ESG-Performance: Erst ein Viertel der Großunternehmen senkt den CO2-Ausstoß
Hitzesommer, Dürre sowie schwankende Rohstoff- und Energiepreise machen die Widerstandsfähigkeit von Standorten, Lieferketten und Geschäftsmodellen zur wirtschaftlichen Frage. Die ESG-Performance der österreichischen Großunternehmen steht daher im Mittelpunkt des aktuellen „ESG Performance & Resilienz Benchmarking“ von PwC Österreich. Von 105 analysierten Unternehmen setzen sich 86 Prozent (90 Unternehmen) messbare Klimaziele. Zwischen den gesetzten Zielen und der tatsächlichen Emissionsreduktion bleibt jedoch eine deutliche Lücke.
Klimaziele und Emissionen klaffen auseinander
Nur 5 Prozent der untersuchten Unternehmen ist es gelungen, über die vergangenen drei Jahre sowohl die absoluten CO2-Emissionen (Tonnen, Scope 1 und Scope 2) als auch die relativen Emissionen (CO2 je Euro Umsatz) zu senken. Bei den absoluten Emissionen allein schaffen 25 der 105 Unternehmen (24 Prozent) eine Reduktion. Der Großteil von ihnen setzt sich konkret messbare CO2-Reduktionsziele (24 Unternehmen), hat Klimarisiken bewertet (17) und einen Klimatransitionsplan aufgestellt (17). 14 dieser Unternehmen haben ESG-Kriterien in die Managementvergütung integriert.
Klimarisiken werden zwar breit analysiert, finanziell aber kaum abgebildet: 81 Unternehmen (77 Prozent) analysieren ihre Klimarisiken, neun erwähnen klimabezogene Rückstellungen, nur eines beziffert sie. Ob bei den übrigen Unternehmen Rückstellungen erforderlich wären oder Klimarisiken auf andere Weise bilanziell berücksichtigt werden, lässt sich daraus nicht ableiten.
„Wenn Hitze die Produktion belastet, Frischwasser knapp wird oder Rohstoff- und Energiepreise steigen, wird Nachhaltigkeit zur Frage der wirtschaftlichen Widerstandskraft. Entscheidend ist, ob Unternehmen ihre Risiken und Chancen in konkrete Maßnahmen und Investitionen übersetzen. Klimaziele allein machen Unternehmen noch nicht zukunftssicher“, sagt Philipp Gaggl, Partner und Sustainability Consulting Leader bei PwC Österreich.
Energie, Wasser und Kreislaufwirtschaft
Ein Drittel der untersuchten Unternehmen deckt mehr als die Hälfte seines Gesamtenergieverbrauchs aus erneuerbaren Quellen. Zehn davon weisen zugleich eine sinkende Energieintensität nach, verbrauchen also weniger Energie im Verhältnis zum Nettoumsatz. Über das gesamte Ranking haben 26 Unternehmen ihre Energieintensität zumindest gegenüber dem Vorjahr reduziert.
Rund ein Viertel der Unternehmen hat eine eigene Kreislaufwirtschaftsstrategie. Die Wasserverbrauchsintensität, gemessen am Nettoumsatz, veröffentlichen nur 9 Prozent. Bei 49 untersuchten Industrieunternehmen ist keine sinkende Energieintensität nachgewiesen, bei 57 keine sinkende Wasserverbrauchsintensität; Banken und Versicherungen sind aus diesen beiden Auswertungen ausgenommen. Fehlende Nachweise bedeuten nicht zwangsläufig fehlende Maßnahmen, erschweren aber die Einschätzung, wie gut Unternehmen auf Preissteigerungen und Ressourcenknappheit vorbereitet sind.
„Wer Energie, Wasser und Materialien effizienter nutzt und Kreisläufe schließt, kann Kosten und Abhängigkeiten reduzieren. Dafür braucht es messbare Ziele, klare Verantwortlichkeiten und gezielte Investitionen“, so Gaggl.
Infrastruktur und Bauwesen im Branchenvergleich
Im Branchenvergleich erreicht der Bereich Infrastruktur und Bauwesen im Schnitt 43 Prozent, nach 39 Prozent im Vorjahr. Die Branche liegt damit im Mittelfeld, knapp hinter den Energie- und Versorgungsunternehmen (44 Prozent). An der Spitze stehen Telekommunikation, Medien und Technologie mit 62 Prozent, gefolgt von Banken (57 Prozent) und Versicherungen (48 Prozent). Papier und Holz kommt auf 39 Prozent, Metallverarbeitung, Maschinenbau und Kfz auf 38 Prozent. Deutlich zurückgefallen ist Pharma und Chemie, von 63 auf 40 Prozent. In die Branchenwerte fließen nur Unternehmen ein, die mehr als null Punkte erreicht haben. Wegen der erweiterten Kriterien sind die Werte nur eingeschränkt mit dem Vorjahr vergleichbar.
Governance prägt die ESG-Performance
Die 18 Unternehmen, die ESG-Kriterien in die Vergütung von Vorstand und weiteren Managementebenen integrieren, erreichen eine durchschnittliche Bewertung von 67 Prozent. Unternehmen ohne solche Anreize kommen auf 28 Prozent. Auch die Zusammensetzung der Führung macht einen Unterschied: Die 41 Unternehmen mit mindestens einer Frau in der Geschäftsführung erzielen im Schnitt 55 Prozent, jene ohne Frau in der Geschäftsführung 37 Prozent. Die Studie spricht von einer engen Korrelation, ohne kausale Zusammenhänge abschließend zu analysieren.
Börsenotierte Unternehmen auf DACH-Niveau
Über alle 105 österreichischen Unternehmen liegt die durchschnittliche Bewertung bei 44 Prozent der möglichen Punkte. Die 47 Vergleichsunternehmen aus Deutschland und der Schweiz erreichen 61 Prozent. Die börsennotierten Unternehmen Österreichs kommen auf 63 Prozent und liegen damit auf dem Niveau der Vergleichsgruppe.
„Die heimischen Börsenunternehmen zeigen, dass österreichische Unternehmen international mithalten können. Die Aufgabe ist jetzt, messbare Fortschritte breiter in der Wirtschaft zu verankern. Nachhaltigkeitsdaten schaffen dafür eine wichtige Grundlage: Sie helfen, Risiken zu erkennen, Investitionen zu priorisieren und Fortschritte nachvollziehbar zu machen“, sagt Gaggl.
Zur Methodik
PwC Österreich hat öffentlich zugängliche Informationen der 162 umsatzstärksten Unternehmen des Landes recherchiert; 105 davon lieferten bewertbare ESG-Kennzahlen. Zum Vergleich wurden 30 DAX-Unternehmen und 17 Schweizer Großunternehmen herangezogen. Grundlage waren die zuletzt veröffentlichten Geschäfts- und Nachhaltigkeitsberichte zum Geschäftsjahr 2025, Stand Ende August 2026. Die Bewertung umfasst 27 Performance-Kriterien, die sich überwiegend aus den European Sustainability Reporting Standards (ESRS) ableiten. Der Prozentwert gibt den Anteil der erreichten Bewertungspunkte an; fehlende Punkte können auch auf fehlende öffentliche Informationen zurückgehen.