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Zunehmende Flächenversiegelung und immer häufigere Starkregenereignissen sorgen für neue Herausforderungen

Regenwassermanagement vor neuen Herausforderungen

Den Wassermassen Herr werden: Zunehmende Flächenversiegelung in Kombination mit immer häufigeren Starkregenereignissen stellt das Regenwassermanagement vor neue Herausforderungen.

Durch den Klimawandel werden sowohl Starkregen als auch Hitzetage häufiger. Sind Böden versiegelt, können sie kein Wasser aufnehmen, was bei Starkregen die Hochwassergefahr verschärft, während an heißen Tagen Asphalt und Beton die Hitze verstärken, verdeutlicht Ulla Rasmussen, Expertin des Verkehrsclub Österreichs (VCÖ). Eine Analyse von Daten des Umweltbundesamtes zeigt, dass in den vergangenen zehn Jahren die Verkehrsflächen in Österreich um 100 Quadratkilometer zugenommen haben. Bereits 2.070 Quadratkilometer nehmen Verkehrsflächen in Anspruch, davon sind 1.130 Quadratkilometer durch Asphalt oder Beton versiegelt. Im Verhältnis zur Bevölkerungszahl hat das Burgenland die höchste Versiegelungsquote. Pro Kopf sind im Burgenland 277 Quadratmeter durch Verkehrsflächen versiegelt, das ist doppelt so viel wie der Österreich-Schnitt von 128 Quadratmeter, so ein Ergebnis der VCÖ-Analyse.

Limitierte Kanäle

Probleme entstehen auch durch die Limitierung der Kanalisation, ergänzt Ernst Strasser, Geschäftsführer Aco Österreich, die auf Regenwassermanagement-Systeme spezialisiert sind: „Das ist von Bedeutung, weil nicht immer Regenwasser- bzw. Mischkanäle zur Verfügung stehen, wo Regenwasser eingeleitet werden kann. Damit steht man vor dem Thema versickern oder in einen Vorfluter einleiten zu müssen.“ Es sei weniger die Intensität der Starkregenereignisse, sondern deren Häufigkeit, die neue Lösungen erfordere, weil der Boden nur eine gewisse Menge an Regenwasser aufnehmen könne, so Strasser.

Ernst Strasser Aco

Ernst Strasser, Geschäftsführer Aco Österreich: „Mit unserer durchdachten Systemkette wird die Naturgewalt Wasser vorausschauend, sensibel und nachhaltig gesichert, heute und auch in Zukunft.“

Wichtig ist, die Starkregenereignisse in der hydraulischen Berechnung zu berücksichtigen, um angrenzende Gebäude vor „Überflutungen“ zu schützen, meint Josef Speer, Verkaufsleiter Österreich bei BG-Graspointner: „Bei unserer hydraulischen Berechnung ermitteln wir die Nennweiten der Entwässerungsrinnen und die optimale Anzahl der Ablauföffnungen. Entwässerungsrinnen können auch als Retentionsräume genutzt werden. Speziell im städtischen Bereich sind Rinnen wichtig, um das Wasser von versiegelten Flächen abzuleiten.“ Größere Nennweiten von früher 100 bis 300 Millimetern auf heute bis zu 500 Millimetern ist eine Konsequenz der verstärkten Niederschläge.

Hein Schnabl, Vertriebsleiter Österreich der Mall GmbH, fasst zusammen: „Zunächst ist auf die Sickerfähigkeit des Bodens zu achten, zweitens sind Retentionsräume zu schaffen, um das Regenwasser zwischen zu speichern und gedrosselt abzuleiten. Schließlich gibt es immer mehr Lösungen für begrünte Dächer, die als Retentionsflächen dienen. In Zukunft wird es auch Fassaden-Systeme geben, die in Kombination mit Verdunstungsanlagen zwischengespeichertes Regenwasser an heißen Tagen versprühen.“

Natürliches Regenwassermanagement

Beim natürlichen Regenwassermanagement, also Versickern, wird das Wasser über die verschiedenen Erdschichten gereinigt und kommt in den natürlichen Kreislauf zurück. Wenn wir versiegelte Flächen schaffen, müssen wir diesen Vorgang mit Lösungen nachahmen und dafür Sorge tragen, dass das Wasser, wenn es auf die Flächen trifft, wo Autos parken, Verunreinigungen passieren etc. entsprechend gereinigt wird. Strasser: „Da reden wir nicht nur über Kohlenwasserstoffe, sondern Schwermetalle, Reifenabrieb, Sedimente.“ Während vor fünf Jahren hauptsächlich von Mineralölabscheidern die Rede war, spricht man heute von weitergehender Reinigung über technische Filter, die auch Kupfer, Blei, Zink etc. aus dem Regenwasser filtern.

