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Kreislaufwirtschaft: Bauen ohne Abfall

Alle reden von Kreislaufwirtschaft, aber tatsächlich wird die Welt weiter linearer, wie der aktuelle Circularity Gap Report 2024 zeigt. Dabei wäre viel mehr Kreislaufwirtschaft notwendig, auch oder gerade in der Bauwirtschaft. Aber es gibt Hoffnung: Immer mehr Branchen erkennen die Potenziale, setzen sich mit den Herausforderungen des zirkulären Bauens auseinander und entwickeln innovative Ansätze zur Förderung einer nachhaltigen Bauindustrie.

Die Kreislaufwirtschaft ist ein Wirtschaftssystem, das die Nutzung von Ressourcen optimiert und Abfall und Emissionen minimiert. Die Idee ist, die Bedürfnisse der Menschen zu erfüllen, ohne die ökologischen Grenzen des Planeten zu überschreiten. Mehr zirkuläres und weniger lineares Wirtschaften wäre daher nicht nur wünschenswert, sondern ist eine Voraussetzung für eine nachhaltige Lebens- und Produktionsweise unter Netto-Null-Bedingungen, heißt es im kürzlich erschienenen „Circularity Gap Report 2024“, einer gemeinsamen Publikation des NGO Circle Economy und des Beratungsunternehmens Deloitte.

Doch die Studienautoren stellen fest, dass der Anteil der wiederverwendeten und verwerteten Materialien in der Wirtschaft in den letzten fünf Jahren von 9,1 Prozent auf 7,2 Prozent gesunken ist. Gleichzeitig ist der Gesamtverbrauch von Materialien gestiegen: In den letzten sechs Jahren wurden demnach mehr als eine halbe Billion Tonnen Materialien verbraucht, fast so viel wie im gesamten 20. Jahrhundert. Diese Entwicklung hat negative Auswirkungen auf die Umwelt und die Gesellschaft: Sechs von neun planetaren Grenzen werden dadurch überschritten. Diese Grenzen sind Schwellenwerte, die die Stabilität und Funktions­fähigkeit der Erdsysteme gewährleisten.

Kreislaufwirtschaft rückt in den Fokus

Mit dem Weltrecyclingtag am 18. März rückte wieder das Bewusstsein für nachhaltiges Bauen und die Bedeutung von Kreislaufwirtschaft im Baugewerbe verstärkt in den Fokus. Zirkuläres Bauen zielt darauf ab, Ressourcen zu schonen, den Wert von Produkten, Materialien und Ressourcen möglichst lange zu bewahren, damit ihren Lebenszyklus zu verlängern und Abfälle zu reduzieren. Durch die Wiederverwendung, das Recycling und die Wiederaufbereitung von Materialien wird eine nachhaltigere und umweltfreundlichere Bauweise ermöglicht. In diesem Kontext ist es entscheidend, die Potenziale und Herausforderungen des zirkulären Bauens zu verstehen und innovative Ansätze zur Förderung einer nachhaltigen Bauindustrie zu entwickeln.

Umfasst ist der gesamte Lebenszyklus eines Produkts. Laut einer Studie der EU-Kommission werden dessen Umweltauswirkungen dabei zu rund 80 Prozent durch die Gestaltung bestimmt. Und noch eine interessante Zahl: Unsere Nachbarn haben in einer Studie errechnet, dass sich mit einer Kreislaufwirtschaft bis 2030 jährlich rund zwölf Milliarden Euro zusätzliche Bruttowertschöpfung erzielen und neue Arbeitsplätze schaffen lassen. Der deutsche Bundeskanzler Olaf Scholz betonte bei einem Spitzengespräch der „Allianz für Transformation“ das enorme Potenzial der Circular Economy: „Die Kreislaufwirtschaft bietet die Chance, weniger vom Import wichtiger Rohstoffe abhängig zu werden, indem wir mehr wiederverwerten (…) Unser Ziel ist es, globaler Vorreiter für zirkuläre Technologien und Produkte zu werden, zum Beispiel im Bereich Batterien oder auf dem Bau.“ 

Peter Mösle, Geschäftsführer des Umweltberatungsinstituts EPEA und Partner des auf Bau und Immobilien spezialisierten Beratungsunternehmens Drees & Sommer SE, ergänzte: „Allein die Rohstoffsubstanz der Gebäude summiert sich in Deutschland auf etwa 16 Milliarden Tonnen, das sind über 190 Tonnen pro Person. Eine wahre Schatzkammer an Ressourcen also. Trotzdem landen bei Umbau- oder Abrissarbeiten die Materialien meist in der Müllverbrennung oder auf der Deponie, obwohl sie für neue Bauvorhaben dringend benötigt werden.“

Schatzkammer Gebäudebestand

Im Bestand kommt dabei der von EPEA entwickelte Urban Mining Screener in Verbindung mit dem digitalen Materialkataster „Madaster“ zum Einsatz. Dabei handelt es sich um eine Softwarelösung, die anhand von Gebäudedaten wie beispielsweise Bauort, Baujahr, Gebäudevolumen oder Gebäudetyp deren materielle Zusammensetzung und einzusparende CO2-Emissionen auf Knopfdruck schätzen kann. All diese Bestandsdaten werden anschließend auf Madaster in ein digitales Kataster überführt – eine Art Bauteilkatalog. Das hilft bei der Planung von Rücknahmesystemen der Hersteller, dezentralen Materiallagern und letztendlich auch bei der Konzeption von neuen Bauvorhaben.

