Edelmoser Eröffnungskeynote Bautage 2025
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Warum Unternehmen jetzt ihre Datenräume bauen müssen

Mit einem anschaulichen Praxisbeispiel von einer Wiener Großbaustelle eröffnete Sabine Müller-Hofstetter, Chefredakteurin von a3BAU, die 6. Österreichischen Bautage unter dem Motto "Bauen wir die Zukunft". Die zweitägige Veranstaltung fokussierte sich auf innovative Ideen, Projekte und drängende Fragen beispielsweise zur Digitalisierung und KI-Integration in der Baubranche.
Sabine Müller Hofstetter auf den Österreichischen Bautagen 2025
a3BAU Chefredakteurin Sabine Müller Hofstetter eröffnete die 6. österreichischen Bautage mit einem anschaulichen innovativen Praxibeispiel.                                                   
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Die Chefredakteurin berichtete von einer innovativen Lösung auf einer Großbaustelle in Wien, wo ein Logistiker eine kleine Baustoffhändler-Filiale direkt an der zentralen Einfahrt platzierte. Durch die Analyse der Ein- und Ausfahrten wurde festgestellt, dass Baufirmen mehrmals täglich die Baustelle verließen, um fehlendes Material zu besorgen. Die vor Ort installierte Box ermöglicht es nun, benötigte Materialien direkt zu bestellen. „Der Gewinn ist doppelt", erklärte Müller-Hofstetter: „Zeit wird gespart, da niemand mehr die Baustelle verlassen muss, und der CO2-Fußabdruck wird durch die reduzierten Fahrten deutlich verringert."

Datenökosysteme als Fundament für vertrauenswürdige KI

Eröffnungskeynote Bautage 2025 Edelbrunner, Hofer
In ihrer Eröffnungskeynote präsentierten Tobias Hofer und Christoph Edelbrunner "Warum Unternehmer jetzt ihre Datenräume bauen müssen"
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In der anschließenden Eröffnungskeynote stellten Christoph Edelbrunner von der Data Intelligence Offensive (DIO) und Tobias Hofer vom Technologie-Startup nextyro ihre Vision vor: KI kann in der Baubranche nur dann erfolgreich eingesetzt werden, wenn sie auf vertrauenswürdigen Daten basiert. Die zentrale Botschaft: „KI kann nicht warten – aber wir müssen jetzt die Grundlagen schaffen."

Die Referenten präsentierten beeindruckende Zahlen zum KI-Potenzial in der Baubranche. Laut einer Studie der McKinsey Global Institute können durch KI-gestützte Prozessoptimierung Produktivitätssteigerungen von bis zu 90 Prozent erreicht werden. Dies entspricht Einsparungen von 5 bis 15 Millionen Euro pro Großbauprojekt. Für die gesamte österreichische Bauwirtschaft ergibt sich ein jährliches Einsparpotenzial von 200 Millionen Euro.

Ernüchternde Realität: Nur 7,4 Prozent nutzen KI

Trotz dieser enormen Potenziale nutzen in Österreich aktuell nur 7,4 Prozent der Bauunternehmen KI-Technologien – eine Verdoppelung gegenüber 2023 mit 4,3 Prozent, aber immer noch deutlich unter der 10-Prozent-Marke. In Deutschland liegt die Quote mit 10 Prozent etwas höher. Im Branchenvergleich hinkt das Bauwesen anderen Sektoren hinterher: Während im Gesundheitswesen bereits intensiv KI eingesetzt wird, rangiert die Baubranche mit 9,9 Prozent im unteren Mittelfeld.

Die Gründe für die zögerliche Adoption sind vielfältig: fehlende Kompetenzen, mangelndes Vertrauen in die Technologie und vor allem die Unsicherheit über die Qualität der zugrundeliegenden Daten. „Jeder kennt ChatGPT und hat es verwendet, aber jeder weiß auch, dass die Antworten nicht immer der Wahrheit entsprechen", so Edelbrunner.

