Holtekamp Bridge Waagner Biro
Waagner Biro
Der österreichische Stahlbau-Spezialist Waagner Biro hat eine 600 Meter lange Stahlbrücke verschifft

Stahlbau: Schwer beschäftigt

Es ist schon etwas Außergewöhnliches, wenn eine fast 600 Meter lange Stahlbrücke 3.200 Kilometer von ihrem Aufstellungsort entfernt gefertigt, teilweise zusammengebaut und dann über das offene Meer von der indonesischen Hauptinsel Java zu ihrem Bestimmungsort in Neuguinea transportiert wird.

Die österreichischen Stahlbauer scheinen schwer beschäftigt zu sein, sprechen von Vollauslastung bis ins nächste Jahr hinein. Ein wenig Kopfzerbrechen könnte eventuell die jüngste Stahlpreis-Erhöhung verursachen. Hannes Ch. Steinmann hat vier ganz unterschiedliche Beispiele zusammengestellt:

Es ist schon etwas Außergewöhnliches, wenn eine fast 600 Meter lange Stahlbrücke 3.200 Kilometer von ihrem Aufstellungsort entfernt gefertigt, teilweise zusammengebaut und dann über das offene Meer von der indonesischen Hauptinsel Java zu ihrem Bestimmungsort in Neuguinea transportiert wird. Der österreichische Stahlbau-Spezialist Waagner Biro hat diese Leistung erbracht – und damit ein Jahr Bauzeit eingespart.

Waagner Biro (WB) spricht davon, dass „noch nie zuvor Brückenteile von über 120 Metern und einem Gewicht von 2.000 Tonnen, auf diese Weise vorproduziert und mittels geeigneten Pontons zum Errichtungsort gezogen wurden“. Kreativität, Motivation und Pioniergeist seien der Antrieb des Waagner Biro-Teams, die solche Projekte immer wieder möglich werden lassen, freut sich CEO und -Miteigentümer Thomas Jost über das dieser Tage abgeschlossene Projekt.

Schauplätze dieser logistischen Meisterleistung sind das WB-Werk sowie eine angemietete Werft in Surabaya, der zweitgrößten Stadt Indonesiens auf der Hauptinsel Java und Hauptstadt der Provinz Jawa Timur, wo die Brücke vorgefertigt und teilweise montiert wurde, andererseits Holtekamp in der Stadt Jayapura auf Neuguinea, der Hauptstadt der Provinz Papua. Dort wurde die Brücke dann eingehoben.

Planung, Herstellung, Transport und Montage lagen bei Waagner Biro, abgewickelt von WB Indonesia. Für die fast 600 km lange Holtekamp-Bridge wurden 7.100 Tonnen Stahl verbaut, allein die beiden Brückenbögen wiegen jeweils 2.000 Tonnen. 28 Tage hat die Brücken-Reise über das offene Meer gedauert.

„Einer der größten Aufträge der Firmengeschichte“

Für die Haslinger Stahlbau GmbH in Feldkirchen (Kärnten) war der Bau einer riesigen Windräder-Fabrik im Auftrag der Siemens AG im norddeutschen Cuxhaven mit einem Auftragswert von rund 32 Millionen Euro „einer der größten Stahlbau-Aufträge der 69jährigen Firmengeschichte“, wie Geschäftsführer und Minderheitsgesellschafter Arno Sorger gegenüber a3Bau erklärt.

Die Schwerlasthalle in Cuxhaven, in der in Zukunft Maschinenhäuser (Nacelle) für Offshore-Windturbinen hergestellt und montiert werden, musste unter größtem Zeitdruck über den Winter gebaut werden, was für die bis zu 75 Monteure unter anderem Windgeschwindigkeiten von 100 km und eisige Temperaturen an der Nordsee bedeutete. Den großen Zeitdruck gab es deshalb, weil die Auftragsbücher für die Windturbinen der Generation D7 prall gefüllt sind. Haslinger schaffte den Auftrag in der Rekordzeit von sechs Monaten.

Generalunternehmer war die Arge Heitkamp (D)/Ballast Nedam (NL), die Haslinger mit der Fertigung, Lieferung und Montage der 320 Meter langen, 160 Meter breiten und 45 Meter hohen Halle beauftragt hatte. 14.500 Tonnen wiegt die gesamte Konstruktion, die neben der Tragkonstruktion, die aus Fachwerkstützen mit einem Stückgewicht von bis zu 45 Tonnen und Fachwerken mit einer Spannweite von 40 Meter auch aus 3.500 Tonnen Kranbahnträgern besteht, die ein Stückgewicht bis zu 65 Tonnen haben, eine Spannweite von 30 Meter und eine Höhe von vier Meter. Mehr als 850 Transporte waren notwendig, um die gesamte Konstruktion an die Nordsee zu bringen.