In Österreich gibt es die Plattform Madaster seit September 2022. Seither haben sogenannte Kennedy-Partner mit insgesamt 40 Projekten die Cloud-Plattform von Madaster genutzt, um besseren Aufschluss über die Trennbarkeit, das gebundene CO2 und die Toxizität von Baustoffen und ihre Wiederverwertbarkeit zu erlangen. Als Kennedy-Partner werden die ersten maximal 33 Partner von Madaster in jedem Land bezeichnet, die sich eine Zukunft ohne Abfall zur Mission gemacht haben. Als exklusive Partner können Bau- und Immobilienunternehmen die digitale Plattform nutzen, um besseren Aufschluss über die Eigenschaften und Zusammensetzung von Baustoffen und ihre Wiederverwertbarkeit zu erlangen. Mittlerweile konnten AllesWirdGut, IG Immobilien, Tarkett, Vasko+Partner sowie Würth als neue Partner von Madaster gewonnen werden. Mit Wienerberger konnte zu Beginn des Jahres 2024 ein weiterer Kennedy-­Partner begrüßt werden. Die Firmen ATP sustain, Delta, Dietrich Untertrifaller, Drees & Sommer, GF Piping Systems, HNP architects, iC Consulenten, Porr, Value One und Wicona vervollständigen das Partner-Portfolio von Madaster in Österreich. 

Für Wienerberger ist die Kreislaufwirtschaft eine wichtige Säule des konzernweiten Nachhaltigkeitsprogramms. So sind beispielsweise seit dem Jahr 2023 alle neu entwickelten Produkte zu 100 Prozent wiederverwendbar oder recycelbar. „Wir verstehen den Übergang zu einer kreislauforientierten Wirtschaft als eine große Chance – einerseits zur Verringerung der Umweltbelastung und Verbesserung der Versorgungssicherheit bei Rohstoffen, andererseits aber auch als Möglichkeit, unsere Wettbewerbsfähigkeit sowie Innovationskraft zu stärken. Ich bin stolz, dass Wienerberger nun Teil der Madaster-‚Kennedys‘ ist und wir unsere Vorreiterrolle in der Branche stärken, indem wir mit unseren Maßnahmen zu einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft beitragen“, so Johann Marchner, Geschäftsführer von Wienerberger Österreich.

3 Männer mit Auszeichnung
Johann Marchner (GF Wienerberger), Werner Weingraber (Madaster Austria) und Tobias Müller (Leitung Strategische Projekte Wienerberger) freuen sich über Wienerberger als neuen „Kennedy“-Partner von Madaster

Auf der österreichischen Madaster-Plattform werden Daten über alle Materialien und Produkte registriert, die in einem Objekt, z. B. einem Gebäude oder einer Brücke, verbaut wurden. Durch die Erfassung jedes einzelnen Bauteils erhält man unter anderem Informationen über die Trennbarkeit, das gebundene CO2 und die Toxizität von Materialien und Produkten. Außerdem kann festgestellt werden, ob diese wiederverwendet werden können. Als nächste Arbeitsschwerpunkte hat Madaster den Ausbau und die Weiterentwicklung von Funktionen für Umbau und Sanierung, die Ökobilanzierung und Zertifizierung (DGNB Version 23, ÖGNI), den Materialpass, die EU-Taxonomie und CSRD sowie Track & Trace für Hersteller definiert. „Unser Ziel ist klar. Möglichst viele  »

Gebäude auf unsere Plattform zu bringen und mit den Daten und Methoden von Madaster verknüpfen. Damit wird die Basis für die effiziente Umsetzung verschiedener Anwendungsfälle der Kreislaufwirtschaft im Lebenszyklus eines Gebäudes möglich. Sowohl für einzelne Unternehmen als auch in der Zusammenarbeit mit Dritten.“

„Jeder unserer Partner ist ein Vorreiter in der Bau- und Immobilienbranche. Das entgegengebrachte Vertrauen ist unser Auftrag, schon heute die Standards für morgen zu setzen, um den Wandel von einer linearen zu einer zirkulären Wirtschaft zu meistern“, so Werner Weingraber, Geschäftsführer von Madaster Österreich. Ab sofort wird das Madaster-Netzwerk erweitert. Am 11. April erfolgte der Marktlaunch. Weingraber zur Erweiterung: „Ob als NGO, Architekt und Konsulent, Immobilienunternehmen genauso wie Hersteller und Generalunternehmer – sie stehen damit für Erfolgsbeispiele in unterschiedlichen Aspekten der Kreislaufwirtschaft. Diese sollen der gesamten Bau- und Immobilienwirtschaft in Österreich zeigen, dass diese scheinbar so übermächtige Auf­gabe – der Übergang in die Kreislaufwirtschaft – tatsächlich machbar ist. Als Madaster stellen wir eine Plattform zur Verfügung, die es einerseits jedem Akteur ermöglicht, Teilaspekte der Kreislaufwirtschaft zu erfüllen. Als Plattform ermöglichen wir aber zusätzlich die sinnvolle übergreifende Zusammenarbeit und damit die Wirkung über das eigene Unternehmen hinaus und so den Übergang zur Kreislaufwirtschaft insgesamt.“

