Österreichische Bautage 2025 Publikum und Podium
© a3BAU/Jürg Christandl

Auf den Bautagen wurde die Zukunft entworfen

Bei den bestens besuchten Österreichischen Bautagen, die von 11. bis 13. November im steirischen Bad Loipersdorf stattfanden, wurde unter den zahlreich erschienenen Vertreterinnen und Vertretern aus der Baubranche genetzwerkt und gemeinsam an der Zukunft gearbeitet. In Keynotes, Workshops, Panel-Talks und Expertentalks wurden Themen wie Digitalisierung und KI, Gebäudetyp E und leistbarer Wohnbau zum Thema gemacht.

Session Innovation - Zwischen Baustelle und Big Data

Mit der Keynote „KI kann nicht warten“ startete der erste Tag der Österreichischen Bautage im Congress Loipersdorf. In einer Panel-Diskussion eröterten Gernot Wagner (Geschäftsführer Porr), Bengt Steinbrecher (Head Holcim Maqer Ventures), Tobias Hofer (nexyo GmbH) und Oliver Lorenz (Geschäftsführer Hilti Österreich) gemeinsam mit Moderator Andreas Hladky die zentrale Herausforderung, vor der die Branche heute steht: Wie können technische Innovationen tatsächlich auf der Baustelle ankommen und Mehrwert schaffen?

Moderator Andreas Hladky eröffnete die Diskussion mit der Feststellung: „Die Realität ist, dass bei den Unternehmern Probleme bestehen, die Datenhaushalte in den Griff zu bekommen, überhaupt Zuständige zu haben, die für Prozesse und deren Digitalisierung zuständig sind. Was ist denn ein guter Einstieg für Unternehmen diese Themen anzugehen?"

Tobias Hofer von nexyo identifizierte ein grundlegendes Problem im Umgang mit Daten: „Uns ist gelehrt worden, dass man mit der DSGVO aufpassen muss. Man darf nichts rausgeben und soll lieber gar nichts machen, weil das nur Probleme macht." Diese Angst müsse überwunden werden, um die innovativen Potenziale der Digitalisierung zu nutzen. Hofer sieht in der gemeinsamen Datennutzung die zentrale Zukunftschance für die österreichische Bauwirtschaft. Statt Daten zu horten, plädiert er für offene, interoperable Datenökosysteme, die besonders für kleine und mittlere Unternehmen entscheidend sein können. Da KMUs sich in der Regel keine eigenen Data Scientists leisten können, ermöglichen gemeinsame Datenplattformen und föderierte Kataloge, dass auch kleinere Player von der innovativen Kraft der Digitalisierung profitieren. Über ein "Konnektorenkonzept" können bestehende Systeme vertragsbasiert verbunden werden, ohne aufwendige Umstellungen.

Gernot Wagner, Geschäftsführer der Porr Bau GmbH vertrat in der Diskussion die kritisch-pragmatische Perspektive der Baustellenrealität. Denn digitale Innovationen erreichen die Menschen auf der Baustelle oft einfach nicht. „Erklär das bitte mal den Leuten, die draußen auf der Baustelle tagtäglich beim Regen, bei Schnee, bei Eis etwas bauen müssen“, fordert er auch diesen Blickwinkel ein. Wagner kritisierte außerdem strukturelle Probleme wie das veraltete Bildungssystem, eineinhalb Jahre dauernde Baubewilligungen und die soziale Schieflage zwischen Homeoffice-Privilegierten und Bauarbeitern. Seine Warnung: Start-ups mit Millionenfinanzierung wollen letztlich Geld verdienen – bezahlen müsse das am Ende die Bauwirtschaft. Innovation ohne disruptiven Ansatz fürs Bauen sei nur eine „nette Randerscheinung“.

Holcim investiert systematisch in Startups, die bereits Venture-Capital-finanziert und damit validiert sind. Der Fokus liegt darauf, junge Unternehmen einzubinden, die ihre Lösungen bereits erfolgreich am Markt erprobt haben, erklärte Bengt Steinbrecher, Head of Holcim Maqer Ventures. Innovation entsteht hier also durch das Fördern, Skalieren und Integrieren externer Technologie-Partner, nicht primär durch interne Entwicklung.

