© Kurt Hörbst

Ethouse Award 2022

Zum elften Mal hatte die ARGE Qualitätsgruppe Wärmedämmsysteme den ETHOUSE Award ausgeschrieben, der Preis für energieeffiziente Sanierungen in Österreich. Eingereicht werden konnte in den Kategorien öffentliche und gewerbliche Bauten sowie Wohnbau.

Am 16. November 2021 kam die ExpertInnen-Jury zusammenund nominierte fünfProjektefür den Award. Diese stehenneben Energieeffizienz ebenfallsfür Innovation, einenbesonderen Zugang zur Gestaltungsowiefür diehervorragende Verarbeitung des Wärmedämmverbundsystems (WDVS).Die Verleihung findet im März 2022 in Wien statt.

Unter dem Vorsitz von Architektin Renate Hammer (Institute of Building Research & Innovation) evaluierte die ExpertInnen-Jury am 16. November 2021 in einer Online-Sitzung die eingereichten Gebäudesanierungen. Ihr Hauptaugenmerk lag auf Energieeffizienz, Innovation, architektonische Umsetzung & Ästhetik sowie auf dem richtigen Umgang mit dem Wärmedämmverbundsystem (WDVS).

Fünf Projekte punkteten besonders in diesen Kriterien: „Die Einreichungen zeigen eine ausdifferenzierte Materialwahl und Konstruktionsmethoden in der thermischen Sanierung“, resümiert die Jury-Vorsitzende. „Etliche Projekte verbessern nicht nur konsequent die Gebäudeperformance im Sinne unserer Klimaschutzziele. Sie unterstreichen auch, wie relevant die Gebäudesanierung für eine gelingende Baukulturist.“ Die Nominierten haben noch etwas gemeinsam: In keinem Objekt ist Gas-oder Ölheizung installiert. Sie tragen der Zeit Rechnung und stehen als Leuchtturm-Projekte auch für die Mission der Arge QG WDS: ein energieeffizienter Gebäudebestand. Die nominierten Projekte Ethouse Award 2022 sind von West- nach Ostösterreich lokalisiert: Zwei Tiroler Gebäudesanierungen, ein Linzer Stadthaus, ein Gemeindebau sowie ein mehrgeschossiger Bau in Wien.

Die Nominierten

Volksschule Brixlegg

Architektur: ARGE Architekturhalle Arch. R. Wulz Zivilitechniker KG mit ILIOVAarchitektur in Zusammenarbeit mit Ing. Manfred König
Verarbeitung: Hans Bodner BaugesmbH + CoKG
Energiekennzahl 30,3 kWh/m2a (169,9 kWh/m2a vor Sanierung)
Verbesserung in %  82,17

Unsanierte Halle
Volksschule Brixlegg vor der Sanierung (© Architekturhalle)
Volksschule Brixlegg
Volksschule Brixlegg nach der Sanierung (© Angelo Kaunat)

Brixlegg ist eine mit 3 „e“ ausgezeichnete e5-Gemeinde und Teil der Klima-und Energiemodellregion Alpbachtal. Für die Sanierung der Volksschule (Baujahr 1966) wurde eine sehr hohe energetische und ökologische Qualität angestrebt. Um diese Sanierungsqualität zu gewährleisten, wurde das Projekt zur „Mustersanierung“ eingereicht. Realisiert wurde ein energie-und klimatechnisches State-of-the-Art Projekt. Die SchülerInnen und LehrerInnen haben nun eine optimale Lern-und Arbeitsatmosphäre nach modernsten Kriterien. Folgende Punkte hebt die Jury besonders hervor:

  • Pelletheizung nach der Sanierung
  • Musterprojekt in einer Vorzeigeregion
  • hoher Maßstab-Optimierung der thermischen Hülle als integrativer Teil eines Gesamtkonzeptes
  • schlichte und zugleich freundlich einladende Fassade
  • Nutzung des Tageslichts im Gebäudeinneren

Franzosen Häuser Innsbruck

Bauträger: Neue Heimat Tirol Gemeinnützige Wohnungs GmbH
Verarbeitung: Hans Bodner BaugesmbH + CoKG
Energiekennzahl 35,07 kWh/m2a (161,6 kWh/m2a vor Sanierung)
Verbesserung in % 78,3

Wohnblock unsaniert
Franzosen Häuser Innsbruck vor der Sanierung (© Neue Heimat Tirol)
Wohnblock saniert
Franzosen Häuser Innsbruck nach der Sanierung (© Martin Vandory)

1950 wird die Neue Heimat Tirol (NHT) beauftragt, für die französische Garnison in Innsbruck Wohnraum zu schaffen. Der Bauder sogenannten „Franzosenhäuser“ wurde 1954 abgeschlossen. Die Auftraggeber sind dort jedoch nie eingezogen und so konnte die nachkriegsbedingte Wohnraumnot der InnsbruckerInnen gemildert werden. Die „Franzosenhäuser“ bestehen aus sechs Einzelgebäuden mit zwölf Treppenhäusern und 84 Wohnungen. Circa 2,3 km von der Innsbrucker Altstadt entfernt bietet die ruhige, grüne und dennoch zentrale Lage hohe Lebens- und Wohnqualität. Ziel der energetischen Sanierung war der EnerPHit Sanierungs-Standard des PassivhausInstituts in Darmstadt, inklusive der Integration einer hochwertigen Komfortlüftungsanlage. Das Projektteam hat das historische Gesamtbild der „Franzosenhäuser“ erhalten, neue architektonische Akzente entsprechen modernen Häusern. Folgende Aspekte hebt die Jury besonders hervor:

