Seit 50 Jahren prägt Liebherr den Standort Nenzing und entwickelt von Vorarlberg aus Technologien für Baustellen auf der ganzen Welt.
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50 Jahre Bauinnovation: Jubiläum in Nenzing

Das Liebherr Nenzing Jubiläum markiert fünf Jahrzehnte, in denen sich ein Werk mitten in den Vorarlberger Alpen vom Produktionsstandort für maritime Krane zu einem international bedeutenden Kompetenzzentrum für Baumaschinen, alternative Antriebssysteme und digitale Lösungen entwickelt hat. Zum Jubiläum präsentiert das Unternehmen gleich sechs Produktneuheiten – darunter den ersten vollelektrischen Seilbagger der HS-Serie und einen neuen Mining-Schürfkübelbagger.

Was 1976 mit der Verlagerung der Schiffskran-Produktion von Ehingen nach Nenzing begann, ist heute einer der größten Arbeitgeber Vorarlbergs. Das Liebherr Nenzing Jubiläum fällt in ein wirtschaftlich starkes Jahr: Im Geschäftsjahr 2025 erzielte die Liebherr-Werk Nenzing GmbH mit 746,6 Millionen Euro den höchsten Umsatz ihrer Geschichte – ein Plus von 6,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Über 1.919 Mitarbeitende aus 46 Nationen und 133 Lehrlinge sind am Standort beschäftigt; nahezu 99 Prozent der produzierten Maschinen gehen ins Ausland.

Bereits in den 1970er-Jahren setzte Liebherr mit synchronisierten Kranbewegungen neue Maßstäbe im Schiffskranmarkt. 2007 brachte das Unternehmen als erster Kranhersteller weltweit Kohlefasertechnologie in den Kranbau ein. Mit dem Hybridantrieb Pactronic® und dem weltweit ersten batteriebetriebenen Großdrehbohrgerät LB 16 unplugged trieb Liebherr die Entwicklung emissionsarmer Technologien konsequent voran. 2026 folgte die Auszeichnung mit der EcoVadis-Platinmedaille – die höchste Bewertung im internationalen Nachhaltigkeitsrating, verliehen an die besten ein Prozent aller bewerteten Unternehmen weltweit.

Gefeiert wird das Jubiläum Ende Juni 2026 mit einer ganzen Festwoche in Nenzing: Von Dienstag bis Freitag finden Kundentage mit rund 1.200 Gästen aus der DACH-Region, Europa und Übersee statt. Rund 26.000 Besucherinnen und Besucher werden insgesamt erwartet.

Im Rahmen der Jubiläumswoche präsentiert Liebherr Nenzing sechs Produktneuheiten, die das Portfolio in den Bereichen Rammarbeiten, Seilbagger, Bodenmischverfahren, Mining, Kraneffizienz und digitale Dienste erweitern:

Aufsteckmäkler mit Hydraulikhammer H 10

Mit dem freihängenden Aufsteckmäkler und dem Hydraulikhammer H 10 ermöglicht Liebherr Rammarbeiten auch ohne spezifisches Rammgerät. Das System lässt sich flexibel an vorhandene Krane oder Seilbagger montieren und erweitert damit den Einsatzbereich erheblich: Pfähle können auch in größerer Entfernung oder hinter Hindernissen eingebracht werden – ein Vorteil besonders im Wasser- und Hafenbau. Mit einem Gesamtgewicht von 27 Tonnen wird der Mäkler mitsamt Hammer direkt auf den Pfahl aufgesetzt; die Arbeiten können unmittelbar beginnen. Das System eignet sich für Pfähle bis 30 Tonnen, einem maximalen Durchmesser von 1.220 Millimetern und einer Neigung von bis zu 1:3.

Aufsteckmäkler
Eine flexible Lösung für Rammarbeiten: der Aufsteckmäkler mit Hammer H 10 von Liebherr.

Der Hydraulikhammer H 10 überzeugt mit einem Wirkungsgrad von 95 Prozent – die Schlagenergie wird nahezu vollständig auf den Pfahl übertragen. Hinzu kommt ein lärmreduziertes Design: Vier gleichzeitig betriebene H-10-Hämmer erreichen gemeinsam nur den Schallleistungspegel eines einzelnen konventionellen Hammers ohne Lärmminderung. Für markenfremde Trägergeräte stellt Liebherr eine Stand-alone-Steuerung zur Verfügung. Das Modell ist ab sofort bestellbar.