Digitaler Marktplatz für Sekundär-Rohstoffe

Als Pionier der Kreislaufwirtschaft fördert Secontrade seit sechs Jahren den effizienten Handel mit hochwertigen Sekundär-Rohstoffen in Europa. „Worte allein reichen nicht. Jetzt ist die Zeit zum Handeln gekommen“, betont Brigitte Reich, Geschäftsführerin von Secontrade, angesichts des aktuellen Circularity Gap Reports 2024. Die kreislauforientierte Entwicklung von Gebäuden und die Verlängerung der Nutzungsdauer bestehender Bauten sind entscheidend, um die Lücke in der Kreislaufwirtschaft zu schließen. Diesen Bedarf hat Secontrade erkannt und erweiterte im vergangenen Jahr sein Portfolio um stark nachgefragte Baurestmassen, biogene Reststoffe und Holzabfälle. Reich: „Mit unserem digitalen Marktplatz vermitteln wir Wertstoffe genau dort, wo sie benötigt werden“, so Reich. „Damit sorgen wir für den Handel mit Ressourcen, die bereits am Markt verfügbar sind, und bringen sie in eine höherwertige Verwendung. Das senkt Import­abhängigkeiten und ermöglicht ­enorme Einsparungspotenziale in Hinblick auf Ressourcen, Energie und Transportwege.“ ­Secontrade steht dabei der Industrie und Abfallwirtschaft als Zukunftspartner zur Verfügung, um gemeinsam einen aktiven Beitrag für den Klima- und Umweltschutz zu leisten.

Damit agiert der digitale Marktplatz als Drehscheibe für die stoffliche Verwertung von Bodenaushubmaterial, Bau- und Abbruchabfällen. Das Potenzial ist enorm – aber noch nicht ausgeschöpft, wie Reich betont: „Für die flächendeckende Nutzung hochwertiger Sekundär-Rohstoffe braucht es gesicherte rechtliche Rahmenbedingungen und finanzielle Anreize. Nur so können wir vom Reden ins Tun kommen und neue Lösungsansätze in die Praxis umzusetzen.“

Tirol will zirkulär werden

Im Westen Österreichs formierte sich kürzlich ebenfalls eine Allianz, um dem enormen Ressourcenverbrauch entgegenzutreten. Ende Februar hielten die Egger Group, Hanel Ingenieure und das TIQU - Tiroler Qualitäts­zentrum für Umwelt, Bau und Rohstoffe eine Tagung mit dem Titel „Die Kreislaufwirtschaft erobert die Baustellen“ ab. „Die Welt schaut auf uns und es ist an der Zeit, Verantwortung zu übernehmen. Angesichts dieser Problematiken ist ein Umdenken von zentraler Bedeutung und zwar hin zu zukunftsfähigen Lösungen, die den Grundsätzen der Kreislaufwirtschaft folgen“, ist Carlo Chiavistrelli, Geschäftsführer Hanel Inge­nieure, überzeugt. Dass dieser Weg kein leichter wird, erklärte Dietmar Thomaseth von TIQU: „Funktionieren kann das nur, wenn wir unser Handeln zu Ende denken. Hier tragen wir eine Verantwortung. Nachhaltiges Bauen wird in der ersten Phase in einigen Bereichen erhebliche Mehrkosten verursachen. Aber wenn wir einen echten Wandel wollen, muss es uns das wert sein!“ Bei Egger bildet das Arbeiten in geschlossenen Kreisläufen bereits den Kern des Geschäftsmodells. „Auch deshalb war es uns wichtig, zusammen mit Tiqu und Hanel mit dieser Veranstaltung der Bauwirtschaft auf dem Weg hin zu einer zukunftsfähigen Gestaltung eine Plattform bieten zu können“, so Matthias Danzl, Egger-Werksleiter für Vertrieb.

Von entscheidender Bedeutung für die Erreichung dieser Vorgaben wird ein Wandel des derzeitigen, linearen Wirtschaftsmodells im Bauwesen – Take - Make - Use - Waste – hin zu einer ressourcenschonenden Kreislaufwirtschaft sein, führte Christian Öhler, verantwortlich für die Koordination des Themas „Kreislaufwirtschaft und zirkuläres Bauen“ im Bundesministerium für Klimaschutz aus: „Die österreichische Kreislaufwirtschaftsstrategie, die Ende 2022 vom Ministerrat beschlossen wurde, zeigt im Kapitel ,Bauwirtschaft und Infrastruktur‘ mit Zielen und konkreten Maßnahmen klar auf, in welche Richtung die Transformation hier zukünftig gehen muss und wird.“ Der Bund möchte hier mit ambitionierten Ausschreibungskriterien für den öffentlichen Hoch- und Tiefbau vorangehen.

