Kompakte Fassadenbegrünungs-Module werden Wiens Straßenzüge lebenswerter machen

Kompakte Fassadenbegrünungs-Module

Mo, 05.11.2018

Um Wien noch lebenswerter zu machen und für kommende Hitzesommer zu rüsten, entwickelt die Wiener Umweltschutzabteilung (MA 22) gemeinsam mit einem Forschungs-Team eine unkomplizierte, schnell einsetzbare Begrünungs-Lösung für bestehende Gebäude.

Mehr Grün in der Stadt erhöht Wohlbefinden und Lebensqualität – und wirkt gegen Urbane Hitzeinseln. Der vergangene Rekord-Sommer könnte bald schon zur Regel werden: Laut Klimaprognosen hat Wien künftig mehr sommerliche Hitze zu erwarten – in einzelnen Jahren wird es bis zu 100 Hitzetage mit Temperaturen über 30 °C geben, was einem Plus von 550 % im Vergleich zum Mittelwert der Jahre 1981-2010 entspräche. Bauwerksbegrünungen reduzieren die gefühlte Temperatur bei Hitze um bis zu 13°C.

„Um Wien auf künftige Anforderungen mit mehr Hitzetagen und heißeren Sommern vorzubereiten, setzen wir bereits seit einigen Jahren auf konkrete Maßnahmen zur Begrünung von Gebäuden im innerstädtischen Raum. Dazu zählt nun auch das neue ‚Wiener Grünfassaden-Modul‘. Es wird vor allem in dichtverbauten Gebieten zu einer naturnahen und kühleren Umgebung beitragen“, so Umweltstadträtin Ulli Sima. Die Vorteile von Bauwerksbegrünung sind vielfältig: Neben der Kühlleistung wird beispielsweise Verkehrslärm um bis zu 10 dB reduziert. Ein Quadratmeter Efeu bindet jährlich 1,7 kg Feinstaub. Zudem sorgt eine begrünte Umgebung nachweislich für ein erhöhtes Sicherheitsgefühl, steigert die Aufmerksamkeit, Leistungsfähigkeit und Gesundheit der Menschen. In der Stadt bietet Bauwerksbegrünung außerdem wichtigen Lebensraum für Pflanzen und Tiere.

Pilot-Projekt: Begrünungs-Module für 50 Häuser in Innerfavoriten

Speziell in Erdgeschosszonen dicht verbauter Gebiete wirken straßenseitige Begrünungen positiv auf das Mikroklima. Das interdisziplinäre Team des BMVIT-geförderten Forschungsprojektes „50 grüne Häuser“ entwickelt speziell für diese Anwendung standardisierte Grünfassaden-Module, die einen Innovationssprung in der Begrünung mit Pflanztrögen darstellen. Das Besondere: Jedes Modul ist ein Gesamt-Package, das alle Anforderungen des Gebäudes und des öffentlichen Raumes erfüllt – bei vergleichsweise niedrigen Kosten. Ein einzelnes Basis-Modul sorgt je nach Pflanzenauswahl für ca. acht Quadratmeter Begrünung und wird für unter 2.000 Euro erhältlich sein.

„Die Erkenntnisse aus etwa 100 Interviews mit EigentümerInnen und BewohnerInnen zeigen den hohen Bedarf an Grün in der Stadt, und helfen uns, die Planung, Installation und Pflege so einfach wie möglich zu machen“, erzählt Jürgen Preiss, der bei der Wiener Umweltschutzabteilung für das Projekt zuständig ist. Die zuständigen Stellen des Magistrats sind zudem in die Entwicklung eingebunden, um fachliche Anforderungen einzubringen und den künftigen Genehmigungsprozess transparent und rasch zu gestalten. Berücksichtigt werden vielfältige Anforderungen, wie die Verwendung langlebiger und ökologischer Materialien oder eine passende Dimensionierung, mit der genügend Platz am Gehsteig verbleibt. Auch die standortgerechte Pflanzenauswahl und die Entwicklung geeigneter Pflegekonzepte sind Teil des Projekts.

Online-Registrierung

Die ersten 50 Grünfassaden-Module werden zu Forschungszwecken unentgeltlich an Häuser in Innerfavoriten vergeben: Im Frühjahr 2019 können sich Interessierte im zehnten Bezirk für die Begrünungs-Module bewerben. Bereits jetzt ist eine Online-Registrierung auf 50grünehäuser.at möglich. Anschließend ist ein breiter Roll-Out auf das gesamte Stadtgebiet vorgesehen. Die Module sollen bei einfachen Genehmigungsverfahren von Privaten wie öffentlichen Einrichtungen genutzt werden können. Wiens Straßenzüge können dann deutlich einfacher begrünt werden, als mit den heute zur Verfügung stehenden Methoden.

Namens-Contest

Um künftig erfolgreich die ganze Stadt zu „erobern“, braucht das Wiener Grünfassaden-Modul noch einen passenden Namen – dazu werden die Wienerinnen und Wiener zur Mithilfe aufgerufen: Wie soll das Wiener Grünfassaden-Modul heißen? Bis zum 30. November werden kreative Namensvorschläge gesucht, die Einreichung ist niederschwellig per E-Mail an einreichen@50grünehäuser.at möglich. Alle Einreicher sichern sich die Chance auf attraktive Preise, zur Verfügung gestellt von den Wiener Linien. Wer den siegreichen Namensvorschlag liefert, gewinnt eine Übernachtung mit Bio-Frühstück für zwei Personen im Boutiquehotel Stadthalle. Zur ökologischen Bauweise des Stadthotels mit Null-Energie-Bilanz trägt auch eine Grünfassade bei. Alle Informationen rund um die Teilnahme und das Gewinnspiel finden sich online auf 50grünehäuser.at

Projektbeteiligte 50 grüne Häuser:

  •  tatwort Nachhaltige Projekte GmbH (Konsortialführung)
  •  DIE UMWELTBERATUNG
  •  Innovationslabor Grünstattgrau
  •  MA 22 - Wiener Umweltschutzabteilung
  •  Universität für Bodenkultur, Institut für Ingenieurbiologie und Landschaftsbau (IBLB), Department für Bautechnik und Naturgefahren

Das Projekt wird im Rahmen des Programms „Stadt der Zukunft" realisiert. „Stadt der Zukunft“ ist ein Forschungs- und Technologieprogramm des Bundesministeriums für Verkehr, Innovation und Technologie. Es wird im Auftrag des BMVIT von der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft gemeinsam mit der Austria Wirtschaftsservice Gesellschaft mbH und der Österreichischen Gesellschaft für Umwelt und Technik (ÖGUT) abgewickelt.

50grünehäuser.at

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