HS 8100.2 dual power – erster vollelektrischer Seilbagger

Der HS 8100.2 dual power ist der erste vollelektrische Seilbagger aus Nenzing und eines der zentralen Exponate der Jubiläumswoche. Herzstück der Maschine ist eine integrierte Batterie, über die der gesamte Antrieb läuft. Je nach vorhandener Ladeinfrastruktur auf der Baustelle stehen drei Betriebsvarianten zur Wahl: Bei einer Anschlussleistung von 125 A läuft das Gerät vollständig über Baustellenstrom. Bei 32 A oder 64 A liefert ein optionaler, vollständig in die Maschine integrierter Dieselgenerator den restlichen Energiebedarf – daher die Bezeichnung „dual power". Ist keinerlei Ladeinfrastruktur vorhanden, übernimmt der Dieselgenerator den gesamten Antrieb. Zusätzlich kann der Seilbagger dank der Batterie autonom über eine Strecke von rund 400 Metern verfahren sowie auf- und abgebaut werden.

SEilbagger
Ein Allrounder mit flexiblen Antriebsvarianten: der Seilbagger HS 8100.2 dual power

Alle Hauptkomponenten – Fahrwerk, Drehwerk, Einziehwerk und Freifallwinden – sind elektrisch ausgeführt, was den Wartungsaufwand senkt und den Verschleiß reduziert. Im Netz- oder Dual-Power-Betrieb arbeitet das Gerät emissionsfrei und sehr leise – ein relevanter Faktor auf lärmempfindlichen und urbanen Baustellen, wo ruhige Arbeitsbedingungen auch eine sicherheitsrelevante Rolle spielen. Die elektrischen Freifallwinden mit einem Seilzug von je 300 kN ermöglichen Hebelasten bis 100 Tonnen; beim kraftschlüssigen Senken wird Energie zurückgewonnen und in die Batterie eingespeist. Gegenüber der konventionellen Ausführung sinkt der Leistungsbedarf damit um bis zu 30 Prozent.

Fräsmischer LMC 80 für das Bodenmischverfahren

Mit dem Fräsmischer LMC 80 erweitert Liebherr sein Portfolio für den Spezialtiefbau um eine Lösung für das Bodenmischverfahren – ein Verfahren, das gegenüber klassischen Methoden zur Baugrundverbesserung mit weniger Lärm, weniger Vibrationen und ohne Aushubentsorgung auskommt. Vier Fräsräder werden durch ein maximales Drehmoment von zweimal 80 Kilonewtonmeter angetrieben und erreichen je nach Boden bis zu 30 Umdrehungen pro Minute. Als Trägergeräte kommen die Ramm- und Bohrgeräte LRB 23 (Mischelemente bis 36 Meter Tiefe) oder LRB 355 (bis 40 Meter) zum Einsatz. Lamellen mit einem Querschnitt von 2.800 mal 500 bis 1.000 Millimetern sind realisierbar.

FRäsmischer
Der LMD 1200 überzeugt mit einem hohen Maß an Fahrerkomfort und einem flexiblen Mobilitätskonzept.

Der LMC 80 lässt sich um 135 Grad in der Mischachse schwenken, ohne den Mäkler zu bewegen, was die Flexibilität auf beengten Baustellen erhöht. Die Steuerung ist in das bekannte Bedienkonzept des Trägergeräts integriert. Das Positionierungssystem LIPOS erlaubt eine satellitengestützte punktgenaue Ausrichtung im Baufeld; die digitale Plattform MyJobsite erfasst und analysiert Prozess- und Maschinendaten in Echtzeit. Für Kunden, die bereits LRB-Geräte im Einsatz haben, genügt ein Wechsel des Anbaugeräts, um von Bohr- oder Rammarbeiten auf das Fräsmischverfahren umzurüsten.

LMD 1200 – Mining-Schürfkübelbagger

Der LMD 1200 – Liebherr Mining Dragline – ist speziell für anspruchsvolle Rohstoffgewinnungseinsätze im Nass- oder Trockenabbau entwickelt worden. Das variable Auslegersystem lässt sich je nach Einsatzbedingungen flexibel konfigurieren. Die maximale Hubkapazität beträgt 30 Tonnen bei einem Arbeitsradius von 40 Metern; mit einem Schürfkübel bis zu 12,25 Kubikmetern werden Grabteilen bis 25 Meter erreicht. Das Einsatzgewicht von 360 Tonnen und der robuste Stahlbau legen das Gerät auf Dauereinsätze unter extremen Witterungsbedingungen aus.

Teil einer Baumaschine
Der LMD 1200 überzeugt mit einem hohen Maß an Fahrerkomfort und einem flexiblen Mobilitätskonzept.