Zirkuläres Bauen mit Holz

Beim Dialog Holzbau 2024 von proHolz OÖ und Landesinnung Holzbau OÖ in der Kepler Hall der JKU stand das Thema kreislaufgerechtes Bauen mit Holz im Mittelpunkt. Welche Chancen zirkuläres Bauen mit Holz bietet, wurde in einer hochkarätigen Podiumsdiskussion vor mehr als 250 Gäste besprochen. ­Gemeinde-Landesrat Michael Lindner betonte, dass die Schaffung von gesunden Räumen bei Gebäuden für die Kinderbetreuung besonders große Bedeutung hätte. Holz und kreislauffähiges Bauen wäre bei Errichtung von Kindergärten, Krabbelstuben oder Schulen naheliegend. Holzbaumeisterin Viktoria Hurth gab zu bedenken, dass Kreislauffähigkeit in den derzeitigen Regelwerken noch kaum berücksichtigt wird. Für ausführende Unternehmen ist es deshalb schwer, innovative Konzepte am Markt umzusetzen. Der Holzbau könnte aber eine Vorreiterrolle einnehmen. Der hohe Vorfertigungsgrad und die Elementbauweise bieten beste Voraussetzungen, ganze Bauelemente und Bauteile im Sinne einer Kreislaufwirtschaft wiederverwertbar zu gestalten. Als nachwachsendes Material kann Holz nach mehreren Nutzungsphasen am Ende einer langen Lebensdauer wieder Teil des biologischen Kreislaufes werden. Die Kohlenstoffbindung des Holzes bietet einen enormen Mehrwert bei Klimaschutz und CO2-Reduktion. 

Deponieverbot für Baurestmassen

Europaweit liegen die Vorgaben für die Verwertung von Baurestmassen bei 70 Prozent, Österreich liegt weit drüber: Der Österreichische Baustoff-Recycling Verband bestätigt, dass mehr als 90 Prozent aller mineralischer Baurestmassen wie Beton oder Asphalt bereits heute einer Verwertung zugeführt werden. „Österreich liegt im Spitzenfeld Europas, wenn es um die Recycling­quote bei mineralischen Baustoffen geht“, bestätigt Thomas Kasper als Präsident des Europäischen Recycling-Verbandes EQAR.

Mit Jahreswechsel erfolgte ein Anziehen der Regelungen am Bau: Die Deponieverordnung verbietet jedwedes Deponieren von Straßenaufbruch, Beton, Asphalt oder Gleisschotter. Das trifft jeden Bauherrn, da es weder Schwellenwerte noch Ausnahmen für sortenreines Abbruchmaterial gibt. „Wenngleich in den letzten Monaten nur geringe Mengen derartiger Abbruchmaterialien deponiert wurden, ist es die Neuregelung dennoch ein wichtiger  »

Schritt für die Kreislaufwirtschaft am Bau“, so Martin Car, Geschäftsführer des österreichischen Baustoff-Recycling Verbandes.

Jährlich werden zehn Millionen Tonnen produziert und entlasten damit den Rohstoffabbau bzw. die Deponiesituation. Sie können für den Betonbau, für Asphalt aber auch in ungebundener Form für den Straßen- und Wegebau verwendet werden. Durch das Deponieverbot wird die Recyclingquote nochmals angehoben werden, damit wird die 95-Prozent-Schwelle überschritten werden.

Best Practice Recyclingbeton

Wiederverwendung ist auch in der Betonbranche eine wichtige Strategie, um in erster Linie den Materialeinsatz zu verringern. Die österreichische Betonbranche setzt unter anderem auf Recyclingbeton, bei dem statt Primärmaterial rezyklierte Gesteinskörnung zum Einsatz kommt. Aktuelle Projekte aus dem Infrastrukturbereich und dem Hochbau zeigen vor, wie aus Betonabbruch wieder neues, leistungsstarkes Baumaterial wird.

„Beton kann aufgrund seiner Zusammensetzung aus natürlichen Rohstoffen immer wieder rückgebaut, aufbereitet und wieder zu Recyclingbeton verarbeitet werden. Somit lässt er sich ideal im Kreislauf halten“, erklärt Christoph Ressler, Vorstandsmitglied von Beton Dialog Österreich und Geschäftsführer des Güteverbands Transportbeton. „Das zeigt auch die hohe Verwertungsrate unseres Baustoffs. Weniger als ein Prozent des Altbetons wird derzeit deponiert.“ Laut aktuellem Statusbericht zum Bundesabfallwirtschaftsplan (Zahlen aus 2021) wurden von den rund 4,5 Millionen Tonnen Betonabbruch nur 0,4 Prozent deponiert. Fast 100 Prozent wurden somit wiederverwertet.

Die Wiener Linien setzen in verschiedenen Bauprojekten unter- und oberirdisch auf Recyclingbeton. Das Unternehmen testet im U2-Tunnel gemeinsam mit dem Betonhersteller Wopfinger Transportbeton und dem Forschungsinstitut für Konstruktiven Ingenieurbau (IKI) der Universität für Bodenkultur den Einsatz unterschiedlicher rezyklierter Gesteinskörnungen. Auch eine innovative Bewehrung, die weniger Materialeinsatz erfordert, wird bei diesem U-Bahnprojekt erprobt.

Im Oberbau erforschen die Wiener Linien mit Partnern aus Industrie und Forschung Wege für die Wiederverwendung von Betonplatten und Betonrezepturen mit emissionsarmen Zementen. Dabei geht es laut einer Studie der Wiener Linien um große Mengen: Die aktuell 600.000 Gleistragplatten der Wiener Linien bedecken eine Fläche von ungefähr einer Million Quadratmeter und entsprechen einem Gewicht von ca. 375.000 Tonnen. Würden die aktuell eingesetzten Gleistragplatten durch Platten aus Recyclingbeton ausgetauscht, könnte laut der in der Studie zitierten EN 206-Norm der Anteil des rezy­klierten Materials bis zu 50 Prozent betragen.

