Panel Talk: Bau in der Produktivitätsfalle
Produktivität am Bau ist zur zentralen wirtschaftlichen Größe der Branche geworden: Steigende Kosten, sinkende Margen und wachsende regulatorische Anforderungen setzen die Bauwirtschaft unter Druck. Die Österreichischen Bautage 2026 machen das Thema zum Leitmotiv – und eröffnen den ersten Kongresstag am 11. November um 9:40 Uhr mit der Session „Bau in der Produktivitätsfalle“.
Produktivität am Bau: minus 3,1 Prozent pro Jahr
Die Ausgangslage liefert ein Gutachten des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln aus dem Jahr 2025, das Eurostat-Daten für zwölf europäische Länder über den Zeitraum 2005 bis 2023 auswertet. Ergebnis für Österreich: minus 3,1 Prozent Arbeitsproduktivität pro Jahr – der schlechteste Wert im Vergleichsfeld. Die Niederlande kommen im selben Zeitraum auf plus 0,8 Prozent, Dänemark auf plus 0,7 Prozent, Deutschland auf minus 1,6 Prozent, der EU-Durchschnitt liegt bei minus 0,7 Prozent.
Download Studie: Internationale Produktivitätsunterschiede in der Bauwirtschaft (IW Köln, 2025)
Harald Kopececk, Geschäftsführer der BAUAkademie OÖ und der Zukunftsagentur BAU, eröffnet die Session mit einem Kurzvortrag unter dem Titel „Wenn mehr Bedarf auf weniger Leistung trifft – Österreich als europäisches Schlusslicht“. Der Bedarf an Bauleistung steigt, Arbeitskraft und Produktivität halten nicht mit.
Warum die Zahl allein die Produktivität am Bau nicht erklärt
Die Kennzahl misst allerdings nicht in erster Linie das Arbeitstempo auf der Baustelle. Sie bildet zu einem erheblichen Teil den Einbruch der Bauleistung selbst ab: 2023 lag der Index bei 71 gegenüber 100 im Jahr 2005 – knapp 29 Prozent weniger Bauleistung. Dazu kommt die Personalpolitik vieler Betriebe, die Beschäftigte trotz sinkender Auftragslage halten. Kopececk hat den Vergleich dafür geliefert: Der Produktivitätsfaktor sei wie die Pace beim Marathon – eine Zahl allein sage wenig aus, wenn man die Bedingungen nicht kenne, unter denen sie zustande kam.
Das strukturelle Problem verschwindet damit aber nicht. Im krisenfreien Zeitraum 2011 bis 2019 lag Österreich immer noch bei minus 1,7 Prozent pro Jahr. Genau an dieser Differenz zwischen Statistik und Baustellenrealität setzt der anschließende Panel Talk „Was hindert uns daran, produktiv zu arbeiten?“ an.
Vier Blickwinkel auf die Produktivität am Bau
Auf dem Podium sitzen Vertreter aus Bauindustrie, Baugewerbe und Bauforschung – bewusst aus Unternehmen sehr unterschiedlicher Größe und Ausrichtung:
- Harald Kopececk, Geschäftsführer BAUAkademie OÖ und Zukunftsagentur BAU, bringt die Perspektive von Aus- und Weiterbildung ein. Er ist seit 25 Jahren in der österreichischen Bauwirtschaft tätig und verantwortet unter anderem die Plattformen Jobs am Bau und E-Baulehre.at.
- Manuel Eugster, CTO der Rhomberg Bau Holding, kommt von der Datenseite: Studium an der TU Wien, Doktorat in computationaler Statistik an der LMU München, davor Leiter des Data-Intelligence-Teams beim Sicherheitsunternehmen Avira. Bei Rhomberg verantwortet er IT und Digitalisierung, Produkte und Innovation, Planung und Systembau.
- Hans-Peter Schöll, Eigentümer der Schöll Bau GmbH, führt seit 2020 das burgenländische Familienunternehmen und hat dessen Umsatz seither verdreifacht. Davor war er im Baumanagement in New York und zehn Jahre in Brasilien tätig, wo er gemeinsam mit Goldman Sachs ein Self-Storage-Unternehmen aufbaute.
- Hubert Wetschnig, CEO der Habau Group, steht für die Perspektive eines international tätigen Hoch- und Tiefbaukonzerns.
Die Diskussion zielt auf die Stellen im Bauablauf, an denen Leistung tatsächlich verloren geht – und darauf, was Betriebe selbst in der Hand haben. Als Hebel werden in der Branche vor allem Vorfertigung, durchgängige Prozesse und serielles Bauen genannt. Ob das reicht, um eine seit zwei Jahrzehnten negative Kurve zu drehen, ist die offene Frage des Panels.
Österreichische Bautage 2026: Programm, Eckdaten und Anmeldung
Die Session bildet den Auftakt eines Programms, das die Produktivität entlang der gesamten Wertschöpfungskette durchdekliniert: Regulierung („Wer bremst das Bauen aus?“), Vertragsmodelle („Streit frisst Zeit“), Lean Construction, Kreislaufwirtschaft, Gebäudetechnik, Vorfertigung und Modulbau sowie Robotik. Eröffnet wird der Kongresstag um 9:30 Uhr von Anitra Eggler mit der Keynote „Produktivität ist tot“.
Der Kongress läuft von 10. bis 12. November 2026 im Congress Loipersdorf, Schaffelbadstraße 220, 8282 Loipersdorf bei Fürstenfeld. Zur Wahl stehen ein Standard-Ticket mit Kongresszutritt, Verpflegung sowie wahlweise Nächtigung und Abendprogramm und ein Business-Ticket, das zusätzlich Logopräsenz und Werbemöglichkeiten umfasst. Auch einzelne Tage sind buchbar.
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Das vollständige Programm mit allen Sessions und Vortragenden steht auf bautage.at.