Nach Uponor-Übernahme: GF ordnet Österreich-Geschäft neu
Die Haustechnik in Österreich ist für den Schweizer Georg-Fischer-Konzern (GF) seit der Übernahme des finnischen Herstellers Uponor ein zentraler Baustein der neuen Ausrichtung. Aus dem früheren Mischkonzern mit Maschinenbau, Gussteilen und Rohrleitungssystemen ist ein Unternehmen geworden, das sich auf Lösungen für den Transport von Wasser und anderen Medien konzentriert, die sogenannten Flow Solutions. Für das Gebäude ist dabei die Division GF Building Flow Solutions zuständig, zu der in Österreich die Uponor Vertriebs GmbH in Wiener Neudorf gehört.
Konzernumbau abgeschlossen
Wie Mario Hegi, Geschäftsführer der Georg Fischer Rohrleitungssysteme (Schweiz) AG, beim Pressegespräch berichtete, ist die Transformation des Konzerns weitgehend vollzogen. GF Machining Solutions wurde im Juni 2025 an die United Grinding Group verkauft, das Automobilgeschäft von GF Casting Solutions im Februar 2026 an Nemak. Für den letzten Teil, das Geschäft mit Komponenten für Luftfahrt und Gasturbinen, wurde im Juli 2026 ein Verkaufsvertrag unterzeichnet, der Abschluss wird laut Halbjahresbericht gegen Ende 2026 erwartet. Den Armaturenhersteller VAG hat GF im Herbst 2025 übernommen und eingegliedert. Nach der Übernahme von Uponor wurde die Leitung der Division neu besetzt, nach Angaben von Hegi zu einem großen Teil mit Führungskräften aus dem eigenen Konzern. Interimistisch hatte Group CEO Andreas Müller die Division geführt, die neue Divisionsleitung tritt laut Hegi Mitte November ihr Amt an.
„Früher war Piping Systems, also das Haustechnikgeschäft, immer der kleinste Teil und konnte teilweise nur über Casting oder Maschinen überhaupt überleben. Jetzt ist der Schritt in der Transformation wirklich vollzogen“, sagte Hegi. Künftig soll der Konzern laut Hegi auf drei etwa gleich großen Säulen stehen: Gebäude, Industrie und Infrastruktur, mit jeweils rund 1,4 Milliarden Schweizer Franken Umsatz ohne Zukäufe. In der Industrie sieht GF vor allem in der Halbleiter- und Mikroelektronikfertigung Wachstum, in der Infrastruktur unter anderem in Südamerika und im Nahen Osten.

Zahlen 2025 und erstes Halbjahr 2026
Das Flow-Solutions-Geschäft, das nach den Verkäufen den Kern des Konzerns bildet, erzielte 2025 einen Umsatz von 2,999 Milliarden Schweizer Franken. Der Konzern insgesamt kam einschließlich der verkauften Bereiche auf 4,11 Milliarden Franken. GF beschäftigt rund 13.000 Mitarbeitende in 46 Ländern. Im ersten Halbjahr 2026 stieg der Umsatz von Flow Solutions gegenüber dem Vorjahreszeitraum von 1,507 auf 1,584 Milliarden Franken, organisch um 5,7 Prozent. Das vergleichbare EBITDA wuchs von 208 auf 212 Millionen Franken, die Marge ging von 13,8 auf 13,4 Prozent zurück. Angesichts der geopolitischen Lage und knapper Rohstoffe sei man „mit einem blauen Auge davongekommen“, sagte Hegi.
Die Zahl der Beschäftigten im Flow-Solutions-Geschäft stieg im Jahr 2025 von rund 12.100 auf über 13.000, vor allem durch die Übernahme von VAG. Neue Stellen entstanden laut Hegi zudem im Kundenkontakt, im Außendienst und in der Schulung von Installateuren. Die CO2-Emissionen nach Scope 1 und 2 sanken laut Halbjahresbericht von 42.000 auf 40.000 Tonnen, die Unfallrate von 4,0 auf 2,5 Unfälle mit Ausfallzeit pro Million Arbeitsstunden.
Mit der Strategie 2030 will GF den Umsatz bis 2030 einschließlich weiterer Akquisitionen auf 4,2 bis 4,5 Milliarden Franken steigern und eine EBITDA-Marge von 16 bis 18 Prozent erreichen. Für 2026 erwartet das Unternehmen eine vergleichbare EBITDA-Marge von 14 bis 16 Prozent. Erreicht werden sollen die Ziele durch die Konzentration auf das Kerngeschäft, neue Marktchancen und digitale Lösungen wie die Regelungsplattform Smatrix.
Neue Geschäftsführung für die Haustechnik in Österreich
Seit 1. Oktober 2026 leitet Kai Sören Reichelt die Uponor Vertriebs GmbH. Sein Vorgänger konzentriert sich nach einer Übergabephase von rund einem Jahr künftig auf sein Privatleben. Reichelt ist seit 2010 für Georg Fischer tätig. In der deutschen Vertriebsgesellschaft verantwortete er bis 2015 die Vertriebsregion Nord mit Schwerpunkt auf Industrie, Versorgung und Schiffbau. Ab 2016 leitete er bei Georg Fischer Fittings in Traisen den internationalen Vertrieb in 27 Ländern und betreute dabei auch den österreichischen Markt selbst.
Zum Geschäftsleitungsteam gehören neben Reichelt Marius Sieber, der den Verkauf und das Projektgeschäft leitet und zuvor Verkaufsleiter Haustechnik bei GF in Österreich war, sowie Peter Hassler als Leiter der Technik.