Dass Recyclingbeton funktioniert, belegen auch zwei Bauprojekte aus Salzburg. Bei der Sanierung und Erweiterung der Volksschule Anif nützte der gemeinnützige Bauträger Salzburg Wohnbau den Altbestand als Rohstofflager. Insgesamt kamen dort laut Bauträger 1.600 Tonnen Recyclingbeton zum Einsatz, rund 32 Prozent des gesamten Ortbetons. Ein Erfolgsrezept, das in Salzburg bereits Schule macht. Beim Ausbau und der Sanierung der Volksschule Adnet werden nach Angaben der Salzburg Wohnbau 1.000 Tonnen Altbeton von der A10 verarbeitet und beim Bau 35 Tonnen CO2 gespart, unter anderem durch den Einsatz von klinker­reduziertem Zement. Das Projekt wird 2025 fertiggestellt.

Der Einsatz von Recyclingbeton in Österreich hängt derzeit noch von Verfügbarkeit und Nachfrage ab. Der jährliche Bedarf an Baurohstoffen wie Sand, Kies, Ton und Natursteinen liegt in Österreich laut Forum mineralische Rohstoffe in der Wirtschaftskammer Österreich bei ca. 100 Millionen Tonnen. Knapp 80 Prozent davon werden in der Bauwirtschaft verwendet. Diese Ressourcen durch Wiederverwendung und Recycling zu schonen, bringt das zirkuläre Bauen voran und hilft dem Klima.

Gipsrecycling: Neue Vorgaben ab 2026

Gips ist ein wichtiger Rohstoff und wird seit Jahrzehnten im Trockenausbau angewendet. Ob Dachausbau, Zwischenwände oder Deckenverkleidung – Gipsplatten finden sich in den meisten Gebäuden. 

Knauf hat bereits eine lange Tradition im Gipsplatten-Recycling. Bereits in den 1990er-Jahren wurde am Standort in Weißenbach eine Recyclinganlage installiert. Ingrid Janker, Geschäftsführerin Knauf Österreich: „Wir haben damals schon begonnen, unseren technologischen Ausschuss wieder in den Produktionsprozess einzubringen.“ Baustoffe haben in Österreich mittlerweile eine Recy­clingquote, die sich über der 90-Prozent-­Marke bewegt. „Was aber weniger bekannt ist, ist der Umstand, dass auch Gipsplatten nicht nur recycelt, sondern im echten Kreislauf gefahren werden können. Das ist ein mechanischer Prozess, bei dem der Gipskern vom Karton getrennt wird. Dieser Gipskern wird danach als Rohstoff wieder der Gipsplatte zugeführt und schont somit die natürlichen Ressourcen. Denn alles, was ich aus einem Rückbau zurückbekomme, brauche ich nicht aus der Natur zu holen“, so Janker.

Durch die Deponieverordnungsnovelle 2021 wurde zur Schaffung einer Kreislaufwirtschaft festgelegt, dass Abfälle, die sich zum Recycling und andere Formen der Verwertung eignen, zukünftig nicht mehr auf Deponien zur Ablagerung angenommen werden. Damit dürfen ab 1. Jänner 2026 Gipsplatten, Gipswandbauplatten, faserverstärkte Gipsplatten (Gipsplatten mit Vlies-Armierung, Gipsfaserplatten) und deren Verschnitte bei Neu-/Umbauten nicht mehr deponiert werden. Ausgenommen davon sind Platten, bei denen im Zuge der Eingangskontrolle in einer Recycling-Anlage für Gipsabfälle nachweislich festgestellt wird, dass sie nicht von ausreichender Qualität sind, um daraus Recycling-Gips herzustellen.

Das Bauunternehmen Porr, der Trockenbauspezialist Saint-Gobain (Marke Rigips) und das Entsorgungsunternehmen Saubermacher gehen mit der ersten Gips-zu-Gips-­Recyclinganlage Österreichs an den Start. Die neue Anlage wird über eine Jahreskapazität von rund 60.000 Tonnen verfügen und ist damit in der Lage, den Bedarf im Osten von Österreich abzudecken. Dies schont nicht nur die nicht unendlich verfügbaren österreichischen Rohstoffvorkommen, sondern auch das begrenzte Deponievolumen. 

3 Männer mit Gipsproben
Josef Pein (ehemaliger Vorstand Porr), Ralf Mittermayr (Saubermacher) und Peter Giffinger (Saint-Gobain Austria) anlässlich der Vorstellung der geplanten Gips-zu-Gips-Recyclinganlage (v. li.)

