Kirche aus Beton
© Fránek Architects

Weltweit erste 3D-gedruckte Kirche entsteht in Neratovice

Die weltweit erste 3D-gedruckte Kirche entsteht in Neratovice: Nach dem Untergeschoß beginnt nun der Bau des Hauptschiffs, dessen gekrümmte Wände aus rund 870 gedruckten Betonelementen bestehen. Die vollständige Eröffnung ist für Ende 2028 geplant.

Die 3D-gedruckte Kirche in Neratovice (Tschechien) soll nach Angaben der Projektbeteiligten das weltweit erste Gotteshaus werden, bei dem der 3D-Betondruck in diesem Umfang eingesetzt wird. Neben dem Turm und dem Pfarrhaus entsteht auch das Hauptschiff aus gedruckten Bauteilen, insgesamt sind es Hunderte individuelle Elemente. Generalunternehmer der neuen Dreifaltigkeitskirche und des Kardinal-Josef-Beran-Gemeinschaftszentrums ist die Baugruppe HSF System aus der Investmentholding PURPOSIA Group. Bauherr ist die Stiftung des Gemeinschaftszentrums Neratovice, den Entwurf lieferte Architekt Zdeněk Fránek.

Fertiggestellt sind derzeit das erste Untergeschoß samt Fundamenten und ein Teil der Turmkonstruktion, außerdem die Decke über diesem Geschoß und die Fundamentkonstruktion des künftigen Pfarrhauses. Im unterirdischen Bereich entsteht der große Gemeinschaftssaal mit eigenem Eingang und Nebenräumen. Im Mai 2026 besuchten der tschechische Präsident Petr Pavel und der Prager Erzbischof Stanislav Přibyl die Baustelle.

Gedruckte Betonwand mit sichtbarer Schichtstruktur und senkrechten Aussparungen auf der Baustelle
Gedruckte Betonelemente auf der Baustelle in Neratovice. Die Schichtstruktur bleibt an der Oberfläche sichtbar. © HSF System
Luftaufnahme der Baustelle mit ovaler Betondecke und Anschlussbewehrung, davor der Turmsockel
Luftaufnahme der Baustelle: Decke über dem Untergeschoß mit Anschlussbewehrung, davor der Sockel des Turms. © HSF System
Schräge Luftaufnahme der ovalen Betondecke mit Bewehrungsstäben und Gerüsttreppe
Die Decke über dem Untergeschoß mit Anschlussbewehrung für den weiteren Aufbau. © HSF System
Visualisierung der Kirche in Neratovice: gekrümmter Betonbau mit Turm und Kreuz, verglastes Sockelgeschoß
Visualisierung: Außenansicht der Kirche mit Turm, gekrümmter Fassade und verglastem Sockelgeschoß. © Fránek Architects
Visualisierung des Kirchenraums mit gewölbter, strukturierter Wand, Lichtöffnung und Altarbereich
Visualisierung: Innenraum des Hauptschiffs mit gedruckter Wandstruktur. © Fránek Architects
Visualisierung der beleuchteten Kirche in der Abenddämmerung mit Turm und begrüntem Dach
Visualisierung: Abendansicht der Kirche mit Turm und begrüntem Dach. © Fránek Architects
 

„Der unterirdische Teil hat bereits seine Form angenommen, und nun können wir mit dem Bau jener Teile beginnen, die das Erscheinungsbild des gesamten Ortes von außen prägen werden“, sagt Peter Kováč, Vorsitzender des Stiftungsrates und Pfarradministrator der Pfarre Neratovice.

3D-gedruckte Kirche: Hauptschiff aus rund 870 Einzelteilen

Über dem Gelände entsteht nun das Hauptschiff. Seine äußere und seine innere Schale werden im 3D-Druck gefertigt. Die Konstruktion besteht aus präzise gefertigten Bauteilen, die als exakt geformte Elemente und verlorene Schalung dienen. Sie werden mit Bewehrung verbunden und durch Stahlbetonrippen und Ringanker ergänzt. Zwischen den Schalen bleibt Platz für die Wärmedämmung. Die Innenseite der gedruckten Bauteile erzeugt die charakteristische Wandstruktur und unterstützt zugleich die Raumakustik.

