magdas ATP a3bau
ATP/Florian Schaller
Von ATP architekten ingenieure integral geplante magdas Großküche

Integral geplante Großküche

Mo, 27.05.2019

Die integral geplante Großküche im 23. Wiener Gemeindebezirk von magdas Social Business, einem Tochterunternehmen der Caritas der Erzdiözese Wien, ist der unkonventionellste Gewerbebau von ATP architekten ingenieure Wien.

Von hier aus sollen wöchentlich bis zu 25.000 Portionen Essen für pflegebedürftige Menschen und Kindergarten- bzw. Schulkinder produziert werden. ATP Wien wurde nach gewonnenem Wettbewerb beauftragt, ein Betriebsgebäude mit energiewirtschaftlichem und soziokulturellem Vorbildcharakter zu schaffen.

Energieeffizienz auf Haubenniveau

Einem ganzheitlichen Re- und Upcycling-Konzept folgend, besteht das Gebäude zu einem Teil aus Abbruch- und Entsorgungsmaterialien sowie aufbereitetem Altholz. Ein besonderes Highlight: Die Abwärme der Großküche und insbesondere der Kühlanlagen dient der Heizung der Büro- und Personalräume im Obergeschoss. Eine Photovoltaikanlage auf dem Dach sorgt für die zusätzliche Stromversorgung des Produktionsbetriebes. Diese unkonventionellen Lösungen entwickelte ATP Wien über den gesamten integralen Planungsverlauf hinweg gemeinsam mit den Nachhaltigkeitsexperten von ATP sustain und den „materialnomaden“. Eine Zusammenarbeit, die sich bezahlt gemacht hat: die Großküche wurde mit 961 von 1.000 möglichen Punkten der Nachhaltigkeitszertifizierung ÖGNB ausgezeichnet und ist damit das bis dato höchstbewertete fertiggestellte Gewerbegebäude in Österreich.

magdas ATP a3bau

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Sozial engagierte Architektur – eine Herzensangelegenheit

Neben der prämierten baulichen und gewerblichen Nachhaltigkeit diente insbesondere der soziokulturelle Symbolcharakter von magdas als Grundlage für die integrale Planung. magdas Küche ist ein nach modernsten Maßstäben gestalteter Arbeitsplatz und Begegnungsraum mit visuellem, akustischem und thermischem Komfort. E-Ladestationen für die Mitarbeiter sind dafür gleichermaßen beispielhaft, wie ein rund um das Gebäude gepflanzter Obstgarten und ein Urban Gardening-Projekt aus recyceltem Altholz, das Mitarbeitern und Gästen offen steht.

Über den gesamten Projektverlauf hinweg war es extrem bereichernd, in der Caritas eine Bauherrin gefunden zu haben, die ein ebenso hohes Interesse und ausgeprägtes Bewusstsein für Nachhaltigkeitsthemen mitbringt, wie wir von ATP. Als integrales Team hat uns dies von Anfang an in unserer kreativen Leistung beflügelt, einmal mehr unter Beweis zu stellen, dass eine bessere Welt von morgen, hervorragende Gebäude braucht“, schildert Gesamtprojektleiter Florian Schaller die ausgezeichnete Zusammenarbeit mit der Caritas.

magdas ATP a3bau

Historie

magdas Social Business wurde 2012 von der Caritas der Erzdiözese Wien gegründet und umfasst magdas HOTEL, magdas REINIGUNG, magdas ESSEN und magdas RECYCLING. Zur Stärkung der Eigenmarke und der Entwicklung nachhaltiger Geschäftsfelder war in Wien die Schaffung eines Betriebsgebäudes für das neue Tätigkeitsfeld Essensproduktion und Catering gefragt. Aufgabe war die Konzeption eines logistisch funktionierenden Gebäudes im Erdgeschoss sowie eines innovativen und lebendigen Arbeitsumfeldes im Obergeschoss (Büro-, Besprechungs- und Aufenthaltsräume). Auch das Management und die Verwaltung von magdas sollten in dem neuen Betriebsgebäude untergebracht werden. Mit dem besten funktionalen Konzept inkl. Optimierung der Funktionsabläufe gewann ATP Wien im Jahr 2016 den geladenen, zweistufigen Wettbewerb für das Betriebskonzept der Zentralküche. Im Oktober 2017 begannen bereits die Bauarbeiten, die im November 2019 nach einer intensiven Bauphase erfolgreich und in-time abgeschlossen werden konnten. Nach einer kurzen Test- und Eingewöhnungsphase wurde die Küche im Februar 2019 im Beisein zahlreicher Gäste schließlich offiziell eröffnet. Seither werden hier wöchentlich bis zu 25.000 Portionen Essen für pflegebedürftige Menschen und Kindergarten- bzw. Schulkinder produziert.

