Industrielle Transformation als Chance für die Wettbewerbsfähigkeit
Wie die industrielle Transformation zum Wettbewerbsvorteil werden kann, war die zentrale Frage der vierten NEFI-Konferenz. Unter dem Motto „Future Industry – Innovating for Competitiveness“ kamen am 22. und 23. Oktober 2026 Vertreter:innen aus Industrie, Forschung und Politik aus 14 Ländern im MuseumsQuartier Wien zusammen. In 13 thematischen Sessions mit insgesamt rund 80 wissenschaftlichen Beiträgen ging es um konkrete Lösungen für die Umstellung industrieller Prozesse sowie um die technologischen und politischen Voraussetzungen, um den Industriestandort zu stärken.
Bernhard Gahleitner, NEFI-Verbundkoordinator am AIT Austrian Institute of Technology, sieht in der Transformation eine Grundvoraussetzung: „Die industrielle Transformation ist kein Selbstzweck – sie ist Voraussetzung für die Wettbewerbsfähigkeit einer Wirtschaft im Wandel hin zur Klimaneutralität.“ NEFI bündle Wissen und teste Technologien unter Realbedingungen. Der Impact Report solle transparent machen, welchen Beitrag die 55 Projekte des Netzwerks für Klima, Wirtschaft und Resilienz leisten.
Thomas Kienberger, Leiter des Innovationslabors NEFI+ und des Lehrstuhls für Energieverbundtechnik an der Montanuniversität Leoben, betont die Umsetzung in der Praxis. Die Szenarien von NEFI würden den Rahmen für die Transformation bilden – von Elektrifizierung und Effizienz über Flexibilisierung und erneuerbare Gase bis hin zu Carbon Capture, Utilisation and Storage (CCU/S), Kreislaufwirtschaft und industrieller Symbiose. „Unser Anspruch ist klar: Technologien nicht nur entwickeln, sondern in realen Betrieben skalieren und damit messbare Wirkung für Standorte, Wertschöpfung und Klimaschutz erzielen“, so Kienberger.

Internationale Perspektiven auf die Industrie der Zukunft
Keynotes kamen von Stefan Lechtenböhmer (Universität Kassel), Mercedes Maroto-Valer (Heriot-Watt University/IDRIC), Alexander Sauer (Universität Stuttgart/Fraunhofer IPA) und Christian Wallner (KELAG). Sie beleuchteten das Thema aus Sicht von Forschung, Industrie und Energieinfrastruktur.
In der Podiumsdiskussion sprachen Martin Graf (Energie Steiermark), Thomas Kienberger (Montanuniversität Leoben), Stephan Laiminger (INNIO Jenbacher), Judith Neyer (Bundesministerium für Wirtschaft, Energie und Tourismus) und Urban Peyker (Klima- und Energiefonds) über die zentralen Herausforderungen der Transformation.
Industrielle Transformation braucht stabile Rahmenbedingungen
Ein Fazit der Diskussion: Der Umbau zu einer klimafitten Industrie bietet österreichischen Unternehmen die Chance, ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit zu stärken. Voraussetzung dafür sind stabile politische Rahmenbedingungen, gezielte Unterstützung für Forschung und Innovation sowie Demonstrations- und Investitionsprojekte, mit denen neue Technologien in die industrielle Praxis gelangen. Auch Förderinstrumente für die Transformation der Industrie wurden als wichtiger Hebel für die Umsetzung genannt.
NEFI Impact Report: Potenzial für Klimaschutz und Wertschöpfung
Im Rahmen der Konferenz wurde der NEFI Impact Report 2018–2026 präsentiert. Er bilanziert die Aktivitäten des Innovationsnetzwerks: 55 Projekte, 110 Millionen Euro an Fördermitteln und 275 Millionen Euro an damit verbundenen Investitionen. Zudem bewertet er den Beitrag der in NEFI entwickelten Innovationen zu Klimaschutz und Wertschöpfung.
Download Studie: NEFI Impact Report (2018–2026)
Laut der enthaltenen Potenzialanalyse könnten bei einem ambitionierten, aber realistisch erreichbaren Roll-out der entwickelten Lösungen bis 2040 die kumulierten industriellen CO₂-Emissionen um bis zu 53 Prozent sinken, die kumulierten fossilen Energieimporte um bis zu 26 Prozent. Damit verbinden sich Klimaschutz und Versorgungssicherheit mit wirtschaftlichen Effekten für den Standort.
Virtual Industry Lab: Dekarbonisierung mit XR planen
Bereits am Vorabend der Konferenz wurde das NEFI Virtual Industry Lab (VIL) vorgestellt, ein XR-Showroom und digitaler Tool-Hub. Die immersiven XR-Anwendungen für unterschiedliche industrielle Anwendungsfälle wurden maßgeblich vom AIT Austrian Institute of Technology entwickelt. Der Tool-Hub soll Industrieunternehmen dabei unterstützen, nachhaltige Energie- und Ressourcensysteme zu bewerten, zu planen und umzusetzen.
Andreas Kugi (Scientific Director, AIT), Bernhard Gahleitner (Verbundkoordinator NEFI, AIT), Manfred Tscheligi (Leiter des Centers for Technology Experience am AIT) und Johannes Rath (CTO Wienerberger AG) gingen in ihren Beiträgen auf die Rolle von Simulation in industriellen Entscheidungsprozessen ein. Anwendungsbeispiele aus der Ziegelproduktion sowie aus der Pharma- und Papierindustrie zeigten, wie digitale Visualisierungen und Optimierungswerkzeuge bei der Entwicklung technischer und wirtschaftlicher Dekarbonisierungspfade helfen können. Das VIL soll so den Wissenstransfer in die industrielle Praxis stärken.
www.nefi.at/de/nefi-lab/virtual-industry-lab
NEFI Young Scientist Award 2026: zwei erste Plätze
Mit dem NEFI Young Scientist Award wurden wissenschaftliche Arbeiten junger Forscher:innen ausgezeichnet. Aufgrund der Qualität der Einreichungen vergab die Jury zwei erste Plätze und einen dritten Platz:
- 1. Platz: Maria Berchiche, Mines Paris–PSL, Frankreich – „Planning CO2 Infrastructure for Industrial Decarbonisation: A Spatial Approach to Network Deployment Across Europe“
- 1. Platz: Susanne Hochmeister, Montanuniversität Leoben – „Decentralised CO2 Sinks Based on Mineral Carbonation in Austria: Results from the Project DeCarbStore“
- 3. Platz: Michael Schüngel, Universität Kassel, Deutschland – „EU Petrochemical Industry Pathways: Carbon Management and Circular Economy in a Cross-Sectoral Perspective“