cyment-Werk Mosonmagyaróvár
Das cyment-Werk Mosonmagyaróvár, in dem CO₂-reduzierter Zement produziert wird
© cyment Austria GmbH

CO₂-reduzierter Zement: bis zu 50 Prozent weniger Emissionen im Beton

CO₂-reduzierter Zement setzt dort an, wo in der Bauwirtschaft die meisten Emissionen entstehen: beim Klinker. Die cyment Austria GmbH mit Sitz in Ohlsdorf liefert dafür zwei Zusatzstoffe und einen Fertigzement für die Märkte Österreich, Ungarn, Slowakei und Tschechien.

CO₂-reduzierter Zement ist für Betonhersteller derzeit einer der wenigen Hebel, mit denen sich der Fußabdruck eines Bauteils ohne Änderung der Bauweise senken lässt. Rund acht Prozent der globalen CO₂-Emissionen stammen laut Angaben der cyment Austria GmbH aus der Zementproduktion, nahezu vollständig aus dem Brennen des Klinkers. Genau an diesem Bestandteil setzt das Unternehmen an: Ein Teil des Klinkers wird durch hydraulisch wirksame Alternativen aus der Kreislaufwirtschaft und durch vulkanische Rohstoffe ersetzt.

Wie CO₂-reduzierter Zement in die bestehende Rezeptur kommt

Die Produkte sind nach Herstellerangaben puzzolanische Typ-II-Zusatzstoffe nach EN 206 und werden direkt im bestehenden Mischprozess eingesetzt. Eine Anpassung der Anlagen oder eine zusätzliche Investition im Betonwerk ist dafür nicht erforderlich. Gegenüber Portlandzement CEM I liegt der Emissionswert des Bindemittels laut Unternehmen um bis zu 95 Prozent niedriger; im fertigen Beton ergibt sich je nach Ersatzrate eine Einsparung von bis zu 50 Prozent. Wie bei jeder neuen Rezeptur sind Eignungsprüfungen erforderlich – die Ersatzrate steuert der Betonhersteller selbst.

Drei Produkte: CO₂-reduzierter Zement als Zusatzstoff und als Fertigzement

Das Portfolio umfasst derzeit drei Varianten. cyment L 100 ist Bindemittel und Typ-II-Zusatzstoff nach EN 206 und wird im Betonwerk eigenständig dosiert. cyment L 500 ist die höher reaktive Variante für Rezepturen mit erhöhten Anforderungen an die Frühfestigkeit. Cymentevo 42,5 N ist ein Fertigzement, bei dem Klinker und cyment gemeinsam vermahlen werden; er wird wie herkömmlicher Zement eingesetzt, eine Rezepturanpassung entfällt.

Einsatzbereiche von Hochbau bis Straßenbau

Als Anwendungsfelder nennt das Unternehmen den Hochbau von Standardbeton bis Hochleistungsbeton mit variablem Klinkerersatz bei voller Festigkeit sowie den Tiefbau, wo die hohe Endfestigkeit und die geringere Hydratationswärme bei Tragwerken, Stützwänden und Pfählen relevant sind. Bei massigen Bauteilen soll die gesteuerte Wärmeentwicklung das Rissrisiko senken. Im Straßenbau führt die langsamere Festigkeitsentwicklung zu einer strukturierten Rissverteilung. Für Fertigteile wird eine vergleichbare Verarbeitbarkeit angegeben, auch für Sichtbeton. Darüber hinaus sind Bauprodukte wie Mörtel, Kleber und Putze mit reduziertem CO₂-Fußabdruck vorgesehen.

Zahlen und Nachweise

Für cyment L 100 weist das Unternehmen 26,2 Kilogramm CO₂ je Tonne aus, EPD-verifiziert nach EN 15804+A2 (Stand Pressemappe 09/2026). Nach eigenen Angaben wurden bereits drei Millionen Kubikmeter Beton mit cyment hergestellt. Vertrieben werden die Bindemittel in vier Märkten: Österreich, Ungarn, Slowakei und Tschechien.

Produktion in Ungarn, Prüftechnik in der Slowakei

Die cyment Austria GmbH ist Teil der ALAS Baustoff-Holding und verbindet nach eigener Darstellung Rohstoff- und Kundenkompetenz mit eigener Verfahrensentwicklung. Produziert wird im Werk Mosonmagyaróvár in Ungarn, einer Aufbereitungs- und Mahlanlage für latent hydraulische und sekundäre Rohstoffe. Qualitätssicherung und betontechnologische Entwicklung sind im cyment Technologies Center in der Slowakei gebündelt, das Mineralogie, Chemie sowie Mörtel-, Zement-, Gesteins- und Bindemittelprüfung unter einem Dach vereint. Der Unternehmenssitz liegt in der Unterthalham Straße 2 in 4694 Ohlsdorf.