„Dämmen statt Verheizen" – 15 Verbände fordern Förderung für thermische Sanierung
Was bringt eine moderne Wärmepumpe, wenn die gewonnene Wärme durch undichte Fenster und Wände sofort wieder entweicht? Mit dieser Frage eröffnet die neue Brancheninitiative „Dämmen statt Verheizen" ihr gemeinsames Positionspapier – und bringt eine unbequeme Wahrheit auf den Punkt: Thermische Sanierung muss der erste Schritt der Energiewende sein, nicht ein Nachgedanke.
Thermische Sanierung: Zahlen, die überzeugen
Eine umfassende Gebäudesanierung spart bis zu 76 Prozent des Energieverbrauchs ein. Wärmepumpen arbeiten in gedämmten Gebäuden vielfach effizienter als in unsanierten Bauten – der Verzicht auf Dämmung ist keine Sparmaßnahme, sondern strukturelle Energieverschwendung auf Kosten aller. Dazu kommt: Jeder in die thermische Sanierung investierte Förder-Euro löst eine Wertschöpfung von 2,59 Euro aus – regional und in heimischen Handwerksbetrieben. Die Förderungen der Jahre 2023 und 2024 haben Investitionen von rund 2,3 Milliarden Euro angestoßen. Bei einer Sanierungsrate von drei Prozent entstünden 30.000 neue Arbeitsplätze in Österreich.
15 Verbände hinter der Initiative „Dämmen statt Verheizen"
Das Positionspapier wird von einem breiten Bündnis aus Industrie, Gewerbe, Forschung und Zivilgesellschaft getragen:
- Fachverband Steine-Keramik
- GLOBAL 2000
- Gewerkschaft Bau-Holz
- Bundesinnung Bau
- ZIB – Zentralverband industrieller Bauproduktehersteller
- FBI – Forschungsverband der österreichischen Baustoffindustrie
- ÖAP – Österreichische Arbeitsgemeinschaft Putz
- Plattform Fenster & Fensterfassade
- QG – ARGE Qualitätsgruppe Wärmedämmsysteme
- GPH – Güteschutzgemeinschaft Polystyrol-Hartschaum
- GDI2050 – Gebäudehülle+Dämmstoff Industrie 2050
- GSG – Güteschutzgemeinschaft WDVS-Fachbetrieb
- OIB – Österreichisches Institut für Bautechnik
- ÖXPS – Österreichische Fachvereinigung für Polystyrol-Extruderschaum
- FMI – ARGE Fachvereinigung Mineralwolleindustrie
Thermische Sanierung schützt Mieter, Klima und Wirtschaft
Die Initiative richtet sich bewusst an mehrere Zielgruppen. Für Mieterinnen und Mieter bedeutet fehlende Dämmung konkret höhere Betriebskosten, Kälte im Winter und keine Kontrolle über die Bausubstanz. Für Eigentümer drohen Wertverluste bei unsanierten Immobilien. Und gesamtwirtschaftlich warnen die Verbände vor Kapazitätsverlust im Handwerk: Wer jetzt Förderungen kürzt, verliert das Fachkräfte-Know-how, das für die spätere Umsetzung der EU-Renovation-Wave dringend gebraucht wird. Die gesamte Europäische Union setzt auf eine Verdopplung der Sanierungsrate – Österreich dürfe dabei nicht zum Geisterfahrer werden.