CCC 2026: Betonbau-Know-how aus Österreich
Das Motto des CCC 2026 lautete „Sustainable and Innovative Engineering Solutions for Concrete Design Challenges and Practice“. Ausgerichtet haben den Kongress die Fakultäten für Architektur und für Bauingenieurwesen der Universität Zagreb, gemeinsam mit Vertretern der CCC-Gründungsländer. Rund 150 Teilnehmende aus Forschung, Planung, Bauwirtschaft und Industrie kamen ins Hotel Olympia Sky. Das Programm umfasste mehr als 50 doppelt-blind begutachtete Beiträge. Die Themen reichten von Brückenbau, Dauerhaftigkeit und Vorspannung bis zu Monitoring, BIM und nachhaltigen Baustoffen.
Gegründet haben den CCC 2004 Österreich, Kroatien, Tschechien und Ungarn, 2012 kam Polen dazu. Der erste Kongress fand 2005 in Graz statt. Nach 14 Jahren war Kroatien nun wieder Gastgeber.
BS1 und BS2: Weniger CO₂, gleiche Qualität
Ein Höhepunkt aus österreichischer Sicht war die Plenar-Keynote von Rainer Hausenberger, Leitender Experte für Betonbau und Brücken bei der ÖBB-Infrastruktur AG. Er stellte am 6. Oktober die performanceorientierten Betonstandards BS1 und BS2 vor. BS1 geht auf das in der ÖBV-Richtlinie geregelte Konzept der „Weißen Wanne“ zurück, das sich seit Jahrzehnten bewährt. BS2 wurde 2023 mit der ÖBV-Richtlinie für Betone mit reduzierter Frührissneigung eingeführt.
Beide Standards setzen auf klinkerreduzierte Bindemittel und alternative Gesteinskörnungen. So lassen sich die CO₂-Emissionen deutlich senken, ohne bei Dauerhaftigkeit und Rissbegrenzung Abstriche zu machen. Gerade bei Bahninfrastruktur, die über Jahrzehnte halten muss, gehören Klimaschutz und technische Qualität zusammen.
„Sprayed Concrete“: Österreichische Richtlinie jetzt auf Englisch
Auch die englischsprachige ÖBV-Guideline „Sprayed Concrete“ war Thema. In der Session der National Keynote Lectures stellte Wolfgang Aldrian (Master Builders Solutions) ihr Gesamtkonzept vor. Spritzbeton galt lange nur als temporäre Sicherung im Tunnelbau. Heute wird er auch dauerhaft eingesetzt, und viele Normen haben diese Entwicklung und die Anforderungen an CO₂-Reduktion noch nicht nachvollzogen. Die österreichische Richtlinie greift diese Punkte auf.
Nachhaltige Baustoffe im Fokus
Das Conference Book zeigt, wie breit an CO₂-ärmerem Beton geforscht wird. Ein Team aus Split untersuchte Ziegelmehl aus Bauschutt als Zusatzstoff. Bei 20 Prozent Anteil blieben 87 Prozent der Referenzfestigkeit erhalten, der Chloridwiderstand verbesserte sich um rund 25 Prozent. Forschende aus Rzeszów verarbeiteten geschredderte Rotorblätter von Windkraftanlagen als Gesteinskörnung in Konstruktionsbeton. Weitere Beiträge befassten sich mit LC3-Zement und Reisschalenasche.
Austausch über Grenzen hinweg
Die Österreichische Bautechnik Vereinigung (ÖBV) ist die österreichische Landesvertretung im CCC. Für sie ist der internationale Austausch besonders wertvoll. Neuerungen wirken dann, wenn Forschung, Regelwerke und Baustellenpraxis zusammenkommen, und dafür braucht es Bauherren wie die ÖBB genauso wie Fachleute aus Wissenschaft und Praxis.