Oliver Lorenz (Hilti Österreich) betonte die Notwendigkeit klarer Strategien professionellen Change Managements. Er präsentierte einen weiteren und gegensätzlichen Ansatz. Hilti setzt konsequent auf skalierbare Standardlösungen, die weltweit ausgerollt und betrieben werden können. Dabei greift das Unternehmen gezielt auf bestehende, etablierte Plattformen und Lösungen zurück. Hinter dieser Strategie steht die Überzeugung, dass globale Standards Effizienz, Zuverlässigkeit und nahtlose Integration ermöglichen.

Im Panel Talk wurde deutlich, wie unterschiedlich die großen Player der Baubranche an das Thema Innovation herangehen. Andreas Hladky schloss die Diskussion mit einer versöhnlichen Note: „Wir haben ein Spektrum von Vision und Realität betrachtet und thematisiert. Wir haben auch einen Blick auf die Strukturprobleme geworfen, die es gibt in Österreich und in Europa, das merkt man ja überall, das ist auch in der Bevölkerung angekommen."

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SAVE THE Date: Die Bautage finden 2026 von 10-12. November im Congress Loipersdorf statt. Hier geht es zur Voranmeldung!

Session Digitalisierung

Impulse für nachhaltiges und leistbares Bauen

Die aktuellen Herausforderungen im Bau- und Immobiliensektor verlangen nach Lösungen, die technische Innovation, ökologische Verantwortung und wirtschaftliche Machbarkeit vereinen. Genau diesen Spannungsbogen spannte am Nachmittag die Session „Digitalisierung“.

Den Anfang machte Peter Hertlein, Head of Digital at Rehau Window Solutions. Ausgangspunkt sind die Anforderungen aus EU-Green-Deal und Kreislaufwirtschaft: Material- und Informationsflüsse sollen zusammengeführt werden, um Recycling transparenter und wirksamer zu machen. Dafür dient „Rehau Window.ID“ als digitale Lösung und Blaupause für den Digitalen Produktpass. Jedes Fenster bekommt schon in der Produktion eine eindeutige digitale ID, in der alle Produktdaten dauerhaft hinterlegt sind. Über die Nutzungsphase hinweg werden Wartungen, Reparaturen und Standortinformationen ergänzt, sodass eine vollständige Lebenszyklus-Historie entsteht. Beim Rückbau ermöglicht diese ID eine klare Bauteil-Identifikation und sortenreine Trennung, was den Anteil hochwertig recycelter Materialien erhöht. Window.ID ist als offenes, stakeholder-übergreifendes Netzwerk gedacht, das Standards etabliert und die Branche digital verknüpft.

Danach zeigte Magdalena Reif, Expertin für Bestandsanalysen im Hochbau (Ishap GmbH) in ihrer Präsentation „Strategie trifft Substanz – Der Weg zur erfolgreichen Sanierung“, warum eine strukturierte Bestands- bzw. Gebäudeanalyse die Basis jeder erfolgreichen Sanierung ist. Ausgangslage ist ein deutlicher Sanierungsstau in Österreich und häufig fehlende Entscheidungsgrundlagen, besonders bei älteren Gebäuden. Als Lösung wird die Gebäudeanalyse als praxisnahes Werkzeug vorgestellt: Sie liefert durch systematische Dokumentation, Datenerhebung und Auswertung eine klare Strategie für weitere Maßnahmen. Damit unterstützt sie Eigentümer und Verantwortliche, Sanierungen gezielt, wirtschaftlich und nachhaltig zu planen und umzusetzen.

Andreas Sedlmayr, Co-Founder & Co-CEO von Instagrid stellte die moderne, tragbare Stromversorgung für Profis vor, die überall dort einspringt, wo kein zuverlässiger Netzanschluss verfügbar ist: leichte, robuste Akku-Powerboxen, die sofort einsatzbereit, leise und lokal emissionsfrei sind und dabei Gewicht sowie Logistikaufwand deutlich reduzieren. Zusätzlich wird der wirtschaftliche Vorteil betont – im Vergleich zu Generatoren können die Gesamtkosten stark sinken und die Investition amortisiert sich rasch. Ergänzt wird das System durch eine App zur Geräteverwaltung und ein erweitertes Portfolio bis hin zu mobilen 400V-Lösungen. Praxisbeispiele (u. a. Seilbahn-Wartung im Hochgebirge) und Referenzen in Österreich unterstreichen den Nutzen und die breite Akzeptanz.

