meint Michael Rohrmair von Beacon Invest, der mit „Company Building“ etablierte Unternehmen und Startups zusammenführen möchte: „Wir bauen noch immer wie vor x Jahren. Innovative Lösungen können von einer F&E-Idee im Bereich VR, Sensorik, Smart Home ausgehen, es kann aber auch eine App sein, die sich alle an einer Baustelle Beteiligten herunterladen.“ Kommt ein Handwerker auf die Baustelle und Vorarbeiten wurden nicht erledigt, so verzögert sich der Baufortschritt. Über die App könnten solche Abweichungen von den Bauleistern untereinander abgestimmt werden, Handwerker können das akzeptieren oder nicht, alle nachgelagerten Gewerke werden automatisch informiert, denn dahinter liegt ein Kalender, der sich automatisch generiert. „Das ist jetzt eine sehr naheliegende Entwicklung. Es kann aber bis hin zur Entwicklung von neuen Ziegeln gehen.“

Wo sind die Unterschiede zwischen einem strategischen Unternehmenskauf / Startup? Die Bewertung fußt auf zukünftige Ertragspotenziale, mit einem großen Risikofaktor. Rohrmair: „Bei einem Startup geht es weniger um die Frage, wie kann man den Unternehmenswert rechnerisch darstellen, sondern will ich das Unternehmen haben und glaube ich daran oder nicht. Das ist die ganze Wahrheit. Jede Umsatzprognose kann eintreffen oder nicht. Bei Startups werden zum Teil riesige Summen aufgrund von PowerPoints investiert.“

„Und mitunter funktioniert’s ja auch“, so Rohrmair. Bei einem etablier­ten Unternehmen sei das anders, da könne man die Entwicklung aus der Historie nachvollziehen. Zum geplanten Company Building: „So wie wir es angehen werden, bekommt man als Investor ein ganz gutes Gefühl, ob das Startup was wird oder nicht, weil wir die zugrundeliegende Idee am Markt abtesten, bevor wir das Unternehmen gründen.“

Startup-Experte Raunig weist auf die unterschiedlichen Kulturen von Investor und Startup-Gründer hin: „Als bestehendes Unternehmen ist es essenziell, sich auf die höhere Geschwindigkeit und kreative Energie der Startups einzulassen. Wenn man einem Startup mit den üblichen Prozessen und Entscheidungsstrukturen eines Großunternehmens begegnet, wird die innovative Herangehensweise der Startups schnell gebremst und viel Potenzial bleibt auf der Strecke“, so Raunig.

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