Ländercluster mit der Schweiz
Organisatorisch löst sich Österreich aus der bisherigen DACH-Struktur, in der der deutsche Markt dominierte. Gemeinsam mit der Schweiz bildet das Land nun das Ländercluster Central South unter der Leitung von Mario Hegi. Da sich die beiden Märkte in vielen Punkten ähneln, sollen Ressourcen künftig gemeinsam genutzt werden.
Der Hauptstandort für den Uponor-Vertrieb bleibt Wiener Neudorf. Das Geschäft mit Industrie, Infrastruktur und Versorgung betreut weiterhin die zweite GF-Division in Österreich. Beide Divisionen bleiben getrennt, sollen aber eng zusammenarbeiten. Traisen bleibt als Produktionsstandort für Temperguss-Fittings wichtig. In der Schweiz produziert GF neben dem Konzernsitz in Schaffhausen unter anderem in Sissach, dem Ursprungsort der Marke JRG.
In der Schweiz erzielt Uponor laut Hegi weniger als ein Prozent des Haustechnikumsatzes, rund 400.000 bis 500.000 Franken, während GF dort allein mit der Haustechnik einen dreistelligen Millionenumsatz macht. Eine Zusammenlegung der beiden Divisionen ist derzeit nicht geplant. Bereiche wie Personal, Finanzen und Einkauf werden aber bereits gemeinsam geführt.
Trinkwasser, Heizen und Kühlen, Nah- und Fernwärme
Mit der Zusammenführung der Haustechnik-Portfolios von GF und Uponor will das Unternehmen Kompetenzen in drei Bereichen bündeln. Beim Trinkwasser bringt GF mit der Marke JRG Know-how in Hygiene und Regelungstechnik ein. Heizen und Kühlen über Flächensysteme ist traditionell das Kerngeschäft von Uponor. Dazu kommt die Infrastruktur für Nah- und Fernwärme mit dem Rohrsystem Ecoflex. Mit dem Umstieg von Gas auf Wärmepumpen und Wärmenetze rechnet das Unternehmen hier mit einem wachsenden Markt.
Besonders das Kühlen sieht Reichelt als strategisches Thema: In den Sommermonaten zeige sich gerade in Städten, dass Investitionen in die Klimatisierung von Wohnungen notwendig seien. Für die Renovierung bietet das Unternehmen Systeme an, mit denen sich Fußbodenheizungen auch nachträglich einbauen lassen. Bei den metallischen Systemen will GF den Klemmverbinder Primofit aus dem Werk Traisen stärker im Markt platzieren.
Wien als Wachstumsmarkt
Im Mittelpunkt der Österreich-Strategie steht die Nähe zu Fachgroßhandel und Installateuren. Den Installateur bezeichnete Reichelt als „wesentlichen Multiplikator, damit wir unsere Wachstumsziele erreichen“. Systeme, die sich einfach installieren lassen, entscheiden aus seiner Sicht mit über den Erfolg am Markt. Regional liegt der Schwerpunkt auf Wien. „Wer nicht in Wien spielt, kann auch nicht wachsen“, so Reichelt. Allein in der Bundeshauptstadt sind drei Außendienstmitarbeiter für Installateure und Handel im Einsatz.
Zusätzlich setzt das Unternehmen drei Projektmanager ein, die sich ausschließlich um das Projektgeschäft kümmern. Ziel ist es, bei Bauvorhaben in Wien bereits in einer frühen Planungsphase eingebunden zu sein. An der Zusammenarbeit mit den Handelsvertretern ändert sich nichts. Reichelt: „Ich differenziere nicht zwischen Handelsvertretern und eigenen Mitarbeitern, sondern wir sind eins.“
Vier Themen für die Gebäudetechnik
Für die kommenden Jahre nannte Reichelt vier Themen, an denen sich die Entwicklung der Gebäudetechnik orientiere. Erstens der Fachkräftemangel: Hersteller könnten ihm mit Systemen begegnen, die einfacher zu installieren sind. Klassische Techniken wie das Gewindeschneiden sollten in der Ausbildung dennoch vermittelt werden, was GF unterstütze. Zweitens die Energiewende, bei der effiziente Heiz- und Kühlsysteme eine leistungsfähige, vernetzte Regelung brauchen. Drittens die Trinkwasserhygiene, vor allem in Gebäuden, die nicht durchgehend genutzt werden, etwa Sportanlagen, Eventhallen oder öffentliche Liegenschaften. Viertens die Nachhaltigkeit entlang des gesamten Lebenszyklus, vom Energie- und Wasserverbrauch in der Produktion über die Logistik bis zur Wiederverwertung ausgedienter Produkte.
Neuheiten will das Unternehmen auf der Fachmesse ISH in Frankfurt am Main zeigen, die vom 15. bis 19. März 2027 stattfindet.
Neuer Standort mit Schulungszentrum
Für das späte Frühjahr 2027 ist ein Umzug innerhalb des bestehenden Bürogebäudes in Wiener Neudorf geplant. Die Fläche wird sich dabei nahezu verdoppeln. Neben neuen Arbeitsplätzen entsteht ein Showroom mit Schulungszentrum, in dem Kunden und Installateure künftig Produkte kennenlernen und geschult werden können. Eine solche Möglichkeit gab es am Standort bisher nicht. Am Standort Wiener Neudorf sollen dauerhaft acht bis neun Personen arbeiten, mit dem Außendienst im Schnitt rund 15. 2027 kommen mindestens zwei neue Stellen hinzu: eine Marketingstelle, die es in Österreich bisher nicht gab, und eine Stelle für Sales Coordination.