  • Nachkriegsgebäude
  • Sanierung eines gesamten Stadtquartiers
  • Anspruchsvolle Organisation da im bewohnten Zustand saniert wurde

Stadthaus Linz

Architektur: mia2 Architektur ZT GmbH
Verarbeitung: Markmont GmbH
Energiekennzahl 28,5 kWh/m2a (129,20 kWh/m2a vor Sanierung)
Verbesserung in % 77,94

unsaniertes Stadthaus
Stadthaus Linz unsaniert (© mia1 Architektur ZT GmbH)
Saniertes Stadthaus in Linz
Stadthaus Linz saniert (© Kurt Hörbst)

Das Stadthaus liegt zentral zwischen dem Linzer Hauptplatz und dem Hafen. Der Bestand, basierend auf einer Grundsubstanz aus dem 16. Jahrhundert, wurde zu gewerblich genutzten Räumensowie neuem Wohnraum saniert und erweitert. Die Charakteristik der historischen Substanz sollte bestmöglich erhalten bleiben: Eine Bebauungsplanänderung definierte die Geschoßigkeit wie die Position einer neuen Erschließung, Treppe und eines Lifts. Die Aufstockung erfolgte nach ökologischen, ökonomischen und bautechnischen Anforderungen in Mischbauweise. Folgende Punkte hebt die Jury besonders hervor:

  • Freiraum in den Hof
  • Erhalt der Kastenfenster
  • sensibler Umgang mit Grundsubstanz aus dem 16.Jahrhundert
  • Altbestand und moderne architektonische Elemente kombiniert
  • Eingliederung in die Umgebung-klare Architektur

Wohnhausanlage 1110 Wien

Bauträger: GSD Gesellschaft für Stadt-und Dorferneuerung Ges.m.b.H.
Architektur: Arch. Werner Rebernig (GSD)
Verarbeitung ARGE Porr Bau Gmbh und Zinglbau GmbH
Energiekennzahl 23 kWh/m2a (119 kWh/m2a vor Sanierung)
Verbesserung in %   80,67

Hochhäuser unsaniert
Wohnhausanlage 1110 Wien unsaniert (© GSD GesmbH)
sanierte Wohnhausanlage
Sanierte Wohnhausanlage 1110 Wien (© GSD GesmbH)

Eine in die Jahre gekommene Wohnhausanlage erhielt ein zeitgemäßes neues Erscheinungsbild. Im Rahmen der Fördermittel durch den Wohnfonds Wien wurden zahlreiche Maßnahmen umgesetzt. U. a.wurde die Energiekennzahl reduziert, Wohnungsfreiflächen (Loggien) vergrößert, Barrierefreiheit und Sicherheitstechnik optimiert, die Außenanlagen und die Gemeinschaftseinrichtungen revitalisiert sowie 79 neue Dachgeschosswohnungen geschaffen. Folgende Punkte hebt die Jury besonders hervor:

  • Revitalisierung der Gemeinschaftsräume
  • umfassende Sanierung der gesamten Anlage inklusive der Außenflächen
  • Das Projekt setzt Maßstäbe und hat somit Vorbildwirkung.
  • Ressourcenschonender Umgang in einer großen Wohnhausanlage: Material wird im Lebenszyklus gehalten

Gemeindebau 1140 Wien

Architektur Treberspurg & Partner
Architekten ZT GmbH
Verarbeitung DI Wilhelm Sedlak GmbH mit Tochterunternehmen Zinnrot Fassade & Malerei
Energiekennzahl 8,71 kWh/m2a (93,58 kWh/m2a vor Sanierung) bzw. 9,62 kWh/m2a (108,52 kWh/m2a vor Sanierung)
Verbesserung in %   90,69 bzw. 91,14

Wohnhaus unsaniert
Gemeindebau 1140 Wien vor der Sanierung (©Treberspurg & Partner Architekten)
Gemeindebau nach der Sanierung
Gemeindebau 1140 Wien nach der Sanierung (©Treberspurg & Partner Architekten)

Im Rahmen der europaweiten Forschungsinitiative EU GUGLE wurde erstmals ein Gemeindebau der Stadt Wien aus dem Jahr 1969 auf Passivhausstandard thermisch saniert. Entwickelt wurde eine innovative Multi-Aktiv-Fassade (kurz MAFa). Zusammengearbeitet haben dafür die Universität für Bodenkultur (BOKU), Bauherr, ArchitektInnen, PV-ExpertInnen und ausführende Firmen. Die Solarfassade besteht aus einer vorgefertigten, hinterlüfteten Glasfront mit Kartonwabe, die Wärmedämmung auf der Rückseite wird von einer Holzkonstruktion getragen. Direkt in die Konstruktion integriert ist die Photovoltaik- (PV) und eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung. Das Sanierungsprojekt der Stadt Wien kommt den BewohnerInnen, dem Klimaschutz sowie der Erforschung zentraler Zukunftsfragen zugute. Aus der Begründung der Jury

  • innovative Fassadenkonstruktion entwickelt durch interdisziplinäre Zusammenarbeit
  • Pilot- und Vorzeigeprojekt im kommunalen Wohnbau
  • Bedeutung für die Forschung
  • Sanierung im bewohnten Zustand
  • breite Kombination von Maßnahmen