Junge Architektin
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Offener Brief der IG Architektur

Do, 18.06.2020

Bürgermeister Siegfried Nagls Aussage in einem in der Kleinen Zeitung erschienenen Artikel hat bundesweit für erhebliche Irritation gesorgt und eine Diskussion unter den Architekturschaffenden, egal welchen Alters, ausgelöst.

Der offene Brief im Wortlaut:

Sehr geehrter Herr Bürgermeister,
sehr geehrte Damen und Herren der Stadtregierung!

Aufgrund des am 3. Juni 2020 in der Kleinen Zeitung erschienenen Artikels „Nach Nagl-Vorstoß – Mehr Bäume: Wo diese Ideen seit Jahren blockiert werden“ und des darin enthaltenen Zitats des Bürgermeisters, das Grünraumdefizit entlang der Straßen "nicht auf Zuruf von Künstlern, jungen Architekten oder den Grünen mit ihren Grünen Meilen, sondern mit strategischer Planung und professioneller Arbeit" beheben zu wollen, sehen wir uns als IG Architektur in Vertretung unserer Mitglieder und aller in Österreich tätigen Architekturschaffenden veranlasst, gegen diese Diffamierungs- und Abwertungsversuche Stellung zu beziehen.

Diese von einem ranghohen Politiker getätigte Aussage erweckt den Eindruck, als würden junge Architekt*innen nicht professionell arbeiten und zu strategischer Planung nicht fähig sein. Wir werten diese Bemerkung als Rufschädigung einer professionell, unabhängig und verantwortungsvoll agierenden Berufsgruppe, deren Hauptaufgabe es ist, Lebensraum für alle (und nicht für bestimmte politische Gruppierungen) zu planen und dabei Qualität zu garantieren. Sie sensibilisieren die Gesellschaft für Städtebau, Raumordnung und Architektur, für Nachhaltigkeit und für die Berücksichtigung sozialer Bedürfnisse in eben diesem Lebensraum. Architektonisches Schaffen geht über reines Dienstleistungsgewerbe hinaus. Daher ist die öffentliche gesellschaftliche Positionierung immer schon Teil unseres Berufsbildes. Architekt*innen verstehen die Planung und Gestaltung unser aller Umwelt als einen kommunikativen Prozess zwischen Auftraggeber*innen, Architekturschaffenden und allen übrigen Beteiligten.

Wir möchten klarstellen, dass der Expertise, der Arbeit und dem baukulturellen Beitrag der Architekt*innen als staatlich befugte und beeidete Ziviltechniker*innen Respekt und Wertschätzung entgegengebracht werden sollte – gerade von fachfremden Politiker*innen - und nicht das Gegenteil. Zu der angesprochenen Berufsgruppe zählen auch ihre Mitarbeiter*innen, Projektpartner*innen und Subplaner*innen sowie Architekturabsolvent*innen der österreichischen Architekturfakultäten.

Wir erwarten uns eine öffentliche Stellungnahme seitens des Bürgermeisters Siegfried Nagl. Gleichzeitig stehen wir weiterhin gerne für einen offenen und konstruktiven Dialog zum Thema zur Verfügung!

Hochachtungsvoll gezeichnet:

Vorstand der IG Architektur,
der österreichweiten Interessensgemeinschaft von Architekturschaffenden und Impulsplattform für die Auseinandersetzung mit Fragen der Architektur und Architekturpolitik

Dr.in DIin Ida Pirstinger, Graz, Stmk (Vorstandsvorsitzende)
Arch.in Maga Theresa Häfele, Rankweil, Vbg. (Stv. Vorstandsvorsitzende)
Arch. DI Lukas Schumacher, Wien (Kassier)
DI Christof Mathes, Wien (Stv. Kassier)
Arch. DI Wolfgang Timmer, Graz, Stmk (Vorstandsmitglied)
DIin Marie-Theres Okresek, Hinterbrühl, NÖ (Vorstandsmitglied)
Arch. DI Michael Wildmann, Leonding, OÖ (Vorstandsmitglied)
Arch. Stijn Nagels, Salzburg (Vorstandsmitglied)
Arch. DI Thomas Gamsjäger, Wien (Vorstandsmitglied)
Arch. DI Norbert Grabensteiner, Wien (Vorstandsmitglied)
DIin Malgorzata Sommer-Nawara, Wien (Vorstandsmitglied)
Arch. DI Markus Taxer, Wien (Vorstandsmitglied)
Arch.in DIin Martha Wolzt, Wien (Vorstandsmitglied)

 

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