Interior & Exterior

Nirgends ist wohl die Redewendung „Auf alten Pfannen lernt man kochen“ so treffend wie bei diesem Projekt. Nur, dass den „alten Pfannen“ eine ordentliche Portion neuer Glanz verliehen wurde: Upcycling ist das Kernthema der neuen Großküche magdas. Und damit ist weit mehr gemeint, als nur die Pfannen. Der Brandschutz und aufwändige Zertifizierungsprozesse hatten dem ambitionierten ursprünglichen Vorhaben, die Fassade des Obergeschosses zu 100 % aus recycelten Kunststoffpaneelen zu errichten zwar den Garaus gemacht, doch in der Innenraumgestaltung fanden zahlreiche ausgemusterte und recycelte Bauelemente aus Abbruchprojekten und der Parkettboden eines ehemaligen Seniorenhauses der Caritas eine neue Verwendung.

In enger Zusammenarbeit mit den „materialnomaden“ wurde ein perfekt abgestimmtes Interior-Gestaltungskonzept aus Tischlerarbeiten und rückgeführten und aufgewerteten ReUse-Materialien umgesetzt, ohne dabei „das Auge zu überfordern“. Die auffällig gestaltete Paneelenwand in der Kantine war beispielsweise schon einmal eine Deckenverkleidung in einem ehemaligen Bürogebäude. Aber auch Einrichtungsgegenstände wie Hängeleuchten, Vollholzhandläufe, Türblätter und Türzargen, Postkästen und Natursteinplatten haben ein Vorleben und wurden in den magdas-Räumen mit Liebe zum Detail wiederverwendet und aufgewertet. Die recycelten voll funktionstüchtigen mobilen Trennwände im Bürogebäude hauchen zusätzlich 80-iger-Jahre-Flair ein und schaffen eine angenehme Arbeitsatmosphäre.

Mit der integral geplanten Großküche magdas konnten wir der Caritas ein Gebäude überreichen, das nebst aller zertifizierter Nachhaltigkeit im baulichen und gewerblichen Bereich auch soziokulturell Vorbildcharakter hat. Als echtes ‘Heartquarter‘ stellt es den Menschen in den Mittelpunkt und bietet den Mitarbeitern einen modernen Arbeitsplatz mit visuellem, akustischem und thermischem Komfort“, beschreibt Architekt Heinz Lindner, Associate Partner von ATP Wien die architektonische Umsetzung der Philosophie des Auftraggebers, die der Integralen Planung mit BIM stets als Grundlage diente.

Ausstattungsmerkmale für die Mitarbeitenden wie E-Ladestationen, Urban Gardening auf der eigenen Dachterrasse sowie Arbeitsplatzkomfort und Barrierefreiheit zeichnen die soziokulturelle Qualität des Projektes zusätzlich aus. Rund um das Haus entstand ein vielfältiger Obstgarten mit Blumen und Sträuchern, die für gutes Absickern des Regenwassers sorgen. Im Sommer können Mitarbeiter und Besucher Obst und Gemüse in den Altholz-Hochbeeten des Gemeinschaftsgartens selbst ernten.

Innovative TGA

Besonders hoher Wert wurde auf die Energieeffizienz der modernen Großküchentechnik inkl. Lüftung gelegt. Ökologische und ökonomische Nachhaltigkeit sind „das Salz in der Suppe“ des innovativen gesamtheitlichen Energiekonzepts der TGA-Ingenieur_innen von ATP, indem vorhandene Ressourcen und Energiequellen genutzt werden. Nachdem bekanntlich nichts so heiß gegessen wird wie gekocht, kommt ein sehr energieintensives Chill-Verfahren zur Haltbarmachung der Speisen zum Einsatz. Die technische Gebäudeausrüstung nutzt dies für einen weiteren positiven Nebeneffekt: die großen Mengen an erzeugter Abwärme werden zurück ins System gespeist und zur Wärme- bzw. Warmwasserproduktion rückgeführt. Eine Photovoltaikanlage am Dach trägt zur Stromgewinnung bei. Wir betrachten die Großküche wie ein Industriebauprojekt – ohne Schornstein, aber mit maximal möglicher Energierückgewinnung aus Abwärme“, so Architekt Lindner über die zukunftsweisende Haustechnik des Bauwerks.

