Moderator Christian Clerici mit dem humanoiden Roboter Unitree G1 auf der Bühne des ILS Main Events 2026 in Graz
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Smart Logistics: KI, Robotik und Lehre im Realitätscheck

Smart Logistics ist längst mehr als ein Schlagwort: Beim ILS Main Event 2026 in der Grazer Helmut List Halle ging es um die Frage, welche digitalen Ideen und Werkzeuge den Praxistest in Unternehmen bestehen – von KI-Prozessen über autonome Systeme bis zur Verwertung von Reststoffen.

Smart Logistics stand im Mittelpunkt des ILS Main Events, zu dem die Independent Logistics Society am 14. und 15. Oktober 2026 in die Helmut List Halle in Graz geladen hatte. Unter dem Motto „Digital Confirmation“ kamen mehr als 500 Teilnehmende aus Industrie, Logistik, Telekommunikation, Forschung und Politik zusammen. Über 60 Expertinnen und Experten gingen auf der Bühne einer Leitfrage nach: Welche digitalen Lösungen bewähren sich im Unternehmensalltag tatsächlich? Gastgeber waren Birgit Edlinger und Kajetan Bergles, Managing Partner der ILS.

KI als Geschäftsprozess

Eröffnet wurde die Veranstaltung von Moderator Christian Clerici gemeinsam mit dem humanoiden Roboter Unitree G1. In der ersten Keynote plädierte Jörg Konwalinka, Head of AI Business Process Solutions bei Microsoft Österreich, dafür, künstliche Intelligenz nicht als Experiment, sondern als zentralen Geschäftsprozess zu verstehen.

Im anschließenden Standort-Talk diskutierten unter anderem Landesrat Willibald Ehrenhöfer, Landesrätin Claudia Holzer, der Grazer Stadtrat Kurt Hohensinner, WKO-Steiermark-Vizepräsident Herbert Ritter sowie Vertreter von AVL List und KNAPP. Der gemeinsame Befund: Eine starke Wirtschaft braucht schnelle, datengestützte Logistik. „In der Wirtschaft haben jene Unternehmen die Nase vorn, die die schnellsten und zuverlässigsten Lieferketten anbieten“, so Ritter.

Lehre als Basis für Fachkräfte

Einen Schwerpunkt bildete die berufliche Ausbildung. Vertreter von Kellner & Kunz, Pankl Racing Systems, der Bildungsdirektion Steiermark und der Fachgruppe Spedition und Logistik betonten, dass Fachkräfte nicht nur an Universitäten ausgebildet werden. „Wer im Zuge einer Lehrausbildung an der Werkbank gelernt hat, wie Systeme in der Praxis funktionieren, führt ein Unternehmen mit einem ganz anderen Blick für Machbarkeit“, sagte Walter Bostelmann, CEO von Kellner & Kunz. Paul Zadravec, Speditionskaufmann bei Kühne + Nagel, berichtete von seiner Teilnahme an den WorldSkills in Shanghai.

Resilienz hat ihren Preis

Kritisch fiel der Blick auf Europas Abhängigkeiten aus. Margaretha Gansterer (Universität Klagenfurt) und Sebastian Kummer (WU Wien) verwiesen darauf, dass Rohstoffe, Hardware und Software-Updates fast ausschließlich aus Asien und den USA kommen: „Wer Resilienz will, muss bereit sein, dafür zu bezahlen. Sonst ist Risikomanagement reine Fassade.“ In der folgenden Runde ging es um Standortentwicklung, Kostenwahrheit und die Elektrifizierung des Güterverkehrs. Heimo Aichmaier (E.ON Drive Austria) stellte dazu ein nutzungsabhängiges Modell für E-Lkw samt Ladeinfrastruktur im Depot vor, Paul Janacek (ConActing) thematisierte Netzauslastung und das Zusammenspiel von Schiene, Straße und Stromnetz.

Smart Logistics wird autonomer

In der Session „Smart Logistics & Technology“ ging es darum, wie Unternehmen Routineaufgaben automatisieren, ohne Know-how zu verlieren. Udo Traussnigg (FH Campus 02) und Manfred Fuchs (ivii) beleuchteten Automatisierung und Bildverarbeitung in autonomen industriellen Systemen. Vertreter von SSI Schäfer, Siemens und Sick erwarten, dass die nächste Automatisierungswelle Fabriken und Lieferketten nicht nur schneller, sondern vor allem intelligenter macht, weil Systeme Daten zunehmend selbstständig bewerten.

Vom Reststoff zum Rohstoff

Der zweite Veranstaltungstag widmete sich unter anderem der Kreislaufwirtschaft. Laurenz Hoffmann (Alimentastic) stellte ein Anlagenkonzept vor, das rund 9.500 Tonnen organische Reststoffe pro Jahr aus einem Umkreis von 50 Kilometern direkt vor Ort zu Tierprotein und organischem Dünger verarbeitet. Renato Šarc von der Montanuniversität Leoben erläuterte die wissenschaftlichen Grundlagen. In der anschließenden Runde, unter anderem mit Richard Stralz (Mayr-Melnhof Holz) und Vertretern von Energie AG Umweltservice und NEDCON, stand die Frage im Zentrum, wann aus Reststoffen ein belastbarer Rohstoff wird.

Haftung bleibt beim Menschen

Im Panel „Trusted Intelligence“ diskutierten Vertreter von EY, Magenta, Saubermacher, DIGITAL2GO und GrECo über die Haftung bei algorithmischen Entscheidungen. „KI kann Muster erkennen und in Millisekunden entscheiden. Aber haften muss am Ende der Mensch“, sagte Werner Kraus, COO Business bei Magenta Telecom. Den Abschluss bildete ein Robo-Catwalk, bei dem humanoide und autonome Roboter vorgeführt wurden – als Ausblick darauf, wie solche Systeme aus dem Entwicklungsstadium in den industriellen Alltag wechseln.