Gebäudesanierung: Richtungswechsel in Deutschland und Schwerpunktverlagerung in Österreich
Die österreichische Sanierungsoffensive 2026–2030 stellt insgesamt rund 360 Millionen Euro pro Jahr bereit. Gefördert werden sowohl der Heizkesseltausch als auch thermisch-energetische Sanierungen. Allerdings zeigt sich eine klare Schwerpunktsetzung: Während der Kesseltausch („Raus aus Öl und Gas“) weiterhin gefördert wird, sind seit Anfang Februar 2026 keine neuen Förderanträge für den Sanierungsbonus (thermische Gebäudesanierung) mehr möglich.
Gefördert wird insbesondere der Ersatz fossiler Heizsysteme durch Wärmepumpen, Fernwärme oder Biomasseanlagen. Der politische Fokus liegt damit auf rasch wirksamen CO₂-Reduktionen über den Systemwechsel der Wärmeerzeugung. Für die Bauwirtschaft verschiebt sich damit die Förderdynamik stärker in Richtung Anlagentechnik als Gebäudehülle.
Deutschland: Vom „Heizungsgesetz“ zum „Gebäudemodernisierungsgesetz“
In Deutschland vollzieht sich parallel eine kommunikative und regulatorische Neuausrichtung. Das bisherige Gebäudeenergiegesetz (GEG), das in der öffentlichen Debatte als „Heizungsgesetz“ bekannt wurde, soll durch ein Gebäudemodernisierungsgesetz (GMG) ersetzt werden. Zentrale Änderung ist die Abschaffung der 65-Prozent-Pflicht für erneuerbare Energien bei neu eingebauten Heizungen. Eine Austauschpflicht für bestehende Heizungen ist nicht vorgesehen. Gas- und Ölheizungen bleiben weiterhin zulässig, künftig allerdings ergänzt um eine stufenweise Beimischung klimafreundlicher Brennstoffe („Bio-Treppe“) ab 2029.
Der neue Gesetzesname legt nahe, dass der Fokus wieder stärker auf das gesamte Gebäude gerichtet wird. Tatsächlich bleiben die inhaltlichen Regelungen jedoch weiterhin stark heizungsbezogen. Neue ordnungsrechtliche Impulse für verpflichtende umfassende Gebäudesanierungen oder deutlich verschärfte Effizienzstandards im Bestand sind im Eckpunktepapier nicht erkennbar.
Gebäudesanierung: Gegenläufig oder nur anders gewichtet?
Damit stellt sich die eingangs formulierte Frage neu:
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Österreich verschiebt die praktische Förderrealität derzeit stärker in Richtung Heizungstausch, während die thermische Sanierung budgetär zurücktritt.
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Deutschland verabschiedet sich zwar rhetorisch vom „Heizungsgesetz“, bleibt aber regulatorisch weiterhin stark auf Heiztechnik und Brennstoffsysteme fokussiert – nur mit größerer Technologieoffenheit.
Von einem klaren Richtungswechsel „Heizung versus Gebäude“ kann daher nur bedingt gesprochen werden. Vielmehr unterscheiden sich die Instrumente:
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Österreich setzt auf unmittelbare Emissionswirkung durch Anlagentausch.
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Deutschland reduziert regulatorischen Druck und steuert stärker über Marktmechanismen, CO₂-Preis und Brennstoffquoten.
Beide Länder bleiben dabei an die europäischen Klimaziele für den Gebäudesektor gebunden – der strategische Zielkorridor ist also identisch, der politische Weg dorthin jedoch unterschiedlich akzentuiert.
Fazit für die Bau- und Sanierungsbranche
Für Unternehmen im Bau- und Sanierungsbereich ergeben sich daraus differenzierte Marktimpulse:
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In Österreich ist aktuell mit einer stärkeren Nachfrage im Bereich Heizsysteme und Anlagentechnik zu rechnen.
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In Deutschland könnte die größere Wahlfreiheit kurzfristig Investitionsentscheidungen verzögern, während langfristig weiterhin klimafreundliche Systeme an Bedeutung gewinnen.
Ob sich daraus tatsächlich zwei gegenläufige Sanierungsstrategien entwickeln oder lediglich unterschiedliche Übergangsphasen sichtbar werden, wird maßgeblich von den budgetären Entscheidungen der kommenden Jahre abhängen.