Die Gebäudehülle als zentralen Hebel für die Energiewende und stellte Tobias Weiss, AEE Institut für Nachhaltige Technologien mit „Renvelope“ als österreichisches Leitprojekt für serielle Sanierung vor. Ausgangspunkt ist der Sanierungsstau. Renvelope setzt auf vorgefertigte, multifunktionale Fassadenmodule, die im Werk produziert und rasch vor Ort montiert werden können – inklusive integrierter Haustechnik wie Lüftung, Wärmerückgewinnung und PV-Einbindung. Anhand von Demonstratoren (z. B. Kapfenberg, Landesberufsschule Knittelfeld, Arenberggasse Wien) wurden Prozess, technische Lösungen und minimalinvasive Umsetzung im bewohnten Zustand erklärt. Renvelope setzt auf Dekarbonisierungskonzepte über zentrale Wärmepumpen, Niedertemperatur-Heizen/Kühlen sowie Finanzierungsmodelle im sozialen Wohnbau. Fazit: Serielle Sanierung hat großes Potenzial (ca. 70.000 geeignete Gebäude), braucht aber Standards, Skalierung und Lösungen für Kosten- und Rechtsfragen, um eine neue Sanierungswelle auszulösen.

Abschluss dieser Session und Überleitung zur nächsten bildete die Keynote von Gernot Wagner, Geschäftsführer Porr Bau GmbH, die um die Frage kreiste, wie „leistbares Wohnen“ in Österreich wieder möglich wird. Als Einstieg formulierte er drei Leitfragen: „Kann man Bauen wieder billiger machen?“, „Was sind die Kostentreiber im Wohnbau?“ und „Was brauchen wir dazu?“ Darauf aufbauend zählte Wagner Kostentreiber entlang einer Beispielrechnung auf (u. a. Grundstück, Bau, Planung, Finanzierung, Vertrieb) und stellte den Ansatz eines standardisierten Porr-Wohnsystems vor. Ziel sei ein System, das „Flexibilität zulässt und zugleich günstig ist. Konkret sind dafür standardisierte Wohnungstypen und technische/organisatorische Standards gefordert, um die Bauzeit um bis zu 30 Prozent zu reduzieren.

Zum Schluss nannte Wagner Voraussetzungen, damit leistbarer Wohnraum tatsächlich umgesetzt werden kann – von weniger Stellplatzverpflichtung über Standardstiegenhäuser bis zu schnelleren Bewilligungsverfahren und einer Bewertung nach Lebenszykluskosten. Der Grundtenor: Leistbares Wohnen braucht weniger Komplexität, mehr Standards und digitale, serielle Prozesse.

Session Gebäudetyp E:

Abkehr von Normendiktat mit dem Gebäudetyp E

Auf den Bautagen in Loipersdorf zeigten zwei Keynotes, dass der „Gebäudetyp E“ durch gezielte, intelligente Normabweichungen Baukosten und CO₂ teils deutlich senken kann. Sei es als Lösungsansatz gegen explodierende Baukosten und als Reaktion auf überkomplexe Normen, Potenzial wäre jedenfalls genug vorhanden.

Anton Rieder, stellvertretender Bundesinnungsmeister und Geschäftsführer von Riederbau, kritisierte die starke Normen-Überfrachtung - die Betonbaunorm hatte früher 50 Seiten, heute sind es 1.000“ – und präsentierte Beispiele: Bei Betondecken könne allein durch Erhöhung der zulässigen Rissbreite von 0,3 auf 0,5 Millimeter eine Kosteneinsparung von 11 Prozent und eine CO2-Reduktion von 7 Prozent erreicht werden – ohne funktionale Einbußen. Bei der Heizlastberechnung mit modernen, simulativen Berechnungsmethoden auf Basis digitaler Gebäudemodelle ließen sich 20 Prozent einsparen. Die Initiative Smart Construction Austria habe dafür einen eigenen Baustandard mit 70–80 Abweichungspunkten entwickelt, der bereits fünf bis zehn Prozent Einsparungen liefert.