Haslinger zählt nach Eigenangaben „zu den leistungsfähigsten Stahlbauunternehmen Europas, ist in Österreich der größte Inlandfertiger und setzt im Gegensatz zu seinen Mitbewerbern in erster Linie auf die Leistungsfähigkeit heimischer Arbeitskräfte“. Sorger nennt aktuell 464 Mitarbeiter, für 2017 einen Umsatz von 97 Millionen Euro und eine Betriebsleistung von ca. 80 Millionen Euro, fünf Standorte in Österreich, Deutschland und Ungarn und rund 40.000 Tonnen Stahlverbrauch pro Jahr. Haslinger hat übrigens auch den Großen und den Kleinen Konzertsaal in der Hamburger Elbphilharmonie gemacht, sowie die Treppen im Foyer.

Auslastungsmäßig sei das erste Halbjahr sehr gut gewesen, berichtet Sorger „Wir sind derzeit voll ausgelastet und erwarten auch eine ordentliche Betriebsleistung“. Bisher sei es überwiegend möglich gewesen, die Stahlpreiserhöhungen weiterzugeben, „bei weiteren Erhöhungen werden eventuell aber andere Baustoffe gewählt“.

Das Stahl-Bad

Rund 550 Tonnen Stahl sowie rund 13.000 Schrauben verbaut die Unger Stahlbau Ges.m.b.H. (Oberwart) beim neuen Paracelsusbad in Salzburg. Bis Ende September – Montagestart war laut Unger-Bauzeitplan am 7. Juni – entsteht über dem dritten Obergeschoß eine gigantische Stahlkonstruktion, die die Badelandschaft überspannen und die auf ihr liegende Sauna sowie die Gastronomie tragen wird. Dadurch kommen die Badegäste in dem mit 57,159 Millionen Euro von der Stadt Salzburg budgetierten Paracelsusbad in den Genuss einer stützenfreien Badelandschaft und eines Panorama-Rundumblicks. 35 Meter lange Stahlträger machen es möglich.

Eine besondere Herausforderung ist die Logistik, einerseits deshalb, weil es auf der Baustelle so gut wie keinen Lagerplatz gibt, und andererseits deshalb, weil die Stahlträger die Kapazität der drei vorhandenen Kräne nicht übersteigen durfte, denn auch für einen mobilen Schwerlastkran gibt es keinen Platz.

Generalplaner von Salzburgs größtem Bauprojekt sind Berger + Parkkinen Architekten (Wien), die knapp 11.000 m² Bruttogeschoßfläche und eine oberirdische Nutzfläche von 8.874 m² planen konnten und eine bebaute Fläche von 2.120 m² auf einer Grundstücksfläche von 5.072 m² schufen.

Bauherr ist die Stadt Salzburg, die Bauherrenvertretung wird von der Stadt Salzburg Immobilien GmbH wahrgenommen. Das neue Paracelsusbad wird neben dem Kurhaus und von diesem klar getrennt das öffentliche Hallenbad beherbergen, Geschäftsflächen im Sockelgeschoß, eine Saunawelt mit Außenpool und Terrassen sowie einen Gastronomiebereich. Eröffnet werden soll im kommenden Jahr.

Auskragende Stahl-Plattform bei Uni-Bibliothek

Imposant kragt die Stahlplattform der „neuen“ Universitätsbibliothek der Universität Graz rund 20 Meter aus, bei der vor kurzem Dachgleiche gefeiert wurde. „Neu“ deshalb, weil es sich um eine umfassende Sanierung, Modernisierung und Erweiterung des Bestandsgebäudes handelt. Architektonisches Highlight des von Architekt Thomas Pucher geplanten Projektes wird ein Stahl-Glas-Komplex sein, der auf den historischen Lesesaal aus dem 19. Jahrhundert aufgesetzt wird - und eben rund 20 Meter auskragen wird. Die Felder werden bereits betoniert.

60 Meter lang ist diese Schraubkonstruktion und 26 Meter breit, wie Andreas Palm, Co-Geschäftsführer der ausführenden Heidenbauer Industriebau GmbH im a3-Gespräch erläutert. Ca. 350 Tonnen Stahl seien hier verbaut worden, sagt Palm. Wozu noch die Stahl-Unterkonstruktion für das Atriumglasdach mit 32,2 Meter Länge, 10,6 Meter Breite und einem Stahlbedarf von ca. 15 Tonnen kommt, die derzeit produziert wird, sowie eine weitere Stahl-Unterkonstruktion für das Foyer mit 47,5 Meter Länge, 12,3 Meter Breite und 12,0 Meter Bauhöhe. Rund 20 Tonnen Stahl werden dafür verbraucht. Derzeit werden, laut Palm, technische Details geklärt, bzw. läuft die Planung.

Die derzeitige Beschäftigungslage gibt Anlass zur Freude: „Wir haben Vollauslastung, unser Haus ist zum Bersten voll. Wir haben derzeit überdurchschnittlich viele Leasingarbeiter, der Vertrieb arbeitet bereits an der Auslastung 2019“. Eine drei- bis sechsmonatige Vorschau sei normal, aber „seit März wissen wir, was wir im November machen werden“, so Palm.

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