Liebherr-Doppelhydraulikmotoren passen die Windengeschwindigkeit automatisch an die geforderte Grabkraft an, was eine gleichmäßige Kübelfüllung und kurze Zykluszeiten ermöglicht. Ein integrierter Tank mit 1.000 Litern und ein 8.270-Liter-Zusatztank erlauben einen Dauerbetrieb von bis zu einer Woche ohne Nachtanken. Für die Mobilität innerhalb der Mine ist das Verfahren mit abgesenktem Ausleger möglich; der Auf- und Abbau des gesamten Schürfkübelbaggers ist in weniger als einer Woche abgeschlossen – bei einem Gerät dieser Gewichtsklasse ein erheblicher Logistikvorteil.

Neue Features für LR-Raupenkrane – Sicherheit und Effizienz

Für die LR-Raupenkranreihe (Traglasten 130 bis 400 Tonnen) präsentiert Liebherr zwei neue Funktionserweiterungen. Die Pfahlaufrichtvorrichtung ersetzt das Standard-Seilrollenpaket am Ausleger und ermöglicht es einer einzigen Person, schwere Komponenten bis 90 Tonnen stufenlos von 0 Grad (horizontal) bis 90 Grad (vertikal) zu kippen oder zu drehen – ohne Schrägzüge auf den Ausleger. Zwei Hubwinden wirken dabei auf getrennte Haken, die synchron oder separat gesteuert werden können. Was bisher einen aufwendigen Tandemhub mit zwei Kranen und zwei Bedienerteams erforderte, wird zur Ein-Personen-Routine. Die Pfahlaufrichtvorrichtung lässt sich per Bolzenverbindung auch an ältere LR-Gerätegenerationen montieren.

Baumaschinen am Wasser
Mit dem Vertical Line Finder wird das Pendeln beim Anheben der Last verhindert.
Teil eines Krans
Die Pfahlaufrichtvorrichtung für Hübe von besonders langen Lasten

Die zweite Neuerung betrifft den Hebebetrieb auf schwimmenden Konstruktionen. Beim Drehen des Krans oder beim Anheben und Absetzen von Lasten auf Bargen oder Pontons verändert sich die Krängung der Plattform, was zu Schrägzügen und unkontrolliertem Lastpendeln führen kann. Liebherr hat dafür eine eigene Betriebsart entwickelt: Lastkurven für unterschiedliche Neigungswinkel (0°, 1°, 2°, 3°) werden über die Lastmomentbegrenzung abgesichert; ein Überschreiten des maximalen Auslegerwinkels beim Lastabsetzen wird automatisch verhindert. Das integrierte Assistenzsystem „Vertical Line Finder" fährt den Auslegerkopf automatisch über den Schwerpunkt der Last – Pendelbewegungen und Schrägzüge werden so wirkungsvoll reduziert.

Parts Assistant – KI-gestützte Ersatzteil-App

Der Parts Assistant ist eine neue App, die die Identifikation und Bestellung von Wartungs- und Ersatzteilen für Liebherr-Spezialtiefbaumaschinen, Seilbagger und Raupenkrane bis 400 Tonnen Traglast vereinfacht. Kernfunktion ist eine KI-gestützte Teile-Erkennung: Anwender fotografieren das gesuchte Bauteil, oder sie nutzen die Textsuche in über 100 Sprachen, einen QR-Code-Scan oder die direkte Eingabe einer Artikelnummer. Auch abgenutzte oder beschädigte Typenschilder stellen dabei kein Hindernis dar. Erkannte Teile können anschließend gegen den offiziellen Liebherr-Ersatzteilkatalog abgeglichen werden.

Frau mit device vor Baumaschine
Teile identifizieren über ein Foto ist direkt an der Maschine möglich

Die zweite Hauptfunktion unterstützt die Wartungsplanung: Die App listet auf Basis der tatsächlichen Betriebsstunden die anstehenden Serviceintervalle auf, zeigt alle benötigten Teile, Verbrauchsmaterialien und Flüssigkeiten in optimierter Menge an und befüllt den Warenkorb vorab. Bei Unsicherheit über die korrekte Teileidentifikation können Anwender über die Funktion „Expertenprüfung" direkt beim zuständigen Liebherr-Servicepartner eine Überprüfungsanfrage per Service-Ticket stellen. Der Parts Assistant ist kostenlos im App Store und Google Play sowie als Webversion verfügbar; erforderlich ist ein MyLiebherr-Geschäftskonto.