Blick nach Deutschland: 6 Punkte Plan für Wohnungsneubau
Ein Blick ins Nachbarland zeigt, wie eng Haushaltspolitik und Wohnungsbau verknüpft sind: Kurz vor der Bereinigungssitzung zum deutschen Bundeshaushalt 2027 hat die Aktion „Impulse für den Wohnungsbau“ am 2. November 2026 in Berlin Alarm geschlagen. Das Bündnis aus rund 30 Organisationen – darunter Verbände der Bau- und Immobilienwirtschaft, die Gewerkschaft IG BAU und der Deutsche Mieterbund – fordert ein „hausAuch in Deutschland steckt der Wohnungsbau tief in der Krise. Jetzt will der Bund auch noch die Neubauförderung kürzen. 30 Verbände der Bau- und Immobilienbranche halten mit einem 6-Punkte-Plan dagegen.haltspolitisches Umsteuern“. Sein Motto: „Mehr Wohnungsbau – mehr Wirtschaftswachstum“.
Rotstift trotz Wohnungsnot
Der Kern der Kritik: Die deutsche Bundesregierung plant im Haushaltsentwurf 2027, die Fördermittel für den Wohnungsneubau teilweise deutlich zu reduzieren. „Der Bund will seine Wohnungsbau-Förderungen reduzieren – trotz Wohnungsnot, trotz Wohnungsbau-Krise, trotz abstürzender Neubau-Zahlen“, warnt das Bündnis.
Die Kürzung würde den Wohnungsbau „weiter in die Knie zwingen“ und viele geplante Projekte zum Kippen bringen. Denn die Branche kämpft seit Jahren mit einem „toxischen Mix“: gestiegene Standards, Zinsen und Baukosten bei gleichzeitig weniger Förderung. Die Verbände fordern daher, die „Rotstiftplanung der Regierung auf den letzten parlamentarischen Metern im Bundestag zu verhindern“. 2027 dürfe die „Lähmungsphase für den Neubau von Wohnungen“ nicht abermals verschärfen.
Tiefster Stand seit 2011
Die Zahlen stützen die Sorge. 2026 dürften in Deutschland weniger als 200.000 neue Wohnungen fertiggestellt werden – der tiefste Stand seit 2011. Das sind über 100.000 Wohnungen weniger als im Schnitt der Jahre 2019 bis 2023. Das ifo-Institut prognostiziert laut Bündnis für heuer sogar nur noch 185.000 neue Wohnungen – ein neues Rekordtief.
Die Folgen spüren vor allem Mieterinnen und Mieter: Die Mieten steigen vielerorts, besonders bei Neuverträgen. Umfragen zufolge zählt die Versorgung mit bezahlbarem Wohnraum für die Bevölkerung zu den drängendsten politischen Problemen in Deutschland.
Sparen als Bumerang
Das Bündnis argumentiert vor allem volkswirtschaftlich. „Die geplanten Kürzungen werden auf längere Sicht volkswirtschaftlich zu einem Bumerang“, heißt es. Jeder gesparte Förder-Euro reiße perspektivisch neue Löcher in die Staatskasse – aus zwei Gründen:
- Schwächere Konjunktur: Weniger Wohnungsbau bremst die Binnenkonjunktur und verschlechtert die Wachstumsperspektiven. Potenzielle Arbeitskräfte finden keinen Wohnraum, hohe Mieten und Kaufpreise entziehen Kaufkraft. Die regionale Bauwirtschaft bleibt als Wachstumsimpulsgeber ungenutzt.
- Höhere Sozialausgaben: Am Ende zahle der Staat den Wohnungsmangel selbst – über mehr Wohngeld und höhere Kosten der Unterkunft.
Das Fazit des Positionspapiers: Die volkswirtschaftlichen Kosten von zu wenig Wohnungsbau dürften die kurzfristigen Effekte eines Sparkurses deutlich übersteigen. „Dieser Bundeshaushalt passt nicht zu dem, was draußen im Land beim Wohnungsbau und auf den Wohnungsmärkten gerade passiert“, so das Bündnis.