Data Spaces: Europäische Lösung für souveränen Datenaustausch

Als Lösung präsentierten die Keynote-Speaker das Konzept der Data Spaces – ein von der EU-Kommission entwickeltes Framework für souveränen, sicheren und vertrauenswürdigen Datenaustausch. Im Gegensatz zu traditionellen Datensilos oder bilateralen Vereinbarungen ermöglichen Data Spaces einen regelbasierten, skalierbaren Austausch von Daten, bei dem die Datenhoheit beim jeweiligen Eigentümer verbleibt.

Hofer erläuterte das Prinzip mit einer anschaulichen Allegorie: „KI ist wie ein LKW – er kann viel transportieren, aber er braucht Straßen. Data Spaces sind diese Datenautobahnen, auf denen wir regelkonform und sicher Daten austauschen können." Die Technologie basiert auf einem Open-Source-Framework, das dezentrale Datenanbindung, Interoperabilität und identitätsbasiertes Vertrauen gewährleistet.

Erfolgreiche Praxisbeispiele zeigen den Weg

Edelbrunner Hofer Data
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Die DIO fungiert als neutrale Kooperationsplattform und bringt bereits in mehreren Bereichen erfolgreich Datenökosysteme zum Laufen. Im Tourismus-Data-Space arbeitet man mit der Österreich-Werbung an der Besucherstromoptimierung, um „Overcrowding" zu vermeiden. Der Agrardatenraum Österreich nutzt Bodenanalysen zur Ernteoptimierung, während im Data Hub Tirol ein Lawinen-Frühwarnsystem durch Datenvernetzung realisiert wurde.

Ein konkretes Beispiel aus dem Tourismussektor zeigt, wie aus kleinen Initiativen große Ökosysteme entstehen: Das Projekt „Data Driven Tourism for Sustainability" startete mit sieben Organisationen und entwickelte sich zu einem öffentlichen Data Space mit über 30 Mitgliedern. „Plant the Seedlings" – pflanze die Setzlinge – lautet das Motto: Kleine Use Cases mit Mehrwert schaffen die Basis für wachsende Datenökosysteme.

Konvergenz von Daten und Anwendungen als Schlüssel

Die zentrale Erkenntnis der Keynote: Es reicht nicht aus, nur in KI-Anwendungen zu investieren. Parallel muss die „Data Journey" – der Aufbau vertrauenswürdiger Dateninfrastrukturen – vorangetrieben werden. Nur wenn beide Entwicklungen konvergieren, kann die Baubranche das volle Potenzial der KI ausschöpfen.

Die interaktive Umfrage während der Keynote zeigte, dass bereits etwa die Hälfte der anwesenden Teilnehmer KI in ihren Unternehmen nutzt – ein ermutigendes Zeichen. Die Erwartungen der Teilnehmer an die Bautage waren eindeutig: Inspiration, Innovation, Networking und neue Impulse standen ganz oben auf der Liste.

Edelbrunner und Hofer luden die Teilnehmer zu einem vertiefenden Workshop am Nachmittag ein, um konkrete Anwendungsfälle für Datenökosysteme in der Baubranche zu entwickeln. „Wir wollen keine Produkte verkaufen, sondern einen neuen Approach vermitteln", betonte Hofer. Die Message ist klar: Die österreichische Bauwirtschaft muss jetzt handeln, um bei der digitalen Transformation nicht den Anschluss zu verlieren.

Mit den 6. Österreichischen Bautagen unter dem Motto „Bauen wir die Zukunft" setzt a3BAU ein wichtiges Zeichen. Die Vernetzung von Akteuren, der Aufbau von Datenökosystemen und die Schaffung vertrauenswürdiger KI-Grundlagen sind keine Zukunftsmusik mehr, sondern dringende Gegenwart.

Die 6. Österreichischen Bautage fanden vom 13. bis 14. November 2025 im Congress Loipersdorf statt. Zahlreiche Entscheidungsträger:innen aus der österreichischen Bauwirtschaft diskutieren unter dem Motto "Bauen wir die Zukunft" über Digitalisierung, KI und Innovation in der Baubranche.

Weitere Infos und Fotos: Österreichische Bautage