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Generative KI im Bauwesen

Generative Künstliche Intelligenz entwickelt sich rasant zum Treiber eines tiefgreifenden Wandels in der Bau- und Planungsbranche. Welche konkreten Auswirkungen sich daraus bereits heute ergeben, welche Potenziale genutzt werden können und wo die Grenzen liegen, stand im Zentrum der vom Verband der Ziviltechniker- und Ingenieurbetriebe (VZI) initiierten VIP-Lounge im Wiener Künstlerhaus

Künstliche Intelligenz verändert die Welt – und macht auch vor der Bau- und Planungsbranche nicht halt. Besonders generative KI, also Systeme, die eigenständig Entwürfe, Texte, Bilder oder Modelle erstellen können, eröffnen neue Möglichkeiten in Architektur, Ingenieurwesen und Bauprozessmanagement. 

Menschen am Poidum
Porr-CEO Karl-Heinz Strauss, Robert Neumayr Beelitz (Fakultät für Architektur der Universität Innsbruck), Vesna Glatz (ServiceNow Austria) und Herbert Mühlburger (AI-Trust ZT) diskutierten auf Einladung des VZI im Wiener Künstlerhaus (© VZI/Leo Hagen

Eingeleitet von VZI-Präsident Thomas Hoppe eröffneten Karl-Heinz Strauss (PORR), Herbert Mühlburger (AI-Trust ZT) und Robert Neumayr Beelitz (Universität Innsbruck) unterschiedliche Perspektiven auf den Einsatz generativer KI – von strategischen Fragestellungen über konkrete Anwendungen bis hin zu neuen Anforderungen an Ausbildung und Kompetenzen.

In der anschließenden Podiumsdiskussion mit Vesna Glatz (ServiceNow Austria) wurde deutlich: KI ist weit mehr als ein weiteres digitales Tool. Sie verändert grundlegende Mechanismen der Branche – von Planungsprozessen über Entscheidungslogiken bis hin zur Zusammenarbeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette.

Karl-Heinz Strauss, CEO Porr AG: Strategische Perspektiven – KI als Treiber der Bauwirtschaft

Die Bauwirtschaft steht vor einem tiefgreifenden Wandel – allerdings wird dieser Wandel anders verlaufen als in vielen anderen Branchen. Bauen bleibt auch in Zukunft ein stark physischer Prozess. KI wird diesen Prozess nicht ersetzen, aber wesentlich effizienter machen.

Ein zentraler Hebel liegt in der Nutzung von Daten. Heute verfügen Bauunternehmen bereits über enorme Mengen an Betriebs- und Maschinendaten – etwa durch Telematiksysteme in Geräten. Diese Daten ermöglichen es, Einsatzzeiten, Wartungszyklen oder wirtschaftliche Nutzungsdauer präziser zu bestimmen und Entscheidungen datenbasiert zu treffen.

Ein weiterer wichtiger Anwendungsbereich ist die Optimierung von Bauprozessen:

  • automatisierte Auswertung von Baustellendaten
  • Unterstützung im Claim-Management
  • Analyse vergangener Projekte zur Verbesserung zukünftiger Abläufe
  • Vergleich von Ausschreibungen und Planungsvarianten

KI hilft hier vor allem dabei, Varianten schneller zu entwickeln und fundierter zu entscheiden. Die finale Entscheidung bleibt jedoch beim Menschen. Besonders großes Potenzial liegt in organisatorischen Prozessen:

  • Logistik und Materialflüsse auf Großbaustellen
  • Beschaffung und Lieferketten
  • Terminplanung und Abstimmung
  • Dokumentation und Berichtswesen

Hier kann KI repetitive Aufgaben massiv beschleunigen und Transparenz schaffen. Ein entscheidender Punkt ist jedoch die Datenbasis. Die größten Herausforderungen liegen nicht in den Algorithmen, sondern in der Qualität und Verfügbarkeit der Daten. Der Aufbau belastbarer Datensätze ist aufwendig und erfordert langfristige Investitionen.

