Hochbau-Lehrling Angelina Schadler mit rotem Helm und ihr Ausbildner mit weißem Helm auf einem Baugerüst vor einer Betonwand mit Anschlussbewehrung
Angelina Schadler ist Vorarlbergs beste Hochbau-Lehrabsolventin 2026 – hier mit ihrem Ausbildner auf der Baustelle
© Janosch Schallert/solid4

Lehre am Bau: Erste Frau gewinnt Landeswettbewerb im Hochbau

Die Lehre am Bau hat im öffentlichen Diskurs seit Jahren an Ansehen verloren – zu Unrecht, wie das Beispiel von Angelina Schadler zeigt. Die junge Vorarlbergerin hat als erste Frau den Landeslehrlingswettbewerb im Hochbau gewonnen und absolviert bei Tomaselli Gabriel Bau eine Doppellehre zur Hochbauerin und bautechnischen Assistentin.

Der Fachkräftemangel in der Baubranche spitzt sich weiter zu. Das wirksamste Mittel, um qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu gewinnen, ist die eigene Ausbildung. Die Lehre am Bau bietet dafür eine solide Grundlage und eröffnet Karrierewege bis zur Polier- und Bauleiterebene. Das Vorarlberger Bauunternehmen Tomaselli Gabriel Bau bildet seit 1948 Lehrlinge aus und hat auch in diesem Herbst wieder acht neue aufgenommen. 2023 kam mit Angelina Schadler der 300. Lehrling ins Unternehmen.

Als erste Frau an der Spitze

Den Lehrabschluss im Hochbau hat die 21-Jährige bereits in der Tasche. Beim Vorarlberger Landeslehrlingswettbewerb belegte sie den ersten Platz – als erste Frau. Anschließend vertrat sie Vorarlberg beim Bundeslehrlingswettbewerb in Graz. Vorbereitet hatte sie sich im MAZ in Hohenems: Dort trainierte sie Mauerwerks- und Verputzarbeiten und übte, unter Zeitdruck konzentriert zu bleiben.

Seit Herbst absolviert Schadler den zweiten Teil ihrer Doppellehre im Büro des Unternehmens. „Manches, was mir auf der Baustelle unlogisch erschienen ist, wird nun klar und nachvollziehbar. Ich verstehe die Prozesse besser, erfahre mehr über die Kosten und die Lieferzeiten. Das hilft mir sehr und bildet eine wertvolle Grundlage für meine berufliche Zukunft“, sagt sie.

Massenermittlung statt Mauerwerk

Bis Sommer 2027 stehen für die angehende bautechnische Assistentin Massenermittlungen und Abrechnungen auf dem Programm: Wie viel Material wird gebraucht, welche Baustoffe müssen bestellt werden, was kostet das Ganze? Von ihrem Arbeitsplatz im fünften Stock des Bürogebäudes B12 sieht sie mehrere Kräne entlang der Ill, die meisten davon auf Baustellen ihres Arbeitgebers. „Hier kann ich die Abläufe mitgestalten und die Bauleiter unterstützen“, beschreibt sie ihre Aufgaben. Trotzdem gilt: „Mein Herz schlägt für die Baustelle.“

Nächstes Ziel: Polierin

Die Zeit im Büro sieht Schadler als Zwischenstation. „Ich möchte Polierin werden und nach der Lehre in die Bauhandwerkerschule“, sagt sie. Was sie an der Arbeit draußen schätzt, bringt sie so auf den Punkt: „Am liebsten mache ich am Ende des Arbeitstages eine Runde und freue mich darüber, was wir alles geschafft haben.“

Lehre am Bau als Karrierechance

Neben der fachlichen Ausbildung bietet der Walgauer Familienbetrieb seinen Lehrlingen Prämien für gute Leistungen, Ausflüge und Weiterbildungskurse. Über das Netzwerk Smart Construction Austria (SCA) ist zudem ein Lehrlingsaustausch mit anderen Bauunternehmen möglich. Schadler nutzte diese Möglichkeit für einen Aufenthalt bei einem Partnerbetrieb in Wien und lernte dort die Altbausanierung aus erster Hand kennen.

Ihre Berufswahl hat sie nach eigenen Worten nie bereut: „Die Arbeit erfüllt mich. Abends bin ich glücklich und entspannt. Die Leute sind cool, die Stimmung ist familiär, alles ist unkompliziert.“ Geschichten wie diese zeigen, was eine Lehre in der Baubranche leisten kann – für die Jugendlichen ebenso wie für die Betriebe, die ihren Fachkräftebedarf aus den eigenen Reihen decken.