Made in Austria 2026: Perspektiven für Österreichs Industrie Präsentation der Studie 2026 v.l.n.r. Sabine Hesse – Fachverband Metalltechnische Industrie Rüdiger Daub – TU München / Fraunhofer IGCV; Keynote Fazel Ansari – TU Wien Sebastian Schlund – Initiator des Events TU Wien / Fraunhofer Austria Theresa Neuhauser – EIT Manufacturing East; Moderation Walter Mayrhofer – FHWien der WKW
© Fraunhofer Austria Research Center/APA-Fotoservice/Arman Rastegar

Industriepanel 2026: Standort Österreich unter Druck

Das Industriepanel 2026 der TU Wien zeigt eine gespaltene Lage: Die Geschäftslage auf dem Weltmarkt hat sich verbessert, die Wettbewerbsfähigkeit der österreichischen Produktionsstandorte wird jedoch so schlecht bewertet wie nie. Drei Viertel der befragten Führungskräfte rechnen innerhalb von zehn Jahren mit einer Deindustrialisierung Österreichs.

Das Industriepanel 2026 zeichnet ein zwiespältiges Bild der produzierenden Wirtschaft in Österreich. Die Unternehmen beurteilen ihre internationale Geschäftslage wieder etwas positiver, die Wettbewerbsfähigkeit ihrer heimischen Produktionsstandorte hingegen so kritisch wie nie zuvor. Die achte Ausgabe der Studie „Made in Austria Industriepanel (MiA): Zukunft Produktionsarbeit Österreich“ präsentierte Studienautor und FHWien-Forschungsleiter Walter Mayrhofer am 19. Oktober 2026 beim MiA-Industrieforum im TUtheSky in Wien. An der Befragung nahmen 106 Führungskräfte aus 101 produzierenden Unternehmen teil. Durchgeführt wird sie von der TU Wien in Kooperation mit Fraunhofer Austria, der FHWien der WKW, EIT Manufacturing East und dem Fachverband der Metalltechnischen Industrie (FMTI).

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Geschäftslage besser, Wettbewerbsfähigkeit auf Tiefstand

55,7 % der Befragten bewerten die Geschäftslage ihres Unternehmens auf dem Weltmarkt als positiv oder sehr positiv. Das sind 5,2 Prozentpunkte mehr als 2025. Die internationale Wettbewerbsfähigkeit ihrer österreichischen Standorte beurteilen dagegen nur 30,7 % positiv – ein neuer Tiefstand. 85 % sehen die Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Standorte in den vergangenen fünf Jahren verschlechtert. 76,3 % erwarten innerhalb der nächsten zehn Jahre eine Deindustrialisierung Österreichs.

„Die Unternehmen zeigen trotz schwieriger Rahmenbedingungen Widerstandskraft. Doch hohe Kosten, geopolitische Unsicherheiten und internationaler Wettbewerbsdruck belasten den Standort. Um industrielle Wertschöpfung in Österreich zu sichern, müssen wir Forschung, Innovation und industrielle Produktion wirksamer verbinden“, fasst Studienautor Sebastian Schlund zusammen. Er leitet den Forschungsbereich Industrial Engineering am Institut für Managementwissenschaften (IMW) der TU Wien und ist Geschäftsführer von Fraunhofer Austria.

Industriepanel 2026: Arbeitsplätze in Österreich unter Druck

Für die kommenden fünf Jahre rechnen 63,8 % der Unternehmen mit weltweit steigenden Beschäftigtenzahlen. Für die heimische Produktion und produktionsnahe Bereiche erwarten hingegen 60,5 % einen Rückgang. Der Anteil der Beschäftigten in Produktion und produktionsnahen Bereichen ist in Österreich auf 45,7 % gesunken – ein möglicher Hinweis auf Produktionsverlagerung.

Ihre Innovationsfähigkeit schätzen die Betriebe dennoch hoch ein: 88,3 % bezeichnen sich als innovativ. „Österreichs Betriebe verfügen über hohe Innovationskraft und Anpassungsfähigkeit. Damit daraus auch künftig hochwertige Arbeitsplätze entstehen, braucht es eine stärkere europäische Zusammenarbeit, die Schlüsseltechnologien gezielt fördert und den Standort Österreich fest in grenzüberschreitende Wertschöpfungsketten einbindet“, sagt Hannes Hunschofsky, Managing Director der EIT Manufacturing East GmbH.

Neue Produkte erreichen Höchstwert

Der Anteil neuer Produkte und Services am Umsatz erreicht mit 28,4 % einen neuen Höchstwert. Um steigende Lohnstückkosten und den Fachkräftemangel abzufedern, setzen die Betriebe verstärkt auf Automatisierung.

Ein weiteres Thema der Befragung war die Kreislaufwirtschaft. Die Umsatzanteile aus entsprechenden Maßnahmen bleiben weitgehend stabil. Ein Viertel der Befragten berichtet jedoch von leicht positiven Auswirkungen auf die Schaffung von Arbeitsplätzen.

„Die Betriebe investieren in Innovation, Automatisierung und KI – das zeigt die Studie deutlich. Damit diese Investitionen und die damit verbundenen Arbeitsplätze in Österreich bleiben, braucht es wettbewerbsfähige Kosten, weniger Bürokratie und eine rasche, KMU-taugliche Umsetzung der Industriestrategie“, sagt Sabine Hesse, Geschäftsführerin des Fachverbands Metalltechnische Industrie.

Roboterdichte und KI-Einsatz steigen

In den befragten Betrieben kommen an österreichischen Standorten durchschnittlich 517 Industrieroboter auf 10.000 Beschäftigte. Das sind mehr als doppelt so viele wie 2020. Erstmals nutzt mit 59,1 % eine Mehrheit der Unternehmen KI-Tools oder maschinelles Lernen in der Produktion oder in produktionsnahen Bereichen, um 10,2 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. Menschliche Arbeit verliert dadurch aus Sicht der Befragten nicht an Gewicht: 96,8 % messen ihr eine große oder sehr große Bedeutung bei.

„Automatisierung und KI sind wichtige Hebel, um Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit zu stärken. Ihr Potenzial entfalten sie aber erst, wenn Unternehmen zugleich in die Qualifizierung ihrer Beschäftigten und in sichere Technologien investieren“, erklärt Walter Mayrhofer von der FHWien der WKW.

Über die Studie

Das „Made in Austria Industriepanel“ erscheint jährlich. Herausgeber ist das Institut für Managementwissenschaften (IMW) der TU Wien in Kooperation mit dem Institute for Digital Transformation and Strategy (IDS) der FHWien der WKW, Fraunhofer Austria, EIT Manufacturing East und dem Fachverband der Metalltechnischen Industrie (FMTI). Ziel ist eine regelmäßige und methodisch fundierte Darstellung des Status quo sowie der Zukunftserwartungen der heimischen Industrie. Im Mittelpunkt stehen Automatisierung, Digitalisierung, Assistenzsysteme und Nachhaltigkeit.

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