Drei Leute am Podium
Christiane Brunner, Angela Bachmann und Karl Sagmeister beim Pressegespräch des Climate Business Circle in Wien
© Martin Horn

Elektrifizierung als Standortvorteil für Österreich

Elektrifizierung ist aus Sicht des Climate Business Circle der Schlüssel, um Österreichs Industrie künftig ausreichend Energie zu wettbewerbsfähigen Preisen bereitzustellen. Bei einem Pressegespräch in Wien plädierten Initiatorin Christiane Brunner, Holcim-Österreich-CEO Angela Bachmann und Schneider-Electric-Österreich-CEO Karl Sagmeister für eine gemeinsame Strategie für Energie und Standort.

Die Elektrifizierung von Mobilität, Gebäuden und geeigneten industriellen Prozessen ist für den Climate Business Circle eine zentrale Voraussetzung, um den Industriestandort Österreich wettbewerbsfähig zu halten. Elektrische Anwendungen nutzen Energie vielfach wesentlich effizienter und schaffen damit Spielraum für Produktion und Wachstum. Dafür brauche es einen klaren Elektrifizierungskurs, so die gemeinsame Botschaft der Unternehmensinitiative, von Holcim Österreich und Schneider Electric Österreich bei einem Pressegespräch am 3. November 2026 in Wien.

Stromanteil unter dem EU-Durchschnitt

Bei erneuerbarem Strom verfügt Österreich über eine gute Ausgangslage. Beim Anteil von Strom am Endenergieverbrauch lag das Land 2024 mit 22,6 Prozent allerdings unter dem EU-Durchschnitt von 23,4 Prozent.

Auch Europa insgesamt muss Tempo aufnehmen: Laut Daten der Internationalen Energieagentur (IEA) stieg der Stromanteil in China zwischen 2019 und 2024 von rund 28 auf 34 Prozent. In der EU wuchs er im selben Zeitraum lediglich von rund 23 auf 24 Prozent.

Elektrifizierung als Standortfaktor

Für Christiane Brunner, Initiatorin des Climate Business Circle, hängen Energieversorgung und Investitionsentscheidungen direkt zusammen: „Unternehmen investieren dort, wo klimafreundlicher Strom, leistungsfähige Netze und Anschlusskapazitäten rechtzeitig verfügbar sind. Elektrifizierungsdynamik ist deshalb Standortdynamik.“ Die Energieleitlinien der Bundesregierung könnten dafür eine wichtige Orientierung schaffen, so Brunner.

Zementindustrie braucht Rahmen für Carbon Management

Aus Sicht der Industrie geht es weniger um das Ob als um das Wo der Dekarbonisierung. „Die Frage ist, wo die Investitionen in die nächste Generation industrieller Produktion stattfinden. Wir sind bereit, in Österreich zu investieren – brauchen dafür aber jetzt wettbewerbsfähige erneuerbare Energie und einen verlässlichen Rahmen für Carbon Management“, sagt Angela Bachmann, CEO von Holcim Österreich.

In der Zementproduktion verbleiben prozessbedingte CO₂-Emissionen, die sich durch Elektrifizierung allein nicht vermeiden lassen. Ergänzend sind daher CO₂-Abscheidung, Transport und Speicherung beziehungsweise Nutzung erforderlich. Holcim spricht sich für ein CO₂-Speichergesetz und eine Pipelinestrategie 2030 aus. Die Speicherung soll gezielt für unvermeidbare Emissionen aus schwer dekarbonisierbaren Industrien eingesetzt werden.

Effizienzgewinne durch Digitalisierung

Karl Sagmeister, CEO von Schneider Electric Österreich, verweist auf das Zusammenspiel von Strom und digitaler Steuerung: „Elektrifizierung und Digitalisierung ermöglichen mehr Wertschöpfung aus jeder eingesetzten Kilowattstunde. Viele Technologien dafür sind bereits verfügbar.“ Gleichzeitig müsse die Energie- und Netzinfrastruktur geschaffen werden, damit Zukunftsbranchen wie Rechenzentren in Österreich investieren und effizient in das Energiesystem integriert werden können. Intelligente Steuerung und Automatisierung helfen Unternehmen, Energie effizienter und flexibler einzusetzen.

Gesamtstrategie über alle Sektoren

Der Climate Business Circle fordert eine sektorübergreifende Gesamtstrategie. Sie soll ausreichend Energie zu wettbewerbsfähigen Preisen sichern, eine leistungsfähige Infrastruktur bereitstellen und die Effizienzpotenziale der Elektrifizierung konsequent nutzen.

Ebenso entscheidend ist aus Sicht der Initiative die gesellschaftliche Akzeptanz. Der Zusammenhang zwischen Energieprojekten, industrieller Wertschöpfung und Arbeitsplätzen müsse verständlich vermittelt werden und von einem gemeinsamen politischen und gesellschaftlichen Commitment getragen sein. Die beteiligten Unternehmen wollen dazu ihre Erfahrungen aus der Umsetzung einbringen.

Der Climate Business Circle ist ein Kooperationsprojekt von CEOs FOR FUTURE und Christiane Brunner sowie den Unternehmen Austrian Power Grid (APG), ASFINAG, Holcim Österreich, Schneider Electric und Wiener Stadtwerke.