Gerald Herndlhofer stellte mit „The New 22“ ein deutsches Pilotbürogebäude nach Gebäudetyp-E-Standard vor und verwies auf fragwürdige regionale Normunterschiede (z. B. beim Schallschutz): „Sind wir Österreicher viel lauter als unsere Nachbarn?“

Beide betonen: Gebäudetyp E ist kein Allheilmittel, aber für Wohnbau und Büros sehr vielversprechend; Grenzen sehen sie bei komplexen Bauten wie Spitälern. Insgesamt sollen Erfahrungen aus zahlreichen deutschen Pilotprojekten (Potenzial 20–30 % Einsparung) auch Österreich helfen, Baukosten, Tempo und Klimaziele besser zu vereinen.

Panel Talk

Andreas Hladky eröffnet die Podiumsdiskussion zum „Gebäudetyp E“: Normen schaffen zwar Sicherheit, aber man müsse sich fragen, ob man sich mit ihnen vielleicht auch „verrannt“ oder eingeschränkt habe. Zentral sei daher die Diskussion, ob es statt Normen etwas anderes braucht, etwa mehr Mut im Bauen.

Karl Grün (Austrian Standards International) betonte, dass man zwischen Rechtsnormen, Förderrichtlinien und freiwilligen Standards unterscheiden müsse und sprach bewusst von einem Standardisierungs-Ökosystem. Austrian Standards beobachte die Gebäudetyp-E-Initiative mit großem Interesse und will im Austausch klären, wie man neue Anforderungen sinnvoll unterstützen kann, denn Standards seien kein Selbstzweck, sondern sollen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Mehrwert bringen, so Grün. Gleichzeitig verweist er darauf, dass die Grundproblematik (Überregulierung, Abweichungen ohne Haftungsfallen) in Österreich schon länger bekannt ist und etwa in Initiativen wie „Dialogforum Bau“ mit WKÖ und Gesetzgeber bereits bearbeitet wird – damit Normabweichungen rechtlich sicher möglich sind.

Für Jan Philipp Schifko (KWR Karasek Wietrzyk Rechtsanwälte) ist der deutsche Gebäudetyp-E-Gesetzentwurf nur eine mögliche Lösung, aber kein Allheilmittel. Die Grundidee sei richtig: „Alle Beteiligten – Standardisierung, Bauwirtschaft, Gesetzgeber, Gerichte – müssen ermöglichen, dass man ausgewogen und rechtssicher von Normen abweichen kann.“ Normen seien nicht unantastbar, würden in Österreich aber oft wie „allgemeine Regeln der Technik“ behandelt und damit als Mindeststandard gesehen, was Abweichungen wegen Haftungs- und Prozessrisiken erschwert. Zusätzlich erschweren unterschiedliche Bauordnungen und OIB-Umsetzungen je Bundesland die Praxis. Die Initiative wird grundsätzlich begrüßt und wird schon heute zwischen Unternehmen vertraglich gelebt, problematisch werde es aber im öffentlichen Recht (Baubehörden verlangen Normerfüllung) und besonders beim Verkauf an Endkunden, wo Abweichungen nur eng zulässig sind, hohe Aufklärungspflichten gelten und Streitigkeiten leicht entstehen. Dafür brauche es politische und gesetzgeberische Klarstellungen, um Konflikte zu vermeiden.

Architekt Rainer Wührer, stellvertretender Vorsitzender der Bundessektion der Architekt:innen der Bundeskammer der Ziviltechniker:innen, betonte, dass Kreativität gerade dann nötig und sichtbar sei, wenn man bewusst von Normen abweicht und Dinge wieder hinterfragt. Der Gebäudetyp E habe sein Interesse geweckt, nachdem bayerische Kollegen damit begonnen hatten – auch aus einem Unbehagen über die wachsende, teils erdrückende Menge an Normen und Vorgaben. In Österreich sei das Problem weniger die OIB-Richtlinien selbst (die seien vergleichsweise flexibel), sondern vor allem Haftungsfragen sowie sehr enge Vorgaben bei Förderungen und öffentlichen Bauten wie Schulen oder Kindergärten, die kaum Spielraum lassen. Man brauche nicht immer „5-Sterne-Standards“ für jedes Bedürfnis, sondern unterschiedliche, passendere Lösungen und dafür mehr Freiheit, Kreativität einzusetzen.