Jedes der rund 870 Elemente erhält einen festgelegten Platz im Bauwerk. Es handelt sich also nicht um serienmäßig hergestellte, identische Blöcke, sondern um individuelle Komponenten. „Bei einer konventionellen Bauweise wären für derart gekrümmte Wände große Mengen an individuell angefertigter Schalung erforderlich, einschließlich Herstellung, Montage und späterer Demontage“, erklärt Tomáš Kosa, CEO der Baugruppe HSF System. Bei der 3D-Drucktechnologie lasse sich die Geometrie direkt im digitalen Modell vorbereiten, die organischen Formen des Entwurfs müssten nicht vereinfacht werden. Entscheidend sei die Genauigkeit, so Bauleiter Martin Janoušek, wenn die gekrümmten Wände Schritt für Schritt zusammengefügt und in den höheren Ebenen verbunden werden.

Drei Druckverfahren für die 3D-gedruckte Kirche

Bei der Umsetzung arbeitet HSF System mit seiner Tochtergesellschaft Coral Construction Technologies zusammen, die eine eigene Lösung für den 3D-Betondruck anbietet. Durch Zusatzmittel werden die Materialeigenschaften des Betons an das Druckverfahren und an die jeweilige Konstruktion angepasst. In Neratovice kommen drei technologisch unterschiedliche Verfahren zum Einsatz:

  • Hauptschiff: Einzelne gedruckte Bauteile werden gefertigt und anschließend in die Konstruktion eingesetzt.
  • Turm: Die gedruckten Blöcke werden nach dem Versetzen vollständig mit Beton ausgegossen. Die Außenseite des Turms dient künftig als öffentlich zugängliche Kletterwand, die Konstruktion muss daher massiv und tragfähig sein.
  • Pfarrhaus: Es wird direkt auf der Baustelle mit einem Bauroboter in Echtzeit gedruckt.

Noch vor Baubeginn wurde auf der Baustelle ein Versuchselement der gekrümmten Wände im Maßstab 1:1 hergestellt. Damit wurden die Umsetzbarkeit des Konstruktionssystems und seine Stabilität überprüft. Das Element bleibt nach Fertigstellung vor Ort und erinnert an die eingesetzte Technologie.

Gemeinschaftszentrum rund um die 3D-gedruckte Kirche

Das Zentrum erweitert die Möglichkeiten der örtlichen Pfarre, die in dreizehn Gemeinden tätig ist. Das Areal soll kein Raum sein, der ausschließlich Gottesdiensten dient. Geplant sind Klubräume, Unterrichtsräume, eine Galerie, Ausstellungsflächen, ein Café und ein Mehrzwecksaal. Vorgesehen sind Veranstaltungen, Vorträge, Bildungsprogramme, Konzerte, Hochzeiten, Taufen und Freizeitaktivitäten für die breite Öffentlichkeit.

Zeitplan und Finanzierung: 3D-gedruckte Kirche bis Ende 2028

Das Projekt ist in zwei Hauptetappen gegliedert. Die erste umfasst den Rohbau des Hauptteils der Kirche und soll nach dem derzeitigen Zeitplan Mitte 2027 abgeschlossen sein. In der zweiten Etappe werden Turm und Pfarrhaus fertiggestellt, anschließend folgen die Innen- und Außenarbeiten im gesamten Areal. Die vollständige Eröffnung ist für Ende 2028 geplant.

Das Gesamtbudget beträgt rund 250 Millionen CZK exkl. USt. Rund 115 Millionen CZK sind laut Stiftung bereits gesichert. Die Finanzierung stützt sich auf Mittel aus dem Verkauf und der Wertsteigerung kirchlicher Grundstücke sowie auf private Spender, Mäzene und weitere Unterstützer. Die Spendensammlung läuft weiter, Beiträge sind über kostelneratovice.cz möglich. Stiftungsratsmitglied Marek Matocha kündigte an, die Finanzierung eines konkreten Bauteils als Spendenmöglichkeit zu prüfen.