3 Männer vor Plakaten
Präsentierten aktuelle Zahlen zu Wohnbauprojekten: Johannes Wild, Obmann der Fachgruppe Immobilien- und Vermögenstreuhänder, Alexander Bosak, Exploreal GmbH, und Christian Rädler, Obmann der GBV Landesgruppe Niederösterreich (v.l.)
© Allahyari PR/ Henninger

Wohnbau Niederösterreich: Reformen zur Stabilisierung des Wohnungsmarktes gefordert

Fachgruppe Immobilien- und Vermögenstreuhänder der Wirtschaftskammer Niederösterreich und Verband gemeinnütziger Bauvereinigungen (GBV), Landesgruppe Niederösterreich, präsentieren erstmals gemeinsam aktuelle Zahlen zu Wohnbauprojekten in der Pipeline und drängen auf Reformen auf Bundesebene.

Der Wohnbau Niederösterreich zeigt klare Zeichen der Erholung: Für 2026 sind rund 3.700 neue Wohneinheiten geplant, was einem Plus von 33 % gegenüber dem Vorjahr entspricht. Für 2027 wird ein weiterer Anstieg auf etwa 4.100 Wohnungen prognostiziert. Besonders hervorzuheben ist dabei der hohe Anteil des gemeinnützigen Mietsektors, der rund 45 % der geplanten Einheiten ausmacht.

Damit bestätigt sich: Gemeinnütziger und gewerblicher Wohnbau bilden gemeinsam das Fundament für einen stabilen und funktionierenden Wohnungsmarkt in Niederösterreich.

Gewerblicher Wohnbau Niederösterreich bleibt zentrale Säule

Der gewerbliche Wohnbau nimmt weiterhin eine Schlüsselrolle ein. Aktuelle Zahlen zeigen:

  • 27 % entfallen auf gewerbliches Eigentum
  • 16 % auf gewerbliche Mietwohnungen
  • 6 % auf sonstige gewerbliche Segmente

Insgesamt deckt der gewerbliche Sektor damit 49 % des Wohnbaumarktes in Niederösterreich ab.

Für die Branche ist klar: Um den Wohnbau anzukurbeln, braucht es wirtschaftlich tragfähige Projekte, stabile Rahmenbedingungen und mehr Planungssicherheit. Vor allem steigende Kosten und regulatorische Hürden stellen derzeit große Herausforderungen dar.

Gemeinnütziger Wohnbau sichert leistbares Wohnen

Der gemeinnützige Wohnbau in Niederösterreich bleibt der wichtigste Garant für leistbaren Wohnraum:

  • 43 % des Marktes entfallen auf gemeinnützige Mietwohnungen
  • 5 % auf gemeinnütziges Eigentum
  • 3 % auf sonstige Segmente

Damit erreicht der gemeinnützige Bereich insgesamt 51 % Marktanteil und stellt mehr als die Hälfte der Wohnbaupipeline in Niederösterreich. Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten sorgt dieser Sektor für Stabilität, Kontinuität und soziale Ausgewogenheit am Wohnungsmarkt.

Breiter Wohnungsmix trifft Bedarf von Singles bis Familien

Die aktuellen Daten zeigen nicht nur steigende Bautätigkeit, sondern auch eine klare Ausrichtung am tatsächlichen Wohnbedarf:

  • 36 %: 1- bis 2-Zimmer-Wohnungen
  • 38 %: 3-Zimmer-Wohnungen
  • 26 %: 4 oder mehr Zimmer

Die durchschnittliche Wohnnutzfläche beträgt 74,3 m² pro Einheit. Damit entsteht ein ausgewogener Mix für Singles, Paare und Familien.

Gleichzeitig bleibt der Kostendruck hoch: Der durchschnittliche Grundkostenanteil liegt bei 1.083 Euro pro m², was die Bedeutung stabiler Rahmenbedingungen unterstreicht.

Hohe Wohnqualität: Freiflächen und Ausstattung im Fokus

Ein wesentliches Qualitätsmerkmal des Wohnneubaus in Niederösterreich ist die Ausstattung:

  • 99 % der Wohnungen verfügen über Freiflächen
  • Durchschnittlich 11,2 m² Außenfläche pro Einheit

Details der Ausstattung:

  • 47 % Terrassen
  • 45 % Balkone
  • 37 % Gärten
  • 22 % Loggien

Zusätzlich stehen im Schnitt 1,18 Pkw-Stellplätze pro Wohneinheit zur Verfügung. Diese Zahlen zeigen: Wohnqualität und Lebenskomfort sind zentrale Bestandteile moderner Wohnbauprojekte.

Forderung nach Reformen: Wohnbau schneller und einfacher machen

Trotz positiver Entwicklung fordern Branchenvertreter dringende Reformen in der Wohnpolitik. Im Fokus stehen:

  • Schnellere und einfachere Genehmigungsverfahren
  • Weniger Bürokratie und kostentreibende Auflagen
  • Verlässliche Förder- und Finanzierungsmodelle
  • Mehr Planungssicherheit für Bauträger und Investoren

Nur durch verbesserte Rahmenbedingungen kann der Wohnungsneubau in Österreich nachhaltig gesteigert und leistbares Wohnen langfristig gesichert werden.

Starkes Signal: Gemeinnütziger und gewerblicher Sektor ziehen an einem Strang

Erstmals präsentieren der gewerbliche und gemeinnützige Wohnbausektor in Niederösterreich ihre Zahlen gemeinsam – ein klares Zeichen für die enge Verzahnung beider Bereiche.

Die Analyse zeigt deutlich: Nur durch das Zusammenspiel von privaten Bauträgern und gemeinnützigen Bauvereinigungen kann ein vielfältiges, leistbares und bedarfsgerechtes Wohnungsangebot entstehen.

Datengrundlage: Wohnbauprojekte in Niederösterreich

Die Auswertung basiert auf der Studie „Wohnbauprojekte in der Pipeline: Niederösterreich“.

  • Erhebungszeitraum: 2024 bis 2026
  • Erfasste Projekte: rund 460
  • Gesamtvolumen: 12.099 Wohneinheiten