Bauherrenvertreter Herwig Pernsteiner, Verbandsvorstand Gemeinnützige Bauvereinigungen (GBV) unterstütze grundsätzlich den Gebäudetyp-E-Ansatz und sieht die Notwendigkeit eines Paradigmenwechsels. Gleichzeitig betonte er als Vertreter einer gemeinnützigen Bauvereinigung die Realität im geförderten Wohnbau: Dort geht es um leistbares Wohnen für Endkunden mit klaren Erwartungen und hohen Transparenz- und Haftungsanforderungen. Während bisherige Gebäudetyp-E-Beispiele eher Prototypen oder B2B-Projekte sind, wird es für Bauträger schwierig, bei „Komfort-Normen“ die letzten Prozent herauszuholen, weil Kunden umfassend aufzuklären sind und die Rechtsprechung normalerweise Normeinhaltung voraussetzt. Gemeinnützige Bauträger stehen zudem unter sehr engen – sie müssen innovativ und effizient bauen, aber gleichzeitig rechtssicher und kundenorientiert liefern.

Abschluss-Keynote Philip Keil: Leadership in Krisenzeiten

Mit der Abschluss-Keynote des ersten Konferenztags setzte Philip Keil, Lufthansa-Pilot und mehrfach ausgezeichneter Keynote Speaker, einen eindrucksvollen Schlusspunkt. Unter dem Leitmotiv „Leadership in Krisenzeiten“ übersetzte er Erfahrungen aus der Luftfahrt in klare Botschaften für Führung und Entscheidungsstärke unter Druck: Wenn Rahmenbedingungen unsicher sind, braucht es Orientierung, Teamvertrauen und die Fähigkeit, auch bei unvollständiger Datenlage handlungsfähig zu bleiben. Keil verband Praxisbeispiele mit pointierten Impulsen so packend, dass trotz fortgeschrittener Uhrzeit und eines intensiven Konferenztags niemand den Saal verließ.

Session Serielles Bauen und Sanieren

Bauen neu denken

Der Bausektor steckt in einer Krise, weil komplexe Genehmigungen, Fachkräftemangel, hohe Zinsen und steigende Baukosten den Wohnbau bremsen. Der zweite Konferenztag stand ganz im Zeichen skalierbarer Lösungen für leistbares und nachhaltiges Bauen und Sanieren.

Den Beginn am zweiten Konferenztag machte Bernd Oswald, VP Business Development Gropyus AG. Der Ansatz von Gropyus ist, schlüsselfertige Holzgebäude aus einer Hand zu liefern und Standardisierung skalierbar zu machen, indem technisch anschlussbereite Gebäudeelemente digital entwickelt und in einem durchgängigen End-to-End-Prozess von Entwurf bis Betrieb verknüpft werden. Das Gebäude entsteht vollständig digital, Echtzeitdaten steuern Planung, Produktion und Montage, eine einheitliche Plattform sorgt für Transparenz und Fehlerreduktion, und in vier Schritten – automatisierte flexible Planung, industrielle Fertigung, präzise Montage bis auf die Baustelle und intelligenter Gebäudebetrieb – werden Zeit-, Kosten- und Nachhaltigkeitsziele gleichzeitig unterstützt.

Die Keynote von Martina Aschauer, Leiterin Elk Tech Refit, positionierte die serielle Sanierung als entscheidenden Hebel für die ESG-Transformation: Dafür brauche es einen Wechsel „von Handwerk zur Produktion“ – also weg von rein individueller Baustellenlösung hin zu industriell vorgefertigten, standardisierten Sanierungsmodulen. Diese sollen digital geplant, in Serie produziert und rasch montiert werden, um Geschwindigkeit, Qualität, Kosten- und CO₂-Effekte gleichzeitig zu verbessern. Insgesamt plädiert Elk dafür, Bestandsgebäude ähnlich effizient wie Neubauten zu transformieren – mit skalierbaren, seriellen Lösungen statt langsamer Einzelsanierungen

Die Präsentation von Herbert Hetzel (Beyond Carbon Energy) zeigte, wie die Energiewende im Gebäudesektor durch lokal erzeugte, weitgehend emissionsfreie Wärme- und Kälteversorgung in Neubau und Bestand beschleunigt werden kann. Beyond Carbon Energy bietet dafür ein Rundum-Modell an: Das Unternehmen übernimmt Engineering, Konzeption, Errichtung und Betrieb regenerativer Anlagen, kann diese auch selbst finanzieren/halten und als Wärme- bzw. Kältelieferant auftreten – mit dem Ziel, Immobilien aufzuwerten, Versorgungssicherheit und Unabhängigkeit zu erhöhen und Energiekosten von Marktschwankungen zu entkoppeln.

