Photovoltaik Sonnenstrom
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Das Jahr 2018 sollte zum Impulsjahr für den Sonnenstrom werden.

Photovoltaik: Tropfen auf heißen Steinen

Das Jahr 2018 sollte zum Impulsjahr für den Sonnenstrom werden. Doch die Stop-and-go-Politik der Regierung sorgt für Verunsicherung in einer Branche, die nach wie vor auf Förderungen seitens der öffentlichen Hand angewiesen ist.

Erfolgreiche Petitionen sehen (leider) anders aus. 1650 Unterschriften in zwei Monaten werden die Regierung wohl nicht davon überzeugen, längst fällige Maßnahmen zur Förderung der Photovoltaik hierzulande zu setzen, wie das die Mitte Juni gestartete Petition „Sonnenstromwende jetzt – Gut Ding braucht Eile“ forderte. Unter anderem das zuletzt fast halbierte Fördervolumen des Klima- und Energiefonds für Kleinanlagen wieder zu erhöhen. Still ist es auch nach wie vor in Bezug auf die von der Regierung angekündigte Streichung der Eigenverbrauchsabgabe auf selbst erzeugten Strom und es fehlen klare Vorgaben zum geplanten 100.000-Dächer-Photovoltaik-Programms.

Doch die Hoffnung stirbt zuletzt, denn die Bundesregierung wird sich Maßnahmen überlegen müssen, um ihr ambitioniertes Ziel, nämlich die österreichische Stromproduktion bis zum Jahr 2030 zu hundert Prozent (national-bilanziell) auf erneuerbare Primärenergie umzustellen, zu erreichen. Das ist Teil der der neuen Klima- und Energiestrategie, die unter dem Titel „Mission 2030“ im Frühjahr vorgestellt wurde.

Die Photovoltaik ist auf dem besten Weg, zum bedeutenden Element der zukünftigen Stromversorgung zu werden, das zeigte nicht zuletzt der diesjährige PV-Kongress, bei dem viele Innovationen und Best-Practice-Beispiele präsentiert wurden, und der von ausgeprägtem Optimismus und Aufbruchsstimmung getragen war. Das Jahr 2018 sollte zum Impulsjahr für den Sonnenstrom werden und die Schwelle vom linearen zum exponentiellen Wachstum werden (siehe Grafik). Wichtiger Faktor dabei ist die Förderlandschaft. Die Photovoltaik-Branche erlebt in Bezug darauf bislang eine Stop-and-Go-Politik. Während einige Hemmnisse bereits abgebaut wurden, werden auf der anderen Seite Fördervolumina beschnitten.

Erfreulich ist, dass Photovoltaik-Anlagen nicht mehr einen „Anerkennungsbescheid“ als Voraussetzung für die Förderung durch Einspeisetarife benötigen. Dieser Bürokratismus wurde ersatzlos gestrichen. Im Rahmen der kleinen Ökostromnovelle, die noch von der vergangenen Bundesregierung beschlossen wurde, ist es seit heuer auch möglich, Photovoltaik-Gemeinschaftsanlagen auf den Dächern von Mehrparteienhäuser zu installieren. Für Ballungsräume mit einer hohen Anzahl von Mehrparteienhäusern, Einkaufszentren und Bürogebäuden eignet sich eine effiziente Nutzung von Dachflächen zur PV-Stromerzeugung besonders gut. Ebenfalls beschlossen wurde eine Investitionsförderung in der Höhe von 30 Millionen Euro für die Jahre 2018 und 2019 für PV-Anlagen und Speicher. Damit gibt es in Österreich erstmals eine bundesweite Speicherförderung.

Verzögerter Start der Förderung

Weniger gut ist es heuer bei der Photovoltaik-Förderung des Klima- und Energiefonds für private Photovoltaik-Anlagen bis 5 kWp gelaufen (KLIEN-Förderung). Der Start hat sich dramatisch von üblicherweise Anfang März auf Ende Mai verzögert. Durch das lange Warten ist bei der Errichter-Branche ein großes Auftragsloch und Unsicherheit für die kommenden Jahre entstanden. Viele Gewerbebetriebe hat das in Schwierigkeiten gebracht, weil die beste Montagezeit nicht genutzt werden konnte. „Einige Firmen mussten aufgrund der Verzögerungen sogar Mitarbeiter freistellen“, erklärt PVA-Vorstandsmitglied Ing. Thomas Becker, ATB-Becker Photovoltaik GmbH.

