Matthias Köck (Optimuse) und Matthias Stanek (S+B Gruppe)
© Christian Neitzel

Energieverbund für vier Gebäude: Simulation zeigt Millionenpotenzial in Prag

Ein Energieverbund für das Prager Quartier Panorama Development könnte über 20 Jahre rund drei Millionen Euro einsparen. Das zeigt eine Simulation, die Optimuse und die S+B Gruppe bei einem Afterwork in der Wiener Gösserhalle vorgestellt haben.

Ein Energieverbund für vier Gebäude kann sich wirtschaftlich deutlich rechnen: Für das Prager Quartier Panorama Development beziffert eine Simulation das Einsparpotenzial auf rund drei Millionen Euro, als Barwert über 20 Jahre. Vorgestellt wurde das laufende Projekt am 22. September 2026 bei einem Afterwork in der Wiener Gösserhalle, zu dem das Wiener Technologieunternehmen Optimuse und die S+B Gruppe geladen hatten. Rund 100 Fach- und Führungskräfte aus Projektentwicklung, Bestandshaltung, Generalunternehmen und technischem Asset Management nahmen teil.

Das Quartier in Praha 4 – Pankrác wird von der S+B Gruppe entwickelt und umfasst Büro-, Wohn- und Hotelnutzungen. Die Ausgangsfrage war eine wirtschaftliche: Sollen die Gebäude energetisch zu einem Verbund zusammengeschlossen werden, oder ist eine Planung Haus für Haus sinnvoller? Von dieser Entscheidung hängt die Auslegung der gesamten Anlagentechnik ab.

Frau mit Mikrofon
Nina Völker (S+B Gruppe) bei der Präsentation des Projekts
Mann mit Mikrofon
Maximilian Bühler präsentierte das Projekt aus Optimuse-Sicht

Energieverbund, Photovoltaik, Speicher: vier Fragen an die Simulation

Die S+B Gruppe formulierte für die Untersuchung vier konkrete Fragen:

  • Rechnet sich der Energieverbund zwischen den Gebäuden?
  • Wie viel Photovoltaik verträgt eine Fassade wirtschaftlich?
  • Lohnt sich ein Batteriespeicher und wie groß muss er sein?
  • Um wie viel kleiner kann der Netzanschluss ausfallen?

Digitaler Zwilling mit 227 Simulationsläufen

Grundlage der Antworten war ein digitaler Zwilling des gesamten Areals, aufgebaut aus den vorhandenen Planungs- und Bestandsunterlagen. Darauf wurden die Varianten in 227 Simulationsläufen geprüft und mehrere Netz-Topologien miteinander verglichen.

Gerechnet wird mit etablierten Werkzeugen der Bauphysik und Anlagentechnik, darunter EnergyPlus, Modelica und Radiance. Ergänzt werden sie um Module für Lebenszykluskosten und für die Bewertung des Stranding-Risikos nach CRREM. Künstliche Intelligenz kommt laut OPTIMUSE nicht bei der Berechnung selbst zum Einsatz, sondern bei den Arbeitsschritten davor und danach: Sie liest Unterlagen ein, ergänzt fehlende Randbedingungen, legt Varianten an, startet die Simulationen und führt die Ergebnisse zusammen. Jeder Lauf wird automatisiert auf Energiebilanz, Komfortgrenzen und Plausibilität geprüft, Entscheidungen werden mit Begründung protokolliert. Vor der Auslieferung kontrollieren Bauphysiker und TGA-Fachleute das Ergebnis.

Der Energieverbund trägt sich über die gemeinsame Reserve

Die erste Frage wurde positiv beantwortet, allerdings aus einem anderen Grund als erwartet. Der wichtigste Hebel ist nicht die Abwärmenutzung, an die man bei Energieverbünden zuerst denkt, sondern die gemeinsam genutzte Reserve. Weil nicht jedes Gebäude eigene Redundanzen vorhalten muss, entfällt ein erheblicher Teil der Investition in die Anlagentechnik.

Photovoltaik, Batteriespeicher und Netzanschluss

Auch die übrigen Fragen ließen sich beziffern. Für die Photovoltaik zeigte die Berechnung, bis zu welcher Ausbaustufe sich Dächer und Südfassaden wirtschaftlich tragen. Der Batteriespeicher rechnet sich auf zwei Wegen: über die vermiedene Anschlussleistung und über den Handel am Day-Ahead-Markt. Er fällt zudem kleiner aus als zunächst angenommen. Der Netzanschluss kann spürbar kleiner dimensioniert werden, weil die vier Gebäude ihre Lastspitzen nicht gleichzeitig haben.

In Summe ergibt sich für den Verbund ein Einsparpotenzial von rund drei Millionen Euro als Barwert über 20 Jahre. Es verteilt sich auf vermiedene Investitionen und laufende Betriebskosten.

Zusammenarbeit wird in Wien fortgesetzt

Im Rahmen eines Fireside Chats kündigten beide Unternehmen an, ihre Zusammenarbeit über das Prager Quartier hinaus auch in Wien fortzusetzen. Unter den Gästen in der Gösserhalle waren Vertreterinnen und Vertreter von CBRE, CPI Europe, Flughafen Wien, ISS, Siemens, Erste Bank und UBM Development.