Plattform BIM STANDARDS: Österreichs digitale Baulandkarte wächst
Es wird zunehmend schwierig, den Überblick zu behalten. Wer arbeitet woran? Wo gibt es Überschneidungen, wo Lücken? Genau hier setzt die Plattform BIM STANDARDS an, die unter dem Dach der Österreichischen Bautechnik Vereinigung (ÖBV) aufgebaut wurde. Unter der Adresse ÖBV - Österreichische Bautechnik Vereinigung entsteht eine zentrale Anlaufstelle, die alle relevanten BIM-Aktivitäten in Österreich sichtbar macht – strukturiert, aktuell und für alle Beteiligten zugänglich.
Der Hintergrund: eine Branche sucht Koordination
Die Idee zur Plattform ist keine spontane Erfindung, sondern das Ergebnis eines mehrjährigen Prozesses. Ende 2023 veranstalteten ÖBV und VIBÖ gemeinsam einen Digitalisierungs-Workshop, bei dem rund 90 Prozent der anwesenden Führungskräfte und Experten zum Schluss kamen: Es braucht eine zentrale Stelle zur übergeordneten Koordination sämtlicher Digitalisierungsstandards. Zu viele Ressourcen wurden in parallelen Gremien für dieselben Themen aufgewendet, ohne voneinander zu wissen.
Im April 2025 verabschiedete die Steuerungsgruppe BIM STANDARDS der ÖBV ihr Leitbild. Ihr Selbstverständnis ist dabei klar definiert: Sie arbeitet rein koordinierend, nicht inhaltlich. Die fachliche Arbeit bleibt bei den jeweiligen Institutionen und Arbeitskreisen – die Plattform schafft nur die nötige Transparenz darüber.
„Personalressourcenverschwendungen für das Erarbeiten gleicher Digitalisierungsthemen in unterschiedlichen Institutionen sollen künftig vermieden werden.“
Was die Plattform leistet
Das Herzstück von BIM STANDARDS ist eine strukturierte Aktivitätendatenbank. Jede Organisation, jeder Arbeitskreis und jede Institution, die an BIM-relevanten Themen arbeitet – sei es Normung, Richtlinienentwicklung, Forschung, Leitfäden oder Wissensvermittlung – kann ihre Tätigkeit über ein standardisiertes Formular einreichen.
WELCHE AKTIVITÄTEN KÖNNEN EINGETRAGEN WERDEN?
- Normung und Standardisierung
- Richtlinien und Leitfäden
- Forschungsprojekte und FFG-Vorhaben
- Entwicklung von Tools und digitalen Werkzeugen
- Wissensvermittlung und Aus- / Weiterbildung
- Arbeitskreise und Gremienarbeit
Die eingereichten Daten fließen in eine Plattform der Aktivitäten ein, die monatlich aktualisiert und versioniert wird. Sie folgt einer einheitlichen Datenstruktur und enthält ausschließlich faktenbasierte Informationen – ohne redaktionelle Wertung der eingereichten Inhalte. Damit soll sie als belastbare Grundlage für Auswertungen, strategische Entscheidungen und Empfehlungen dienen.
Qualitätssicherung in zwei Stufen
Damit die Plattform ihren Anspruch auf Verlässlichkeit einlösen kann, durchläuft jede Einreichung vor der Veröffentlichung einen zweistufigen Prüfprozess:
Schritt 1 – Formale Prüfung: Vollständigkeit der Daten, Plausibilität der Angaben, korrekte Zuordnung zu den vorgesehenen Kategorien.
Schritt 2 – Qualitätssicherung: Passt die Meldung zum Zielrahmen der Plattform? Gibt es Überschneidungen oder Redundanzen? Sind ergänzende Hintergrundinformationen hilfreich?
Die eingereichten Inhalte bleiben dabei vollständig in der Verantwortung der einreichenden Organisation – ohne inhaltliche Eingriffe oder Wertung durch die Plattformbetreiber.
Breite institutionelle Unterstützung
Dass die Plattform von Anfang an breit abgestützt ist, zeigt sich am Trägerkreis: Neben der ÖBV selbst unterstützen führende österreichische Institutionen das Vorhaben aktiv: ASI, ÖBV, ÖIAV, ZT-Kammer und VIBÖ.
Dahinter steht die Überzeugung, dass nur eine branchenweite Koordination die Voraussetzungen für eine flächendeckende, effiziente BIM-Umsetzung schaffen kann. Die Steuerungsgruppe setzt sich aus Vertretern öffentlicher Auftraggeber, Ziviltechniker:innen und ausführender Bauunternehmen zusammen – alle zentralen Pfeiler des Bauprozesses sind also eingebunden.
Mitmachen ist erwünscht – aber freiwillig
Die Teilnahme an der Plattform ist nicht verpflichtend. Ausdrücklich erwünscht ist sie dennoch – denn der Nutzen der gemeinsamen Landkarte hängt direkt von ihrer Vollständigkeit ab. Je mehr Organisationen ihre Aktivitäten eintragen, desto genauer wird das Bild der österreichischen BIM-Landschaft, und desto besser können Synergien genutzt und Doppelgleisigkeiten vermieden werden.
Mitglieder von Arbeitskreisen, Institutionen und Organisationen, die im Bereich BIM tätig sind, können ihre Aktivitäten direkt über das Formular auf der Plattform einreichen. Nach der Qualitätsprüfung werden die Inhalte öffentlich auf der Homepage dargestellt.
MEHRWERT FÜR EINREICHENDE ORGANISATIONEN
- Erhöhte Sichtbarkeit der eigenen Arbeit in der Branche
- Frühzeitiges Erkennen von Überschneidungen mit anderen Projekten
- Möglichkeit zur Nutzung von Synergien mit verwandten Initiativen
- Beitrag zu einer zielgerichteten, ressourcenschonenden Standardisierungslandschaft
- Positionierung als aktiver Gestalter der digitalen Bauzukunft Österreichs
Ein wichtiger Schritt für die digitale Bauzukunft
Die Plattform BIM STANDARDS ist kein weiteres Gremium und kein neues Normungsprojekt. Sie ist ein Koordinationswerkzeug – niederschwellig, faktenbasiert und auf die Bedürfnisse einer Branche zugeschnitten, die ihre digitale Transformation effizienter gestalten will. Dass eine solche zentrale Übersicht bislang gefehlt hat, ist eine offene Schwachstelle der österreichischen BIM-Landschaft gewesen. Mit dieser Initiative wird nun gezielt gegengesteuert.
Für die tägliche Praxis bedeutet das: Wer an BIM-relevanten Themen arbeitet, hat ab sofort ein klares Register, in dem er nachschauen kann, wer sonst noch an ähnlichen Fragen arbeitet – und kann entscheiden, ob Kooperation sinnvoll ist. Das ist keine Revolution, aber ein wichtiger, praktikabler Schritt in Richtung einer koordinierten digitalen Bauwirtschaft.