Der Vortrag „Tiny Apartments“ präsentiert ein modulares Holzbausystem als schnelle, flächenschonende Antwort auf Wohnungsdruck und Bodenknappheit. Ausgangspunkt sind viele Einpersonenhaushalte und hoher täglicher Flächenverbrauch bzw. Versiegelung, weshalb Nachverdichtung wichtiger wird. Tiny setzt dafür auf aufgeständerte Holzmodule über bestehenden Stellplätzen: Parkplätze bleiben nutzbar, die Fläche wird aufgewertet, und der Eingriff vor Ort ist minimal, weil digital geplant und industriell vorgefertigt wird.

Panel Talk

Kosteneffizienz bauen & verdichten

Bei der Podiumsdiskussion „Leistbares Bauen & Wohnen“ diskutierten Isabella Stickler (Arge Eigenheim/Alpenland), Bernd Oswald (Gropyus), Martina Aschauer (Elk Tech Refit) und Herbert Hetzel (Beyond Carbon Energy) darüber, wie sich Wohnbau trotz steigender Kosten und Klimadruck wieder leistbar organisieren lässt.

Isabella Stickler schilderte die Lage aus Sicht gemeinnütziger Bauträger: Hohe Grundstücks- und Finanzierungskosten, streng ausgelegte Normen sowie enge Förderkorridore reduzierten den Handlungsspielraum – gerade dort, wo dringend neuer und sanierter Wohnraum gebraucht wird. Oswald plädierte dafür, Leistbarkeit über Skalierung zu erreichen: Digitalisierte, serielle Holzbauprozesse und industrielle Vorfertigung verringerten Fehler, beschleunigten Bauzeiten und sorgten für kalkulierbare Preise, ohne Qualität einzubüßen. Aschauer rückte die Sanierung in den Mittelpunkt und argumentierte, dass leistbares Wohnen vor allem im Bestand entschieden werde – mit seriellen, vorgefertigten Sanierungsmodulen, die CO₂-Reduktion, Tempo und Kosten zusammenbringen und langfristig stabile Mieten unterstützen. Hetzel ergänzte die Perspektive um die Betriebskosten und betonte, dass erneuerbare, lokal erzeugte Wärme- und Kälteversorgung zur „zweiten Miete“ werde: Wer den Energiebedarf konsequent dekarbonisiere, mache Wohnen dauerhaft planbarer und unabhängiger von Preissprüngen.

Einig war sich das Podium darin, dass leistbarer Wohnbau nur gelingt, wenn Standards und Förderlogiken stärker an Schutzzielen und realen Nutzerbedürfnissen orientiert werden. Klar wurde auch, dass ohne Kooperation zwischen Bauträgern, Industrie, Energieanbietern und Gesetzgeber Skalierung ausbleiben wird.

Im Dialog

Smart & Green: Warum wir Gebäude heute anders denken müssen

Mit einem neuen, bewusst lockeren Format setzten die Österreichischen Bautage ein frisches Signal: Peter Engert, Geschäftsführer der ÖGNI, und Nina Chen (ehem. Königshofer) von M.o.o.con gingen in einem improvisierten Dialog der Frage nach, warum Gebäude heute „smart & green“ gedacht werden müssen. Ohne klassische Folien und mit viel Spontaneität näherten sie sich dem Thema aus zwei komplementären Perspektiven – Nachhaltigkeitsbewertung und Nutzerorientierung. Im Mittelpunkt stand die These, dass es nicht mehr reicht, Gebäude nur als statische Hülle zu planen. Stattdessen müssten sie als dynamische Systeme verstanden werden, die Ressourcen schonen, sich flexibel an veränderte Anforderungen anpassen und vor allem für Menschen funktionieren.

Abschluss-Keynote

Die Abschluss-Keynote der Österreichischen Bautage hielt Bernhard Müller, Partner PwC Legal Österreich. Unter dem Titel „Als Führungskraft auf Unsicherheiten reagieren – geopolitische Verwerfungen und ihre Auswirkungen auf Österreichs Wirtschaft“ zeigte Müller auf, wie stark Lieferketten, Energiepreise, Investitionsklima und regulatorische Rahmenbedingungen von geopolitischen Entwicklungen geprägt werden – und warum Führungskräfte diese Unsicherheiten nicht nur als Risiko, sondern als strategische Führungsaufgabe begreifen müssen.