Kurskorrekturen reichen nicht
Ganz untätig sei die Bundesregierung nicht, räumt das Positionspapier ein. Mit dem sogenannten Bau-Turbo können Kommunen den Wohnungsbau vereinfacht vorantreiben. Die soziale Wohnraumförderung wurde seit 2022 verdoppelt und soll 2027 und 2028 auf 5,5 Milliarden Euro steigen. In Vorbereitung sind zudem das einfachere und kostengünstigere Bauen, eine rechtliche Priorisierung des Wohnungsbaus und eine stärker digitalisierte Planung.
Doch die Maßnahmen greifen aus Sicht der Branche zu kurz. Die Prozesse dauern zu lange, etwa beim Gebäudetyp E. Und trotz hoher Fördermittel liegt die Zahl neuer Sozialwohnungen weit unter dem Bedarf.
Der 6-Punkte-Plan der Branche
Unter dem Titel „Wohnungsbau jetzt möglich machen“ richtet das Bündnis sechs Forderungen an Bundesregierung, Bundestag und Parteien:
- Bezahlbaren Mietwohnungsbau ermöglichen: Keine Kürzungen im Haushalt 2027. Förderstandards auf ein wirtschaftlich vertretbares Niveau bringen und Förderung wie Sonder-AfA an der EH55-Stufe ausrichten. Die angekündigte Weiterführung der EH55-Plus-Förderung sei ein erster Schritt. „Der Bau braucht Kontinuität und damit Verlässlichkeit, um sicher planen zu können.“
- Sozialen Wohnungsbau stärken: Bundesmittel dauerhaft auf hohem Niveau sichern, von den Ländern kofinanziert. Förderbedingungen vereinfachen und auf kostengünstiges Bauen ausrichten.
- Wohneigentum fördern: Gezielte Unterstützung für Familien, Ersterwerber sowie Haushalte mit unteren und mittleren Einkommen. Eigenkapitalhürden über Darlehen, Bürgschaften und Garantien senken, Ersterwerber bei der Grunderwerbsteuer entlasten.
- Einfacher und günstiger bauen: Den Gebäudetyp E rechtssicher, technologieoffen und rasch umsetzen. Gefordert wird ein „neues Normal“ mit kosteneffizienten Bauweisen. Auch die Landesbauordnungen sollen weiter angepasst werden – mit Blick auf serielles, modulares und systemisches Bauen.
- Bauland mobilisieren: Mehr Nachverdichtung, Aufstockung und Umnutzung von Gewerbe- zu Wohnimmobilien. Dazu brauche es ein praxistaugliches Umbaurecht, die konsequente Umsetzung der BauGB-Novelle und öffentliche Grundstücke zu tragfähigen Konditionen.
- Gebäudebestand dekarbonisieren: Mehr langfristige Anreize für energetische Sanierung, vor allem bei Gebäuden mit hohem Verbrauch. Mittel aus dem Klima- und Transformationsfonds (KTF) sollen verlässlich auch in den Gebäudebestand fließen.
Die Botschaft an die Politik fasst das Papier in einem Satz zusammen: Wohnungsbau sei „eine Voraussetzung für wirtschaftliche Dynamik und soziale Stabilität“ – und das müsse sich auch im Bundeshaushalt 2027 widerspiegeln.
Infobox: Aktion „Impulse für den Wohnungsbau“
- Was: Netzwerk von rund 30 Verbänden und Organisationen der deutschen Bau- und Immobilienbranche, seit 2004 aktiv
- Mitglieder u. a.: Verbände der Bau- und Immobilienwirtschaft, IG BAU, Deutscher Mieterbund
- Ziel: Politische Rahmenbedingungen schaffen, damit ausreichend bezahlbarer und bedarfsgerechter Wohnraum entsteht
- Koordination: Bundesverband Baustoffe – Steine und Erden e.V., Berlin; Koordinator Christian Engelke
- Lobbyregister des Deutschen Bundestages: Nr. R005616
- Web: impulse-fuer-den-wohnungsbau.de