„KI ist ein absoluter Game Changer, davon bin ich überzeugt. Richtig genutzt, kann KI Prozesse deutlich beschleunigen, verbessern und planbarer machen.“ (Karl-Heinz Strauss)

Gleichzeitig entstehen neue Anforderungen an den Umgang mit Technologie und Prozessen. „Die Frage ist, ob Effizienz das Maß aller Dinge im Bau ist. Unsere Aufgabe wird es auch sein, die KI-Systeme zu instruieren und Prozesse zu kuratieren“, zeigte sich Robert Neumayr Beelitz überzeugt

Herbert Mühlburger (AI-Trust ZT): Technologische Einblicke – Generative KI in Planung und Projektmanagement

Die Entwicklung im Bereich KI hat sich in den letzten 18 Monaten massiv beschleunigt. Neue Modelle – insbesondere Open-Source-Modelle – haben dazu geführt, dass leistungsfähige KI heute breit verfügbar ist. Aktuelle Studien zeigen:

  • 98 % der Unternehmen weltweit setzen bereits KI ein
  • 62 % experimentieren mit KI-Agenten
  • die Bauwirtschaft agiert im Vergleich dazu noch eher konservativ

Das bedeutet: Jetzt einzusteigen ist keineswegs zu spät.

Ein wesentlicher Trend ist die zunehmende Verfügbarkeit spezialisierter Modelle. Plattformen stellen Millionen von Modellen bereit – für Bilderkennung, Textverarbeitung, Simulation oder Analyse. Dadurch wird KI immer stärker an konkrete Anwendungsfälle angepasst. Praxisbeispiele zeigen das Potenzial:

  • Analyse von Videodaten (z. B. Baustellenüberwachung)
  • Objekterkennung und semantische Auswertung
  • automatisierte Risikobewertung
  • Integration externer Datenquellen (z. B. Register, Listen, Behördeninformationen)

Ein konkretes Beispiel ist die Nutzung von Datenquellen zur Identifikation von Risiken wie Scheinunternehmen – technisch heute bereits gut umsetzbar. Gleichzeitig steigen die Risiken:

  • Fehlentscheidungen durch KI
  • mangelnde Nachvollziehbarkeit
  • Abhängigkeit von einzelnen Anbietern

Laut aktuellen Risikostudien zählt KI bereits zu den größten Geschäftsrisiken weltweit. Für Unternehmen ergibt sich daraus eine klare Empfehlung:

  • klein anfangen, aber strukturiert
  • konkrete Anwendungsfälle identifizieren
  • Erfahrungen sammeln
  • Lösungen iterativ weiterentwickeln

Open-Source-Modelle bieten dabei Vorteile:

  • mehr Kontrolle
  • geringere Abhängigkeit
  • bessere Anpassbarkeit

Gleichzeitig braucht es neue Kompetenzen in Organisation und Management. KI ist nicht nur ein IT-Thema, sondern ein Führungs- und Transformationsthema.

Strategisch gilt: KI wird keine Ingenieure ersetzen – aber Ingenieure, die KI nutzen, werden jene ersetzen, die es nicht tun. (Herbert Mühlburger, AI-Trust ZT)

Vesna Glatz (ServiceNow Austria): Plattformen, Zusammenarbeit und digitale Souveränität

KI ist nicht nur eine technologische, sondern vor allem eine menschliche und organisatorische Herausforderung. Sie erweitert die Fähigkeiten von Expertinnen und Experten – ersetzt sie aber nicht. Ein zentrales Problem vieler Unternehmen ist, dass KI-Projekte im Pilotstadium stecken bleiben. Der Grund: Es werden viele einzelne Use Cases umgesetzt, aber keine ganzheitliche Transformation. Plattformen spielen hier eine entscheidende Rolle – allerdings nicht als „Lösung für alles“, sondern als Infrastruktur:

  • sie verbinden unterschiedliche Systeme und Datenquellen
  • sie schaffen einen gemeinsamen „Wahrheitszustand“
  • sie reduzieren Silos zwischen Planung, Ausführung und Betrieb

Ein wichtiger Aspekt ist die digitale Souveränität Europas. Unternehmen müssen künftig stärker darauf achten:

  • wo ihre Daten liegen
  • welche Plattformen sie nutzen
  • wie unabhängig sie von einzelnen Anbietern sind

Gleichzeitig gilt: Nicht jedes Unternehmen kann oder sollte eigene KI-Lösungen entwickeln. Open Source ist wichtig, aber nicht immer die effizienteste Lösung. Ein grundlegender Wandel betrifft die Systemarchitektur:

  • weg von rein prozessorientierten Systemen
  • hin zu rollenbasierten und entscheidungsunterstützenden Systemen

Zukünftig werden zwei Welten parallel existieren:

  • deterministische Systeme (klare, regelbasierte Prozesse – z. B. Baustellenabläufe)
  • probabilistische Systeme (Vorhersagen, Szenarien, KI-gestützte Entscheidungen)

Die Herausforderung wird sein, diese beiden Welten sinnvoll zu kombinieren.