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Eine aktuelle Studie untersucht, warum sich qualifizierte Personen für oder gegen einen Arbeitgeber entscheiden

War for talents

Di, 01.10.2019

Ausbildung, Know-how und Erfahrung der Mitarbeiter waren für Unternehmen immer schon wichtig – aber seit die Digitalisierung die Anforderungen an die Qualifikationen der Arbeitnehmer deutlich erhöht hat und noch weiter erhöhen wird, haben diese Themen deutlich an Bedeutung gewonnen.

Die von Leitbetriebe Austria und Marketagent.com präsentierte Studie „Mitarbeitermagnetismus“ ist die bisher umfassendste und detaillierteste Erhebung, warum sich qualifizierte Personen für oder gegen einen Arbeitgeber entscheiden. Sie untersucht außerdem, wie Mitarbeiter gehalten werden können, was sie zu einem Wechsel bewegt und was notwendig ist, damit sie über viele Jahre hinweg engagiert bleiben.

Interviewt wurden mehr als 2.000 berufstätige Personen zwischen 20 und 65 Jahren. Anhand von 55 Fragen konnte ein sehr genaues Bild erstellt werden. „Die Studie hat gezeigt, dass man mit althergebrachten Strategien zu Mitarbeitergewinnung und -bindung in Zukunft nicht mehr weiterkommt“, erklärt Lisa Patek, Marketingleiterin von Marketagent.com. „Die heimischen Unternehmen sind zwar engagiert und auch im internationalen Vergleich gut unterwegs, aber es bleibt noch viel zu tun, um auch im digitalen Zeitalter als Arbeitgeber zu den globalen Leadern zu gehören“, ergänzt Leitbetriebe Austria-Geschäftsführerin Monica Rintersbacher.

Was motiviert Arbeitnehmer?

Wenig überraschend an erster Stelle steht nach wie vor das Gehalt – gearbeitet wird, um Geld zu verdienen. Bemerkenswert ist hingegen, dass das Motiv „Karriere / Erfolg“ nicht einmal halb so wichtig ist wie Freude an der Arbeit. „Die Aussicht auf Beförderung und einen höheren Platz in der Hierarchie motiviert kaum noch“, fasst Patek zusammen. „Wichtig sind der Arbeitsinhalt und ein positives Arbeitsumfeld.“ Alles in allem hat der Job für fast 80 Prozent der Befragten einen (sehr) hohen Stellenwert.

Unternehmenskultur

Nur gut die Hälfte der Befragten beurteilt den Führungsstil in ihrem Unternehmen als kooperativ, welcher von beeindruckenden 93 Prozent als gut oder sehr gut empfunden wird. Ein Drittel ortet hingegen einen autoritären Führungsstil, den nur gut 30 Prozent positiv sehen. Ein autoritärer Führungsstil wird von Mitarbeitern, von denen Eigenverantwortung, Motivation und Kreativität erwartet wird, immer weniger akzeptiert.

Produktivität und Work/Life-Balance

Im Mittel sind die heimischen Berufstätigen laut eigener Einschätzung zu 80% ihrer Arbeitszeit tatsächlich produktiv. Bemerkenswert sind dabei die Unterschiede zwischen Vollzeit- und Teilzeitbeschäftigten: Während sich 32 Prozent der Vollzeitbeschäftigten als sehr ausgelastet betrachten, sind es nur 20 Prozent der Teilzeitkräfte. Dafür kann ein rund doppelt so hoher Prozentsatz der Teilzeitbeschäftigten den Wunsch nach Arbeit im Home-Office (bei Vollzeit- und Teilzeitbeschäftigten ähnlich stark ausgeprägt) auch tatsächlich realisieren.

Sehr erfreulich: Die oft beklagte mangelnde Trennung zwischen Berufs- und Privatleben gibt es in der Realität kaum: Diese ist 79,7 Prozent der Befragten wichtig oder sehr wichtig und 78,3 Prozent bestätigen, dass ihnen diese Trennung auch sehr gut oder gut gelingt.

Arbeitsmarkt und Digitalisierung

Die gute Nachricht: „Die Digitalisierung wird von Österreichs Arbeitnehmern überwiegend als Chance betrachtet, nur eine kleine Minderheit betrachtet die Entwicklung mit Sorge“, erklärt Patek. 77 Prozent bewerten Digitalisierung generell positiv, 66 Prozent sehen ganz konkret eine Erleichterung / Unterstützung für ihre eigene Arbeit. Hingegen sehen nur 16 Prozent darin eine Gefahr für ihren Arbeitsplatz. „Die Österreicher sind keine Technikmuffel, sondern stehen Innovationen mittlerweile sehr positiv gegenüber. Das ist eine große Chance für Unternehmen und den Wirtschaftsstandort“, sagt Rintersbacher.

Entlohnung und Arbeitsplatzentscheidung

In diesem Bereich zeigte sich das vielleicht überraschendste Ergebnis der Studie: Im Durchschnitt sind Frauen weniger sicherheitsorientiert als Männer: Für einen langfristig sicheren Arbeitsplatz würden nur 29 Prozent der Frauen, aber rund 36 Prozent der Männer auf einen Teil des Gehalts verzichten. Das liegt unter anderem daran, dass der Teilzeitanteil bei Frauen höher ist. In der Regel deckt in einem Haushalt der Vollzeitbeschäftigte die Grundbedürfnisse ab und daher ist Sicherheit aus faktischen Gründen wichtiger.

Den Erwartungen entspricht hingegen, dass mehr Jüngere als Ältere lieber weniger Gehalt, dafür mehr Urlaub hätten, Männer öfter Gehaltserhöhungen einfordern und Jüngere deutlich öfter über freiwillige Jobwechsel nachdenken als Ältere.

Jobwechsel vs. Mitarbeiter halten

Bemerkenswert sind die Motive für einen tatsächlichen Jobwechsel: Hier dominiert „zu geringes Gehalt“, dahinter folgen der „Führungsstil des Vorgesetzen“ und Motive wie Stress, Arbeitszeiten oder Arbeitsklima. Des Geldes wegen wird dann gekündigt, wenn der Jobwechsel 25 Prozent mehr Gehalt verspricht. „Das ist in der Praxis gar nicht so oft der Fall. Wenn Unternehmen ihre guten Mitarbeiter halten wollen, müssen sie daher nicht in erster Linie mehr bezahlen, sondern sicherstellen, dass auf allen Führungsebenen ein wertschätzender, motivierender und fairer Umgang mit den Mitarbeitern selbstverständlich ist. Gute Führungskräfte sind der sicherste Garant für motivierte Mitarbeiter und diese sind wiederum unverzichtbar, um auf dem zunehmend globaleren Markt langfristig erfolgreich zu sein“, so Rintersbacher.

Fazit: Generell sieht Rintersbacher die seit Jahren gelebte Philosophie der österreichischen Leitbetriebe durch die Studie bestätigt. Dies bekräftigt auch Andreas Gnesda, Beiratsvorsitzender von Leitbetriebe Austria: „In der modernen Wirtschaft spielt Werteorientierung die zentrale Rolle für nachhaltigen Unternehmenserfolg. Zu diesen Werten gehören ein klarer Fokus auf die Mitarbeiter, soziale Verantwortung sowie ein guter menschlicher Umgang. Unsere Studie hat ganz klar aufgezeigt, dass vermeintliche Soft Facts im Unternehmensalltag zu relevanten Hard Facts werden.“

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