Für die Realisierung bedarf es einer Investitionssumme von sieben Millionen Euro, aufgeteilt auf die Gips-zu-Gips (GzG)-­Recyclinganlage und die Logistiklösung. Die Inbetriebnahme am Saint-Gobain-Standort in Stockerau ist für Mitte 2025 geplant. „Gips ist endlos wiederverwertbar, aber damit Recy­clinggips wieder in die Produktion von neuen Platten einfließen kann, müssen spezielle Qualitätskriterien erfüllt werden“, erläutert Peter Giffinger, CEO Austria bei Saint-Gobain. Die fachgerechte Vorsortierung auf den Baustellen ist daher wesentlich. Bei der Porr wird gerade erhoben, welcher Grad der Zerkleinerung optimal ist, um eine gute Verarbeitung des Abbruchmaterials in der neuen Anlage zu ermöglichen. „Erfolgreiches Recycling ist nicht nur von der Qualität des Materials abhängig, sondern auch stark von der Menge“, stellt Ralf Mittermayr, CEO bei Saubermacher, klar. Nur wenn genügend Material angeliefert wird, rechnet sich der Aufwand. Saubermacher zählt neben der Porr zu den größten  »

Baustellenentsorgern Österreichs. Das Unternehmen hat über eigene Abfallentsorgungszentren und z. B. die digitale Sammelplattform wastebox direkten Zugang zu den Abfallverursachern, wodurch eine getrennte Erfassung der Gipsabfälle geschult und somit besser umgesetzt werden kann.

KMUs in die Kreislaufwirtschaft einbinden

Aktuell wird im FFG-geförderten Innovationscamp „Kreislaufmanager*in im Bauwesen“ ein Qualifizierungsnetzwerk aufgebaut, um Mitarbeiter von KMU und GU der Baubranche – klassische Bauunternehmen, Ziegelhersteller, Photovoltaikhersteller und -anwender, Betonhersteller, Holzbauunternehmen – forschungsorientiertes Wissen, Fallstudien und konkrete Handlungsempfehlungen für eine kreislauforientierte Zukunft zu vermitteln. Neben dem direkten Einfluss des gewonnenen Wissens auf die Umsetzung im eigenen Unternehmen fördert „Kreislaufmanager*in im Bauwesen“ den Erfahrungsaustausch und die Kooperation aller beteiligten Partner und kann infolgedessen zu weiteren nachhaltigen Kooperationsprojekten führen. Das Projekt startete im September 2022 und läuft noch bis August 2024. Im Basismodul werden ­Kurse zu Themen wie „Klimaresilienz von Gebäuden und Quartieren“, „Bewertungs­modelle der Kreislauffähigkeit von Gebäuden“ oder „Die Digitalisierung im Bauwesen als Basis für den Kreislauf“ behandelt. 

Ressourcenschonung in der Gebäudetechnik

Seit mehr als einem Jahrzehnt schon steht die Verbesserung der Ressourceneffizienz auf der politischen Agenda der EU. 2014 schließlich veröffentlichte die Kommission einen ersten Legislativvorschlag zur Abfallvermeidung und für ein sogenanntes „Paket zur Kreislaufwirtschaft“. Seitdem wurden mehrere Regulatorien verabschiedet – von der Ökodesign-Richtlinie über eine Verpackungsrichtlinie bis hin zu einer eigenen Richtlinie für Kunststoffprodukte.

Bei der nationalen Umsetzung sind die Mitgliedsstaaten nach wie vor säumig. Die Hersteller in der Gebäudetechnik sind da zum Teil schneller und haben begonnen, Produkte wie auch Produktionsverfahren kreislauforientiert umzugestalten – gemäß dem EU-Ziel einer Verdoppelung kreislauforientiert verwendeter Materialien in den kommenden zehn Jahren. Unternehmen hilft dies bei der Erreichung der Ziele und Auflagen zur Reduktion von CO2-Emissionen. Gerade im Gebäudetechnik-Segment nimmt die Zahl entsprechender Produkte zu. 

Auf der zu Jahresbeginn in Wels abgehaltenen Rexel Expo etwa stellte Wago-­Marketingmanager Martin Morpurgo die Green Range vor. Die Green-Range-Verbindungsklemme mit den grünen Hebeln weist dieselben Vorteile und Eigenschaften wie das bewährte Produkt in Orange auf und wird in einer zwei-, drei- und fünfpoligen 4-mm2-Variante angeboten. Eingesetzt wird sie beispielsweise zur Verdrahtung in Abzweigdosen. Hergestellt wird diese Serie 221 aus zum Teil biozirkulären und recycelten Kunststoffen. Der Kunststoff dafür stammt unter anderem aus wiederverwerteten PET-Flaschen sowie aus biobasierten Reststoffen von Industrie und Haushalten. Die CO2-Einsparungen liegen bei bis zu 87 Prozent. Auch die Verpackung besteht aus Graspapier und ist damit noch nachhaltiger als Verpackungen aus herkömmlichem Recyclingpapier. Das Material weist einen Grasfaseranteil von bis zu 30 Prozent und einen Recyclingpapier-Anteil von rund 70 Prozent auf.

Zertifizierte Nachhaltigkeit

Als weltweit erster Hersteller mit für die Kreislaufwirtschaft zertifizierten KNX-Produkten trat Jung in Erscheinung. „Cradle to Cradle Certified“ ist ein internationaler Standard für nachhaltige Produkte. Alle verwendeten Materialien müssen nach Gebrauch entweder in den biologischen Kreislauf zurückgeführt werden oder durch Recycling und Wiederverwendung dauerhaft im technischen Kreislauf verbleiben.

Über 50 Einzelprodukte, vom Wippschalter zum Taster, vom Rahmen bis zum Einsatz, von klassischen Steckdosen bzw. Steckdosen mit USB-Anschluss oder Safety-Plus-Einsatz über Abdeckungen bis hin zu ganzen Modulen erhielten die Zertifizierung. „Eine besondere Herausforderung war dabei die Zertifizierung der kompletten KNX-Tastsensoren mit all ihren kleinteiligen und diffizilen Bauteilen“, so Rainer Breineßl, Geschäftsführer der Euro Unitech GmbH, die die Jung-Range in Österreich vertreibt.

