Theresienfeld a3bau
Müller-Hofstetter
In Theresienfeld in der Nähe von Wiener Neustadt errichtet die Gemeinnützige Wohnungsgesellschaft „Arthur Krupp“ ein gefördertes Wohnbauvorhaben mit 28 Wohneinheiten in 4 Baukörpern.

Viertel Hoch Zwei

Mi, 11.09.2019

Die Gemeinnützige Wohnungsgesellschaft „Arthur Krupp“ (Teil der Wien Süd Gruppe) geht mit der Konzeptstudie „Viertel hoch Zwei“ neue Wege im Wohnbau: mit einfacher Technik zu leistbaren, klimaneutralen und langlebigen Wohnungen.

In Theresienfeld in der Nähe von Wiener Neustadt errichtet die Gemeinnützige Wohnungsgesellschaft „Arthur Krupp“ ein gefördertes Wohnbauvorhaben mit 28 Wohneinheiten in 4 Baukörpern. Zwei dieser Baukörper werden in der neu entwickelten Typologie „Viertel hoch Zwei“ errichtet. Für das Projekt kooperiert ein ambitioniertes Team des Bauträgers mit führenden externen Experten aus den Bereichen Energiesimula-tion, Haustechnik, Planung, Wohnrecht, Wohnbaufinanzierung, Ökologie und Empirie. Die Projektinnovation wird durch die Wohnbauforschung des Landes Niederösterreich unterstützt.

Theresienfeld a3bau

Familienwohnungen um etwa € 850 pro Monat: Heizung, Kühlung und Strom inklusive

Weil jedes Detail auf Kostenoptimalität geprüft wurde, ist es möglich, die „Viertel hoch zwei“-Häuser zu den – sehr niedrigen – Kosten des geförderten Mietwohnbaus in Niederösterreich zu errichten. Man rechnet mit einer Brutto-Kaltmiete von unter € 800 für eine 100m²-Wohnung bei Eigenmitteln des Bewohners von etwa € 38.000. Bei geringeren Eigenmitteln von z.B. € 20.000 liegt die Bruttomiete immer noch bei unter € 1.000 pro Monat. Wirklich sensationell sind aber die Energiekosten. Mit dem innovativen Modell von Heizung, Kühlung und Warmwasser sowie den Solarpaneelen am Dach ist mit durchschnittlich etwa € 60 pro Monat zu rechnen, wohlgemerkt inklusive Haushaltsstrom. Das sind 50-70% geringere Energiekosten wie ein durchschnittlicher Haushalt.

Wir brauchen leistbare Wohnungen, die den heutigen Bedürfnissen unserer Bewohner ebenso entsprechen wie den zukünftigen

Die Lebensstile werden vielfältiger. Lebensphasen ändern sich häufiger, und das bis ins hohe Alter. Gleichzeitig nimmt die Unsicherheit zu, hinsichtlich persönlicher Wechselfälle, hinsichtlich des Einkommens. Die Antwort sind günstige Wohnungen, die auf die unabsehbaren Entwicklungen, die das Leben mit sich bringt, eingehen. „Viertel hoch zwei“ bietet zweigeschoßige kompakte Fünfzimmer-Wohnungen, allerdings mit nur knapp 100m². Das besondere ist die Trennbarkeit der beiden Geschoße. Mit ganz geringem Aufwand können aus der 5-Zimmer-Wohnung zwei 2-Zimmer-Wohnungen gemacht werden: als Startwohnung für die Kinder, für die Betreuung im Dritten Lebensabschnitt oder für die Untervermietung zur Aufbesserung in der Pension. Die Möglichkeiten sind so vielfältig wie die heute erkennbaren Lebensentwürfe.

Wir brauchen klimaneutrale Gebäude

Das ist mit gut isolierten Häusern allein nicht getan. Wir brauchen darüber hinaus optimierte Heizsysteme und sollten Energie nutzen, wo immer sie verfügbar ist. Eine immens interessante Quelle ist Ökostrom. Windräder produzieren Strom auch zu Zeiten, wenn er nicht gebraucht wird. Solche Stromspitzen können zum Heizen und Kühlen im Wohnbau genutzt werden. Gebäude können zu Speicher für überschüssigen Strom werden. Selbstverständlich sind alle Dächer mit Photovoltaik bestück. Smart Meter ermöglichen, dass jeder einzelne Mieter auch Strom vom eigenen Dach nutzen und damit Geld sparen kann.