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ÖGNB GOLD-Status

Dank des stringenten, lebenszykluskostenorientierten Konzepts entspricht die TGA des Bauwerks den aktuellsten Qualitätskriterien für Gewerbebauten gemäß der Österreichischen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (ÖGNB) und wurde nach dem Bewertungsverfahren TQB zertifiziert, mit speziellem Augenmerk auf ökologische, ökonomische und soziokulturelle Aspekte.

„Im Vordergrund steht ein logistisch, funktionierendes Gebäude, welches die Bedürfnisse der Menschen achtet“, beschrieb die Jury das Projekt bereits in der Wettbewerbsphase. Mit 961 von 1.000 Punkten wurde die von den Großküchenspezialisten bei ATP Wien geplante Küche magdas durch energieeffiziente Kücheneinrichtungen, den Einsatz von Best Available Technology sowie gute Messergebnisse der Raumluftqualität im Vergleich zum Planungszertifikat (940 Punkte) sogar noch mit einer Punktesteigerung belohnt. magdas ist somit das bis dato mit den meisten Punkten nach Fertigstellung mit ÖGNB-GOLD ausgezeichnete Gewerbegebäude in Österreich.

magdas ist mit Sicherheit unser unkonventionellster Gewerbebau und mit ÖGNB Gold ein herausragendes Beispiel im Nachhaltigen Bauen”, sagt Michael Haugeneder, Geschäftsleitung der Forschungsgesellschaft ATP sustain. „Unser ganzheitliches Re- und Upcycling-Konzept zeichnet sich gleich auf mehreren Ebenen aus. Die ausgemusterten Abbruchmaterialien und das aufgearbeitete Altholz hauchen dem Innenausbau im wahrsten Sinne des Wortes Leben ein. Die Abwärme der Großküche heizt das gesamte Gebäude ohne weitere Energiequellen anzapfen zu müssen und das Regenwasser findet in der Bewässerung und Reinigung der Außenanlagen eine sinnvolle Sekundärverwendung“, erörtert der TGA-Ingenieur die nachhaltige Nutzung von Material, Energie und Wasser.

Integrale Planung mit BIM

Zu viele Köche verderben bekanntlich den Brei – damit genau dies bei einem so komplexen Hochbauvorhaben wie magdas nicht passiert, setzte der Bauherr auf integrale Planung mit BIM aus einer Hand durch ATP Wien. Die schnittstellenfreie Zusammenarbeit der unterschiedlichen Planungsdisziplinen (Architektur, Tragwerksplanung, technische Gebäudeausrüstung und Objektüberwachung) führte zu höherer Qualität, Kosten- und Terminsicherheit sowie zu einer deutlichen Effizienzsteigerung in der Planung und Ausführung, was mit der Reduktion des bei nicht integraler Planung immanenten Verschwendungspotentials am Bau einhergeht.

Durch die Kraft der Integralen Planung ist es uns gelungen, unser Architektur- und Ingenieurswissen in nachhaltiger und wirtschaftlicher Verantwortung einzusetzen. Wir konnten das Großküchenprojekt in-time, in-budget und in-quality fertigstellen“, unterstreicht Horst Reiner, Geschäftsführer von ATP Wien, das ideale Zusammenspiel aus sozialem Handeln und wirtschaftlichem Erfolg für alle Beteiligten.

Durch die frühe Einbindung der Nachhaltigkeitsexpert_innen von ATP sustain in den integralen Planungsprozess konnte das Forschungsteam maßgeblich zur Planung der Bauphysik sowie zur Gebäudezertifizierung beitragen und planungsbegleitend in der Beratung zu Energie und Nachhaltigkeit tätig werden. Die Anforderung des Bauherrn, ein Betriebsgebäude mit energiewirtschaftlichem und soziokulturellem Vorbildcharakter zu schaffen, konnte so in bestem Maße realisiert werden.

Neben unserem sozialen Auftrag als Social Business – der Schaffung von Arbeitsplätzen für Menschen mit geringen Jobchancen, beschäftigte uns bei der Planung der neuen magdas Küche vor allem ein zweites großes Thema: die Nachhaltigkeit. Wir wissen, dass der Betrieb einer Großküche  sehr energieintensiv  ist und dass damit eine große Verantwortung unsererseits einhergeht. Entsprechend naheliegend war es für uns als Bauherrn, das Thema Nachhaltigkeit bereits in der Ausschreibung ganz zentral zu verankern und die Freude mit ATP einen Planer an Board zu haben, der mit ATP sustain eine eigene Forschungsgesellschaft  hat, die sich um Energie und Nachhaltigkeit kümmert, war groß“, so Michael Kleinbichler, Geschäftsführer von magdas Social Business über die gute Zusammenarbeit.

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