Thomas Becker ATB-Becker Photovoltaik

Thomas Becker, ATB-Becker Photovoltaik GmbH: „Für das Gewerbe muss ein Weg gefunden werden, der Kontinuität schafft, sodass ein stabil laufender PV-Markt entstehen kann“

Zusätzlich ist das Förderbudget gegenüber dem Vorjahr um knapp die Hälfte von acht auf 4,5 Millionen Euro gekürzt worden. Damit können etwa 18 MWp gefördert werden, das sind etwa 3.600 Anlagen. Erwartungsgemäß gab es zu Beginn einen großen Ansturm auf die Fördertöpfe. Bereits in den ersten vier Werktagen wurde die erste Fördermillion abgerufen. Im Jahr 2017 dauerte dies einen ganzen Monat. Ende Juni war das Fördervolumen bereits zur Hälfte abgerufen und wurde Mitte Juli um 360.000 Euro aufgestockt, was der Verband auf die Petition zurückführt. „Es ist ein erster Tropfen auf einem sehr heißen Stein. Wir sind froh, dass unsere Petition ‚Sonnenstromwende JETZT‘ gehört wurde, so Vera Immitzer vom Bundesverband Photovoltaic Austria (PVA), wenn auch die erwarteten 10.000 Unterzeichner der Petition weit verfehlt wurden.

Vera Immitzer Bundesverband Photovoltaic Austria

Vera Immitzer, Bundesverband Photovoltaic Austria: „Die Streichung der Eigenverbrauchsabgabe ist das Mindeste, was passieren muss, wenn die Regierung in dieser Angelegenheit ernst genommen werden möchte“

Die Förderung der Kleinanlagen ist ein notwendiger Anreiz, um eine PV-Anlage für Hausbesitzer wirtschaftlich interessant zu machen. Hier ist das Investitionsfördermodell Garant dafür, dass auf einen möglichst hohen Eigenverbrauchsanteil geachtet wird. Dabei zeigt sich, dass sich die Investition in eine PV-Anlage auch für den Staat rechnet. So stehen der Förderung einer PV-Kleinanlage (5 kWp) bei einer Fördersumme von 1.375 Euro, Einnahmen für den Staat von 1.800 Euro (Einnahmen aus Mehrwertsteuer und Lohnsteuer) gegenüber. Die Förderung stellt damit einen Gewinn für den Staat dar. Wir befinden uns in der größten Umstellung des Energiesystem und stehen vor der größten Herausforderung seit der Einführung des elektrischen Stroms. Jetzt Fördermittel kurzfristig zu streichen ist der absolut falsche Weg“, erklärt Kurt Leeb, eww Anlagentechnik GmbH und PVA-Vorstandsmitglied.

Streichung der Eigenverbrauchsabgabe

Ruhig ist es auch um die Streichung der Eigenverbrauchsabgabe geworden. Seit dem Jahr 2014 ist die eigene Nutzung von selbst erzeugtem PV-Strom bis zu einem jährlichen Verbrauch von 25.000 kWh, steuerlich frei von Abgaben. Nun hat die Regierung von sich aus angekündigt, diese Grenze gänzlich zu streichen und die Nutzung von selbst erzeugtem PV-Strom von der Steuer zu befreien. Diese Steuer ist sowohl für die Betreiber als auch für die Finanzämter aufwändig zu administrieren, wobei es meist um monatliche Zahlungen von wenigen Euro an das Finanzamt geht.