Dach Theresienfeld a3bau
Wolfgang Amann (IIBW), Gerald Batelka (WBG "Arthur Krupp") und Baumeister Johannes Dinhobl am Dach der Wohnhausanlage, das bauteilaktiviert wird

„Viertel hoch Zwei“ ist grün. Die günstigen Baukosten ermöglichen umfangreiche Maßnahmen im Freiraum, von hochstämmigen Bäumen, Unterstützung der Bewohner beim Garteln, bis zu unversiegelten Abstellplätzen. So können gleichermaßen die Wohnqualität erhöht und sommerliche Hitzeinseln vermieden werden.

Unsere Landschaft muss geschützt werden – wir müssen unsere Gemeinden so entwickeln, dass weniger Bauland verbraucht wird

Ein Großteil der Österreicher wünscht sich ein Haus im Grünen. Wenn sich jeder diesen Wunsch erfüllt, wird in ein paar Jahren nicht mehr viel Grün übrigbleiben. Die Arthur-Krupp-Konzeptstudie „Viertel hoch Zwei“ gibt die Antwort. Sie kombiniert vier Viertelhäuser mit Garten und zwei Dachterrassenwohnungen und benötigt dafür nur einen Bruchteil des Baulands eines Eigenheims. Gemeinden profitieren von einer besseren Ausnutzung des verbliebenen Baulands, weil sie sich dadurch Kosten für Straßen und Kanalisation sparen, weil bei mehr Bewohnern öffentlicher Verkehr leichter zu finanzieren ist, weil mehr Menschen zu Fuß oder mit dem Rad das Ortszentrum erreichen und den dortigen Geschäften Kundschaft bringen, aber auch weil dadurch das soziale Leben im Ort aufgefrischt wird.

Wir brauchen neue Antworten auf die Komplexität der Technik

Das Smart Phone wurde deshalb so erfolgreich, weil die komplexe Technik im Inneren unsichtbar bleibt und sich über einfache und intuitive Oberflächen steuern lässt. Bei heutigen Gebäuden stellt sich eine ähnliche Herausforderung. Der Grad an Komplexität hat enorm zugenommen. Die Wohnungskunden wünschen sich aber „Low Tech“ – einfach zu bedienende Wohlfühlwohnungen. Bei „Viertel hoch Zwei“ wurde dieser Ansatz konsequent zu Ende gedacht. Alle Aspekte des Baus und der Haustechnik wurden bis in die Details optimiert, immer aber dem Grundsatz folgend, zuverlässige langlebige Technik auf einfachst mögliche Art einzubauen.

Komplexe Technik

Hinter den lebenslang praktischen und günstigen Wohnungen stehen komplexe Prozesse zur Optimierung des Baus und des Energiemanagements. Es wurden insgesamt etwa 20.000 Varianten von Konstruktion, Baumaterialien und Wärmeschutz, von Heizung, Haustechnik und Energieaufbringung geprüft, und zwar nicht nur in Bezug auf die heutigen Baukosten, sondern auf die Kosten über die gesamte Lebensspanne des Gebäu-des hinweg. Diese „Lebenszyklusbetrachtung“ eröffnet völlig neue Perspektiven. Neue Technologien, wie die Bauteilaktivierung, haben plötzlich die Nase gegenüber konventionellen Heizsystemen vorn. Dabei wird mit Windparkbetreibern kooperiert, die dann Strom in das Haus schicken, wenn der Wind mehr Strom erzeugt, als im Netz verbraucht wird. Dieser treibt Wärmepumpen an, die dann die Betondecken erwärmen oder im Sommer kühlen. Wegen der thermischen Trägheit des Betons kann die Wärme (oder Kälte) irgendwann bei Tag oder Nacht in das Gebäude eingetragen werden und es behält eine völlig konstante Temperatur.

Kooperation mit Gemeinden

Die neue Gebäudetypologie „Viertel hoch Zwei“ eignet sich besonders für ländlich geprägte Gemeinden mit Wachstumspotenzial. Die Baukörper mit jeweils sechs Wohneinheiten und starker Durchgrünung sind gut in Einfamilienhausgebiete integrierbar und ermöglichen damit eine verträgliche Nachverdichtung. Es ist die Widmungskategorie „Wohngebiet“ oder „Kerngebiet“ und die Bauklasse II erforderlich. „Viertel hoch Zwei“ ist auf Grundstücken ab ca. 900m² umsetzbar (stark abhängig von der Stellplatzverpflichtung). Das Modell ist auf die Bedingungen der Niederösterreichischen Wohnbauförderung hin optimiert. Die Innovationen bei der Energieversorgung kommen besonders in Gebieten ohne Fernwärmeversorgung zum Tragen.

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