Holzius Vollholzhaus
© Alfra GmbH

Zurück zu den Wurzeln in einem Haus aus Vollholz

Der Traum von einem Haus auf dem Land, den haben viele. Im deutschen Tecklenburg entstand Vollholzhaus, das ganz ohne Leim und Metall auskommt. Der Rohbau stand nach vier Tagen. Ein Blick auf Konstruktion, Bauablauf und Materialeinsatz.

Ein Vollholzhaus ohne Leim und ohne metallische Verbindungsmittel: So ist ein Einfamilienhaus im nordrhein-westfälischen Tecklenburger Land gebaut. Die Wand-, Decken- und Dachelemente stammen aus massivem Fichtenholz. Geplant hat das Architekturbüro Schröder aus Ibbenbüren. Die Elemente lieferte die holzius GmbH aus Südtirol, montiert hat die ALFRA GmbH aus Minden.

So ist das Vollholzhaus konstruiert

Für die Wände stehen Massivholzbohlen senkrecht nebeneinander, also in Wuchsrichtung des Baumes. Mehrere Lagen sind miteinander verkämmt und vergratet. Das sind formschlüssige Holzverbindungen, die ohne Klebstoff halten. Die Wände sind 120 bzw. 180 Millimeter stark.

Decken und Dach bestehen aus aneinandergereihten Holzbalken mit Nut- und Kammverbindungen. Quer durch die Balken sind Holzschrauben aus Buche gedreht. Die Konstruktion nutzt gezielt das Quellen und Schwinden des Holzes, damit die Verbindungen fest sitzen.

Kein Setzen wie beim Blockhaus

Ein wesentlicher Unterschied zum klassischen Blockbau liegt in der Formstabilität. Liegende Balken setzen sich beim Blockhaus über die Jahre um einige Zentimeter. Fenster, Türen und Leitungen müssen das ausgleichen können. Bei stehenden Bohlen fällt diese Setzung weg. Das vereinfacht nach Angaben der Bauherrin vor allem den Einbau der Fenster und der Haustechnik.

Bauablauf: vom Werk auf die Baustelle

Alle Bauteile wurden im Werk vorgefertigt und kamen mit zwei Transporten auf die Baustelle. Zwischen dem 23. und dem 26. Juli 2024 stellten die Monteure den Rohbau auf. Danach folgte das Dach. Von der Bodenplatte bis zu den Fußleisten dauerte der Bau rund sechs Wochen. Das Montageunternehmen gibt etwa 30 Arbeitstage an.

Holzdielen statt Estrich im Vollholzhaus

Auch beim Boden haben sich die Planer für Holz entschieden. Statt eines Estrichs liegen Eichendielen auf einer entkoppelten, gedämmten Balkenlage. Geheizt wird mit einem Speicherofen. Er ist von zwei Seiten einsehbar und steht im offenen Wohnbereich, der bis unter das Dach reicht. Auf der Südseite holt eine durchgehende Fensterfront viel Tageslicht ins Haus. Die Fassade aus lasierter Douglasie schützt ein weiter Dachüberstand vor Regen.

Ökobilanz und Rückbau

Im Haus stecken rund 55 Kubikmeter Massivholz. Laut Hersteller sind darin etwa 48 Tonnen CO₂ gespeichert. Das Holz stammt aus PEFC-zertifizierten Wäldern. Weil weder Leim noch Metall verbaut wurden, lassen sich die Elemente sortenrein zurückbauen. Seit 2022 ist das System nach Cradle to Cradle zertifiziert.

Infobox: Projektdaten

  • Projekt: Einfamilienhaus, Tecklenburger Land (D)
  • Architektur: Architekturbüro Schröder, Ibbenbüren
  • Montage: ALFRA GmbH, Minden
  • Vollholzelemente: holzius GmbH, Laas (I)
  • Wandelemente: 34,58 m³ (120 und 180 mm)
  • Decken- und Dachelemente: 20,56 m³ (120 und 140 mm)
  • Holzarten: Fichte (Rohbau), Douglasie (Fassade), Eiche (Böden, Fensterbänke)
  • Rohbau: 23.–26. Juli 2024
  • CO₂-Speicher: ca. 48 t (Herstellerangabe)