Verbandsobmann KR Mag. Michael Gehbauer, Verbandsobmann-Stellvertreter Mag.a Isabella Stickler
© Kristina Kircher

Gemeinnütziger Wohnbau behauptet sich in schwierigen Zeiten

11.900 Wohnungen von gemeinnützigen Bauvereinigungen (GBVs) fertiggestellt. Ab 2027 wieder steigende Bauleistung erwartet. Sanierung und Heizungsumstellungen auf Allzeithoch.

Der gemeinnützige Wohnbau in Österreich bleibt auch im Jahr 2025 ein zentraler Stabilitätsfaktor für die Bauwirtschaft – trotz rückläufiger Fertigstellungen und anhaltend herausfordernder Rahmenbedingungen. Laut aktueller Schnellerhebung wurden von den gemeinnützigen Bauvereinigungen (GBVs) rund 11.900 Wohnungen fertiggestellt, was einem Rückgang von 13 % im Vergleich zu 2024 entspricht. Dennoch zeigt sich: Gemeinnütziger Wohnbau sichert weiterhin leistbares Wohnen und sorgt für Kontinuität in einem volatilen Marktumfeld.

Gemeinnütziger Wohnbau sichern Stabilität im Wohnbau

Während private Bauträger Projekte zunehmend verschieben oder stoppen, beweisen die GBVs ihre Stärke durch langfristige Planung und Investitionssicherheit. Gerade in wirtschaftlich unsicheren Zeiten fungiert der gemeinnützige Wohnbau als verlässlicher Partner für leistbaren Wohnraum und trägt maßgeblich zur Stabilisierung der Baukonjunktur bei.

Marktanteil der GBVs steigt auf über 50 %

Ein besonders positives Signal kommt aus dem Bereich der Baubewilligungen im Mehrgeschoßwohnbau: Hier konnten die GBVs ihren Marktanteil auf über 50 % steigern. Grund dafür ist ein deutlich stärkerer Einbruch im gewerblichen Sektor. Für das Jahr 2026 wird zwar ein weiterer leichter Rückgang auf etwa 11.000 bis 11.600 Wohnungen prognostiziert, doch ab 2027 wird wieder mit steigenden Bauleistungen gerechnet.

Milliardeninvestitionen in Neubau und Sanierung

Trotz schwieriger Rahmenbedingungen bleibt das Investitionsvolumen im gemeinnützigen Wohnbau hoch:

  • 2,7 Milliarden Euro flossen 2025 in den Neubau
  • 1,7 Milliarden Euro wurden in Sanierung und Instandhaltung investiert

Diese Zahlen unterstreichen die zentrale Rolle der GBVs als Motor der Bauwirtschaft und als Garant für nachhaltige Wohnraumentwicklung.

Herausforderungen: Baukosten, Zinsen und Grundstücksmangel

Die Branche steht weiterhin vor großen Herausforderungen. Steigende Baukosten, hohe Zinsen und fehlende leistbare Grundstücke bremsen die Bautätigkeit. Zusätzlich sorgen geopolitische Entwicklungen – wie der Nahostkonflikt und steigende Energiekosten – für Unsicherheit.

Ein zentrales Thema bleibt der Zugang zu leistbaren Grundstücken. Ohne entsprechende politische Maßnahmen auf Bundes- und Landesebene droht eine weitere Verknappung von leistbarem Wohnraum.

Rekord bei Sanierungen und klimafreundlichen Heizsystemen

Ein klarer Wachstumstrend zeigt sich im Bereich der thermischen Sanierung:

  • 2025 wurden rund 7.900 Wohnungen saniert (+17 % gegenüber 2024)
  • 6.900 Wohnungen wurden auf klimafreundliche Heizsysteme umgestellt (+6 %)

Damit positionieren sich die GBVs als Vorreiter der ökologischen Transformation im Gebäudesektor. Die Zahlen belegen: Klimaschutz und leistbares Wohnen sind kein Widerspruch, sondern lassen sich erfolgreich miteinander verbinden.

Forderungen des Verbandes

Angesichts der aktuellen Herausforderungen am Wohnungsmarkt sieht der Verband der gemeinnützigen Bauvereinigungen dringenden Handlungsbedarf. Innerhalb des Verbandes herrscht Einigkeit darüber, dass konkrete politische und strukturelle Maßnahmen erforderlich sind, um den negativen Entwicklungen wirksam entgegenzusteuern und leistbaren Wohnraum langfristig abzusichern.

Der Verband fordert daher ein Bündel an zentralen Schritten:

  • Wiedereinführung der Zweckbindung der Wohnbauförderung: Wohnbaufördermittel müssen wieder ausschließlich für den Wohnbau eingesetzt werden, um gezielt Investitionen in leistbaren Wohnraum sicherzustellen.
  • Fördermittel für die Dekarbonisierung des Wohnbaus: Das Tempo ist gut, muss aber noch gesteigert werden. Dazu sind ausreichend Fördermittel erforderlich.
  • Mobilisierung von öffentlichen Grundstücken für den gemeinnützigen Wohnbau: Es braucht verstärkte Maßnahmen, um ausreichend verfügbare und leistbare Bauflächen bereitzustellen.
  • Aufbau alternativer Finanzierungsmodelle: Neue Finanzierungsinstrumente sollen geschaffen werden, um durch eine zusätzliche Finanzierungssäule den gemeinnützigen Wohnbau langfristig abzusichern.
  • Flächendeckende Widmungskategorien für gemeinnützigen Wohnbau: Verbindliche Widmungskategorien in allen Bundesländern sind notwendig, um ausreichend Flächen für den sozialen Wohnbau zu gewährleisten.

„Nur mit entschlossenem Handeln können die Voraussetzungen geschaffen werden, damit gemeinnütziger Wohnbau auch künftig seine zentrale Rolle für leistbares Wohnen in Österreich erfüllen kann“, betonen Obmann Gehbauer und Obmannstellvertreterin Stickler.

Ausblick: Erholung ab 2027 erwartet

Trotz kurzfristiger Rückgänge deutet vieles auf eine schrittweise Erholung des Wohnbaumarktes ab 2027 hin. Voraussetzung dafür sind stabile politische Rahmenbedingungen, gezielte Fördermaßnahmen und vor allem der Zugang zu leistbaren Grundstücken.