ÖNORM B 3692: Von der Kellerabdichtung zur Systemplanung
Die ÖNORM B 3692 steckt in den letzten Zügen der Überarbeitung. Welche Gedanken hinter dem Entwurf stehen, erläuterte Ing. Wolfgang Hubner, Sachverständiger und Leiter des IFB – Institut für Flachdachbau und Bauwerksabdichtung, beim AbendTalk von Büsscher Hoffmann am 1. Oktober 2026 am Campus Gußhaus der TU Wien. Das Publikum bestand aus Planern, Geotechnikern, Tragwerksplanern, Generalunternehmern und Bauwerksabdichtern. Hubner arbeitet in nationalen Normungsgremien mit und stellte bewusst kein technisches Referat vor, sondern die Systematik der Norm. Er wies darauf hin, dass es sich um einen Entwurfsstand handelt. In weiteren Sitzungen können sich Inhalte noch ändern.
Vom Einzelgewerk zur Systemleistung
Schäden entstehen nach Hubners Erfahrung selten in der Fläche, sondern an Schnittstellen, etwa bei Rohrdurchführungen. Die neue Norm beschreibt deshalb nicht mehr nur ein Gewerk, sondern die Abdichtung als Teil des Systems Untergeschoß. Den Begriff Keller verwendet Hubner dafür kaum noch, weil solche Räume heute vollwertig als Wohn- oder Lagerraum genutzt werden und entsprechend hohe Schäden verursachen können. Zudem macht der Druck aus der Praxis sich bemerkbar: Fast jedes Jahr gab es zuletzt in einem anderen Bundesland Hochwasser und Starkregen, weshalb das Oberflächenwasser stärker in die Norm einfließt.

Drei Faktoren bestimmen die Schutzmaßnahme
Die Fassung von 2014 kannte vier Lastfälle: Bodenfeuchte, nicht drückendes Wasser, drückendes Wasser und Radon. Der Entwurf geht weiter und bewertet das Risiko des Bauwerks. Planer müssen drei Punkte klären. Erstens den Lastfall, also ob Grundwasser oder nur Sickerwasser auftritt. Zweitens die Schadensfolgeklasse von 1 bis 3, die sich nach der Nutzung richtet. Als hochwertig gilt etwa ein Pelletslager im Untergeschoß, weil das Material bei Wasserkontakt quillt. Drittens das Oberflächenwasser, das vor allem den Sockel betrifft. Dafür empfiehlt Hubner Simulationen, die zeigen, wie sich Wasser bei einem hundertjährlichen Ereignis anstaut. Neu geregelt wird auch die Beurteilung von bodennahen Fundamentplatten, etwa bei Gebäuden ohne Keller.
Aus diesen Faktoren ergibt sich eine Schutzmaßnahme der Kategorien 0 bis 3b. Die Kategorien 0 und 1 gelten als reiner Feuchteschutz. Eine Abdichtung im Sinne der Norm beginnt erst bei Kategorie 2. Die Kategorien 3a und 3b betreffen drückendes Wasser und unterscheiden sich nach einer Druckhöhe über oder unter 4 Metern.
ÖNORM B 3692 und die Wanne
Für den Alltag ist die Konsequenz groß. Ein übliches Einfamilienhaus fällt in die Schadensfolgeklasse 2. Liegt nicht drückendes Wasser vor, ist nach dem aktuellen Entwurf eine Schutzmaßnahme der Kategorie 2 oder 3 nötig, und das bedeutet eine geschlossene, wannenförmige Abdichtung. Die bisher übliche senkrechte Wandabdichtung mit Drainage wäre damit in genutzten Bereichen ein Auslaufmodell. Zu den Kosten sagte Hubner, dass sich der Unterschied bei genauer Kalkulation relativiert, weil auch eine funktionierende Drainage Geld kostet. Außerdem rückt der Betrieb stärker in den Blick: Inspektion und Wartung werden ein Thema.

Zum Zeitplan sagte Hubner in der Diskussion, dass die Veröffentlichung Anfang bis Mitte 2027 erwartet wird. Voraussetzung ist, dass die öffentliche Stellungnahme keine wesentlichen Punkte ergibt, die eine neue Diskussion auslösen. Bei Detaillösungen, etwa zur Frischbetonverbundabdichtung, werde sich die Norm zurückhalten, weil diese vom jeweiligen System abhängen.
Weiße, Braune und Schwarze Wanne im Überblick
Anschließend sprach Dipl.-Ing. Dr. Hannes Lehner, allgemein beeideter und gerichtlich zertifizierter Sachverständiger für Abdichtungsmaßnahmen, über „Die Wanne wird wichtiger“. Sein Ziel: dichte Gebäude ohne faule Kompromisse. Er unterschied zwischen wasserundurchlässigen und wasserdichten Konstruktionen. Die Weiße Wanne (Richtlinie, Stand Februar 2018) setzt auf den Beton selbst, der Risse haben kann. Lehner sieht sie in der Praxis selten so ausgeführt, wie sie geplant wurde. Die Braune Wanne (Merkblatt, Stand Juli 2019) arbeitet mit Bentonitmatten, die erst in Kombination mit dem Beton abdichten und Gegendruck zum Quellen brauchen. Wasserdicht sind die Schwarze Wanne mit zweilagiger Bitumenabdichtung und die Frischbetonverbundabdichtung. Bei der klassischen Schwarzen Wanne nannte er den Übergang von horizontaler zu vertikaler Abdichtung als kritischen Punkt.

Besonders ausführlich ging Lehner auf die Frischbetonverbundabdichtung ein. Sie ist einlagig, wird lose auf der Sauberkeitsschicht oder an der Schalung verlegt, an den Stößen verschweißt und verbindet sich mit dem Frischbeton. Bei einer Beschädigung bleibt sie hinterlaufsicher. Als Anforderungen nannte er eine Bauteildicke von mindestens 25 cm und eine Rissbreitenbegrenzung auf höchstens 0,3 mm. Sie eignet sich auch bei beengten Platzverhältnissen, da kein Arbeitsraum für eine nachträgliche Wandabdichtung nötig ist. Lehner zeigte Beispiele vom Einfamilienhaus bis zu Großprojekten und erwartet, dass die neue ÖNORM B 3692 ein Kapitel dazu enthält. Details könne er noch nicht nennen, weil die Norm in dieser Form noch nicht vorliege.

Als Produkt für dieses System stellte der Veranstalter Büsscher Hoffmann Büsscher PeriSeal FBV vor. Laut Hersteller besteht die Bahn aus Elastomerbitumen mit Kunststoffvlieseinlage und einer Silikat-Oberflächenbeschichtung, die den dauerhaften Verbund mit dem Frischbeton ermöglicht. Sie ist in den Dicken 3,5 mm und 4,5 mm erhältlich. Als Einsatzgebiete nennt der Hersteller innerstädtische Hochbauten, tiefe Baugruben und Baugruben ohne Arbeitsraum.