Wasserkreislauf im Badezimmer

In Kürze findet die IFH/Intherm als Fach­messe für Sanitär-, Haus- und Gebäudetechnik statt. Zuletzt wurde in Nürnberg im Rahmen des Trendforums ein nachhaltiges  » Badezimmer („Sustainable Bathroom“) vorgestellt. Dieses zeichnete sich weniger durch stilistische oder räumliche Eigenheiten aus als durch die Verwendung von Technologien und Produkten mit günstiger CO2-Bilanz und ressourcenschonenden Eigenschaften.

Produkte aus Stahl-Emaille oder Sanitär-­Keramik zum Beispiel können zu 100 Prozent über etablierten Prozesse wiederverwertet werden. Hersteller von Duschflächen nehmen ihr Produkt zurück und verwenden es im neuerlichen Herstellungsprozess und auch Handbrausen aus Recyclingmaterial sind bereits marktfähig. Noch in diesem Frühjahr soll die Recycling-Dusche Everstream von Grohe auf den Markt kommen. Das Produkt schafft einen Wasserkreislauf, indem Abwasser im Ablauf gesammelt und hygienisch aufbereitet wird. Dadurch verringert sich der Wasserverbrauch um drei Viertel und der Energiebedarf um zwei Drittel gegenüber einer herkömmlichen Dusche. Die CO2-­Emissionen sinken um bis zu 70 Prozent.

Label für Circular Economy

Quer über alle Produktgruppe hat Siemens kürzlich das nachhaltige Produktlabel EcoTech eingeführt, begonnen wird mit dem Portfolio für Infrastruktur- und Industrie­anwendungen. „Wir möchten, dass in Zukunft die Nachhaltigkeit bei jedem unserer Produkte im Zentrum steht“, erklärt Vorstandsmitglied Judith Wiese. „Mit Siemens EcoTech ebnen wir den Weg für einen neuen Transparenzstandard.“

Siemens verwendet dafür umfangreiche Daten, die in der Umwelt-Produktdeklaration (EPD = Environmental Product Declaration) zur Verfügung gestellt werden. Diese bewertet den Lebenszyklus eines Produkts anhand von drei Dimensionen: nachhaltige Materialien, optimale Nutzung sowie Wertrückgewinnung und Kreislaufwirtschaft. Die zu Grunde liegenden Ökodesign-Kriterien umfassen Aspekte wie die Verwendung kohlenstoff­armer Materialien und nachhaltiger Verpackungen sowie Energieeffizienz, Langlebigkeit und Recyclingfähigkeit. Details dazu finden sich im Produktdatenblatt. Wiese: „Damit bietet Siemens mehr Datentransparenz als jedes andere Unternehmen der Branche.“

Produziert werden die EcoTech-Produkte in Fertigungsstätten, die zu 100 Prozent mit erneuerbarem Strom betrieben werden. Bereits mit EcoTech-Label am Markt eingeführt ist das Schutzschaltgerät Sentron ECPD. Im Vergleich zu herkömmlichen Lösungen reduziert sich der Materialaufwand in der Produktion um 1,53 Kilogramm, die damit verbundenen CO2-Emissionen halbieren sich. Ein weiteres Beispiel für ein EcoTech-Produkt in der ersten Phase des Roll-outs: der Industrie-PC Simatic IPC BX-39, der um 30 Prozent energieeffizienter ist als sein Vorgängerprodukt.

Auch ABB macht sein kreislauforientiertes Sortiment transparent und messbar. Das Label EcoSolutions fußt ebenso auf den EPD-Daten. „Aus dem Portfolio für Schalt- und Steuerungstechnik im Geschäftsbereich Elektrifizierung entfallen mittlerweile 35 Prozent des weltweiten Umsatzes auf Produkte, die sowohl den EPD-Kritieren wie auch den Anforderungen des unternehmenseigenen EcoSolutions-Labels entsprechen“, sagt die Marketing-Verantwortliche Luise Filsinger. Bereits bis 2025 soll der Umsatzanteil der Produkte und Lösungen mit EPD und dem Label auf 80 Prozent ausgeweitet werden.

Schneider auf Fischfang

Zu sehen waren EcoSolutions-Produkte von ABB wie Sicherungsautomaten und Leistungsschalter zuletzt auf der light + building. Schneider Electric hatte überhaupt seinen bewährten CO2-neutralen Messestand nach Frankfurt mitgebracht. Dieser gewann bereits im Vorjahr einen iF Design Award in der Kategorie „Innenarchitektur“. Beim Stand-Design wird umfassend auf nachwachsende Rohstoffe, Recyclingmaterialien und Upcycling gesetzt, wobei jeder dieser Aspekte evaluiert und dokumentiert wird. Das geht bis ins Detail: Statt aus Plastik bestehen die Namensschilder aus Graspapier, für Wände und Infodesks kommen Europaletten zum Einsatz. Möbel werden angemietet, der Bodenbelag ist biologisch abbaubar und Stoffgrafiken bestehen zu 100 Prozent aus recyceltem Polyester auf Basis gebrauchter PET-Flaschen. Um die verbleibenden CO2-Emissionen zu kompensieren, unterstützt das Unternehmen Umweltprojekte über die Organisation myclimate. „Im Sinne einer Impact Company haben wir uns auf sämtlichen Geschäftsebenen bis hin zum Lieferantennetzwerk zu ESG-Kriterien verpflichtet“, erläutert Gerold Göldner, Head of Marketing Sustainability. „Nachhaltigkeit und Klimaschutz sind damit in die gesamte Lösungs- und Produktentwicklung wie auch ins Unternehmen selbst eingeschrieben.“

