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Greenpeace fordert Stopp beim Schnellstraßenausbau

Eine aktuelle Initiative von Greenpeace Österreich sorgt für neue Diskussionen rund um die Zukunft der Verkehrsinfrastruktur. Kritisiert wird insbesondere das geplante Investitionsvolumen von über zwei Milliarden Euro bis 2030 für Neubauprojekte.

Eine aktuelle Initiative von Greenpeace Österreich, gemeinsam mit Verkehrswissenschaftler Harald Frey (TU Wien) und Umweltökonomin Sigrid Stagl (WU Wien), sorgt für neue Diskussionen rund um die Zukunft der Verkehrsinfrastruktur. Die Organisationen sprechen sich angesichts geplanter Projekte wie dem Ausbau der A9 sowie den Vorarbeiten zum Lobautunnel für einen sofortigen Stopp beim Schnellstraßenausbau aus. Stattdessen solle sich die ASFINAG auf die Sanierung bestehender Straßen konzentrieren und ihre Gewinne verstärkt in den Ausbau des öffentlichen Verkehrs investieren.

Kritisiert wird insbesondere das geplante Investitionsvolumen von über zwei Milliarden Euro bis 2030 für Neubauprojekte. Mehr Straßen würden langfristig zu mehr Verkehr führen und damit sowohl Klimaziele als auch energiepolitische Abhängigkeiten verschärfen, argumentieren die Initiatoren.

Bauwirtschaft warnt vor pauschalem Schnellstraßenausbau-Stopp

Aus Sicht der Bauwirtschaft greift diese Forderung jedoch zu kurz. Infrastrukturprojekte seien langfristig angelegt und müssten sowohl wirtschaftliche als auch gesellschaftliche Anforderungen berücksichtigen. Ein genereller Ausbaustopp könne regionale Entwicklungschancen beeinträchtigen und bestehende Engpässe im hochrangigen Straßennetz weiter verschärfen.

Gerade in einem exportorientierten Land wie Österreich sei eine leistungsfähige Verkehrsinfrastruktur – inklusive Straße – ein zentraler Standortfaktor. Auch die Versorgungssicherheit sowie funktionierende Lieferketten seien maßgeblich von einem gut ausgebauten Straßennetz abhängig.

Sanierung ja – aber nicht ausschließlich

Zwar teilt die Branche die Einschätzung, dass Erhalt und Sanierung bestehender Infrastruktur stärker in den Fokus rücken müssen. Gleichzeitig wird jedoch betont, dass gezielte Neubauprojekte weiterhin notwendig bleiben – etwa zur Entlastung von Ballungsräumen, zur Erhöhung der Verkehrssicherheit oder zur besseren Anbindung strukturschwächerer Regionen.

Finanzierungsfrage bleibt komplex

Die vorgeschlagene Querfinanzierung des öffentlichen Verkehrs durch ASFINAG-Gewinne wird ebenfalls differenziert betrachtet. Während eine stärkere Verzahnung der Verkehrsträger grundsätzlich begrüßt wird, stellt sich die Frage nach der Zweckbindung der Mittel sowie nach der langfristigen Finanzierungsstabilität der Straßeninfrastruktur.

Ganzheitliche Verkehrsstrategie gefordert

Einigkeit besteht hingegen darin, dass es eine integrierte Gesamtstrategie für den Verkehrssektor braucht. Der Ausbau öffentlicher Verkehrsmittel, die Dekarbonisierung des Individualverkehrs sowie eine moderne, resiliente Infrastruktur müssten zusammengedacht werden, anstatt einzelne Verkehrsträger gegeneinander auszuspielen.