„Vor allem bei größeren PV-Anlagen (50 kWp aufwärts) mit entsprechendem Eigenverbrauch wird die Rentabilität der Anlage oft erst bei der Einsparung der Elektrizitätsabgabe erreicht. Bei Belastung mit der Steuer fällt die Entscheidung zur Investition häufig negativ aus. Das bedeutet kein Bau und keine Einnahmen für das Finanzamt“, erklärt Christoph Panhuber, Energie AG Oberösterreich Renewable Power GmbH. Obwohl in der Klimastrategie angekündigt, möchte die Regierung diese Streichung erst in zwei Jahren umsetzen – in einem großen Energiegesetz. Vor allem große PV-Anlagen sind in beträchtlicher Zahl nötig, um die Ziele der Bundesregierung zu erreichen. Um die Ziele im Jahr 2030 zu erreichen, müsste die Photovoltaik nach übereinstimmenden Prognosen dafür 14–15 Terawattstunden Strom/Jahr (das sind 14–15 Gigawattpeak installierte Leistung) beitragen und somit einen großen Teil der Reform schultern, heißt es aus dem Bundesverband Photovoltaic Austria.

Christoph Panhuber Energie AG Oberösterreich

Christoph Panhuber, Energie AG OÖ Renewable Power GmbH: „Wir brauchen in Bezug auf die Förderungen mehr Planungssicherheit, sonst sind die Anlagen wirtschaftlich nicht darstellbar“

„Die Abschaffung der Elektrizitätsabgabe ist ein notwendiger Schritt, der Administration und Bürokratie verringert und so eine große Hebelwirkung hat“, so Panhuber weiter. Durch die Streichung eines Halbsatzes im Elektrizitätsabgabegesetz ist die Abschaffung der Eigenverbrauchssteuer sehr einfach möglich.

Angekündigtes 100.000-Dächer-Programm

Aktuell werden in Österreich jährlich etwas mehr als 10.000 PV-Anlagen errichtet. Schnürt man das angekündigte 100.000-Dächer-Programm auf die nächsten fünf Jahre (2019-2023), ergibt dies eine Verdopplung des aktuellen PV-Marktes. Enormes Sonnenstrompotential ortet Gudrun Senk, Bereichsleiterin für die gesamten Erzeugungsanlagen von Wien Energie, im Bereich der städtischen Dachflächen: „Wien soll zur Musterstadt werden, hier gibt es aber im Aufbau geeigneter Rahmenbedingungen und im Abbau bürokratischer Hemmnisse noch viel zu tun. Die Wiener Energieversorger stehen voll hinter den Ausbauzielen bis 2030 und planen in den nächsten fünf Jahren 100 Millionen Euro in die Photovoltaik zu investieren“, so Senk.

Gerald Hotz Fronius

Gerald Hotz, Fronius International: „Die Implementierung der Speichertechnik im PV-Ausbau ist wichtig, um die Sektorenkopplung zu erreichen“

Optimiert werden soll auch die Implementierung der Speichertechnik im PV-Ausbau, fordert PVA-Vorstandsmitglied Gerald Hotz, Fronius International GmbH. „Die Vision lautet: 24 Stunden Sonnenstrom und die Deckung des weltweiten Strombedarfs aus 100 Prozent erneuerbarer Energie. Die Speichertechnik hat in den letzten Jahren einen massiven Auftrieb erlebt und ist jetzt untrennbar mit der Produktion von Sonnenstrom verbunden. Österreich kann sich mit dem Regierungsziel weltweit profilieren“, so Hotz.

Gudrun Senk Wien Energie

Gudrun Senk, Wien Energie: „Gerade in der Stadt haben wir enormes Potenzial, den Strom dort zu erzeugen, wo er verbraucht wird“

Alle Kopf-Fotos: © Bundesverband Photovoltaik Austria/APA-Fotoservice/Rastegar

Sonnenstromwende jetzt!

Der Bundesverband Photovoltaic Austria (PVA) fordert nun unter dem Motto „Gut Ding braucht Eile! – Sonnenstromwende JETZT!“ die Regierungsankündigungen mit Inhalt zu befüllen. Die Forderungen sind:

  • Streichung der Eigenverbrauchsabgabe
  • Klares Konzept für das angekündigte 100.000-Dächer-Programm
  • Fortführung der Kleinanlagenförderung des Klima- und Energiefonds

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