Recyclingmaterial verwendet Schneider Electric für die Schalter und Steckdosen der in Zusammenarbeit mit Merten entwickelten Serie M-Pure Ocean Plastic. Die zehn Hauptprodukte bestehen anteilig aus recycelten Fischernetzen, alle weiteren Produkte sind ebenfalls aus Recyclingmaterial hergestellt. Auch die ein- und dreipoligen Resi9-Leitungs­schutzschalter bestehen zu mindestens 56 Prozent aus reyceltem Kunststoff.

Batterien im Visier

Inzwischen nimmt Schneider sogar die Batterien aus den Produkten zur unterbrechungsfreien Stromversorgung (USV) zurück. Die Altbatterien werden anschließend an ausgewählte zertifizierte Recycling-Unternehmen verkauft, die das Blei zur Wiederverwertung herauslösen. Nicht zuletzt sind Batterien auch eine Schlüsseltechnologie für die grüne Mobilität der Zukunft. Am 18. Fe­bruar trat die neue Batterien-Verordnung der EU in Kraft, die den gesamten Lebenszyklus von der Produktion bis zur Abfallbehandlung abdeckt. Somit hat auch eine Anpassung der nationalen Vorschriften in den Mitglieds­staaten zu erfolgen. In Österreich sind dafür das Abfallwirtschaftsgesetz und die Abfallbehandlungspflichten-Verordnung zu überarbeiten. Die österreichische Batterien-Verordnung in der derzeitigen Form wird aufgehoben und durch eine neue Begleitregelung zur europäischen Batterien-Verordnung ersetzt.

Ambitioniert sind die Zielvorgaben des europäischen Regelwerks: So soll die Sammelquote für Geräte-Altbatterien von gegenwärtig 45 Prozent auf 63 Prozent bis Ende 2027 bzw. auf 73 Prozent bis Ende 2030 gesteigert werden. Auch Vorgaben zu Effizienz bei der Wiederverwertung wichtiger Rohstoffe wie Kobalt, Blei, Lithium und Nickel werden ab 2025 schrittweise angehoben. „Die neuen Herausforderungen reichen von der transparenten Lieferkette über Mindestanforderungen an die Haltbarkeit und Leistungsfähigkeit von Batterien bis hin zu höheren Sammelzielen bei Altbatterien“, weiß Robert Töscher, Geschäftsführer des Recycling-Unternehmens UFH. Auch ein verpflichtender Rezyklatgehalt bei der Produktion wird festgelegt. „Das wird erhebliche Auswirkungen auf die Industrie und die Entsorgungsbranche haben. Hierzulande sind Anpassungen bei der Sammlung und Entsorgung erforderlich.“

Zumtobels Lichtblick

Erst kürzlich präsentierte Zumtobel die Ergebnisse eines Pilotprojekts zur Kreislaufwirtschaft in der Beleuchtung. Umgesetzt wurde dieses gemeinsam mit dem Handelskonzern Spar und carla Vorarlberg, einem Sozialladen der Caritas. Während der Revitalisierung des Eurospar Lustenau wurden Tecton-Leuchten und -Schienen in enger Kooperation zwischen dem Elektrotechnikbetrieb Klampfer und der carla Vorarlberg demontiert. Die Leuchten waren zwischen vier und elf Jahre im Einsatz. Ziel des Projekts war die Wiederverwendung der Leuchten (Re-Use) sowie die Rückführung der Tragschienen zum Zulieferer (High-­Value Recycling). So können die Rohstoffe ohne Qualitätsverlust in der Produktion der nächsten Leuchtengeneration eingesetzt werden.

Zwei Produktkreisläufe wurden geschaffen: Die Caritas prüfte die demontierten Leuchten auf Funktion und Sicherheit, um sie in den eigenen carla-Räumlichkeiten weiterzuverwenden. Für die Rückführung der Schienenmaterialien des Tecton-Lichtbandsystems wiederum bereitete Zumtobel diese sortenrein auf, um sie für die nächste Leuchten-­Generation wiederzuverwerten. In Zahlen: 431 Tecton-Leuchten wurden schonend demontiert und für eine Wiederverwendung vorbereitet. 449 Meter Schienen wurden ebenso demontiert, sortenrein zerlegt und fürs anschließende Recycling vorbereitet. 576 Kilogramm Stahl wurden getrennt und für die erneute Verwendung in der Produktion zum Stahlzulieferer transportiert. Weiters wurden 72,4 Kilo Kupfer aus dem Schienenmaterial sowie 91 Kilogramm Polypropylen aus der elfpoligen Schienenführung gewonnen. Hochgerechnet bedeutet dies: Würde das Projekt auf alle 220 Eurospar-Filialen in Österreich ausgedehnt werden, könnten in Summe 330 Tonnen CO2 eingespart werden. 

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