Heinz Schnabl Mall Umweltsysteme

Heinz Schnabl, Vertriebsleiter Österreich der Mall GmbH: „Langsam nimmt auch in Österreich die dezentrale Regenwasserbewirtschaftung, die auch der Pufferung bei Starkregen dient, an Bedeutung zu.“

Aktuell bildet die Önorm B2506-3.3 die rechtlichen Rahmenbedingungen dafür ab. Die Anforderungen sind in den letzten zwei bis drei Jahren definitiv gestiegen, seit einem Jahr spüren die Hersteller, dass technische Filtersysteme und Sedimentationsanlagen immer mehr in den Fokus rücken. Schnabl: „Die Nachfrage nach Sedimentationsanlagen anstelle von klassischen Filterbecken ist derzeit tatsächlich enorm.“ Sedimentationsanlagen verhindern, dass die absetzbaren Stoffe aus dem anfallenden Niederschlagswasser in die Versickerung gelangen. Der Schmutz wird in der Sedimentationsanlage gesammelt und entsorgt. Jedes Bauvorhaben erfordert eine spezifische Lösung.

Modulare Systeme

Die Industrie bietet daher modulare Systeme an, die prinzipiell vier Bereiche abdecken: Rinnen/Abläufe an der Oberfläche, Produkte für die Reinigung (Leichtflüssigkeitsabscheider, technische Filter, Sedimentationsanlagen), Produkte für die Rückhaltung oder Versickerung und Produkte für die kontrollierte Abgabe. Es ist die Aufgabe des Fachplaners ­– eventuell bei größeren Projekten in Absprache mit einem Kulturtechniker – diese Produkte zu einem geeigneten System zusammenzustellen.

Beratung und Vorschläge für die Bemessung liefern auch die Hersteller. Strasser: „Wir informieren die Planer laufend, weil wir sicherstellen wollen, dass alle am neuesten Stand sind. Wir sehen es als unsere Aufgabe, die Planer über die Änderungen in den Regelwerken zu informieren. Die Fülle an Regularien zu überblicken ist für einen Fachplaner nicht leicht. unsere Mitarbeiter hingegen beschäftigen sich intensiv mit der Gesetzesmaterie.“ Daraus resultiert ein Konzept, das die gesetzlichen wasserrechtlichen Anforderungen, die für die Baugenehmigung erforderlich sind, erfüllt.

Beratung ist aber nicht nur in der Vorplanung wichtig, sondern auch beim Einbau der Systeme und der Wartung. Schon aus Eigeninteresse, so Strasser, denn wenn der unsachgemäße Einbau zu Problemen führt, fällt das immer auch auf den Hersteller zurück.

Stiefkind Wartung

Vorschriften und Empfehlungen der Hersteller gibt es selbstverständlich auch für die Zeit des Betriebs, also für die Wartung. Am intensivsten ist hier sicherlich die Reinigungsstufe einzuschätzen, etwa bei Ölabscheidern, wo spätestens jeden Monat darauf zu schauen ist, ob grobe Schmutzteile zu entfernen sind, die Hersteller empfehlen nach jedem Starkregenereignis eine Sichtkontrolle. Bei Flüssigkeitsabscheidern werden in der Regel Wartungsverträge abgeschlossen. Früher hat man die Wartung vorgenommen, wenn die Füße nass waren. Mit den Verschärfungen in den Regularien ist auch die Sensibilität dafür höher geworden.

Konfliktbereiche gibt es dennoch, auch wenn die Hausverwaltung oder die Betreibergesellschaft (z.B. bei Shopping Centers) das operative Facility Management an Service-Partner auslagert. Letztendlich liegt die Zuständigkeit beim Eigentümer bzw. Betreiber, denn auch Wartungsverträge entheben diese nicht aus der Verantwortung. Und es gibt neben den klar geregelten heiklen Bereichen noch „Grauzonen“. Klassisches Beispiel ist die Entwässerungsrinne, für deren Reinigung sich niemand zuständig fühlt. Nach Jahren im Betrieb ist das oft keine Entwässerungsrinne mehr, sondern erinnert eher an einen Blumenkasten.

Optimal läuft es, wenn bei der Inbetriebnahme die Maßnahmen mit dem Eigentümer/Betreiber und dem Wartungspartner abgesprochen werden können. Schwieriger ist es, wenn kein Kontakt zum Betreiber bzw. Eigentümer besteht, der ja informiert sein sollte, was zu tun ist. Strasser plädiert auch für eine Erstinbetriebnahme durch den Hersteller der Anlagen. Damit ist ein klarer Zeitpunkt für die Berechnung der Gewährleistungsfrist festgelegt. Die Erfahrung zeigt: Wenn es ein professionelles Facility Management gibt, kann man davon ausgehen, dass diese Firmen im Eigeninteresse alles so einrichten, dass sie möglichst wenig Probleme im Betrieb haben. Strasser: „Ich denke, ein FM hat heute verstanden, dass der Betrieb ohne Einhaltung der Wartungsintervalle irgendwann in Probleme läuft.“ Die Zunahme an Technik spielt den Herstellern und ihren Service-Partnern in die Hände, weil damit die Selbstverständlichkeit von Wartungsverträgen immer mehr zunimmt.

Anbieter von Regenwassermanagment-Lösungen

 

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