System zur „Seriellen Sanierung“ wurde live auf der Baustelle vorgestellt
In dem von der steirischen Forschungseinrichtung AEE – Institut für nachhaltige Technologien (AEE INTEC) geleiteten Großforschungsprojekt (17 Partner aus Forschung und Bauindustrie) wurden modulare Fassadenelemente in Vorfertigung entwickelt, die neben bautechnischen Strukturen (Tragkonstruktion, Wärmedämmung, Fenster, etc.) auch Komponenten der Gebäudetechnik (z.B. Photovoltaik, Lüftung, Wärmeabgabesystem, Steigstränge) beinhalten. Je nach Bedarf des betreffenden Gebäudes können die benötigten Elemente dabei aus einem Modulsystem ausgewählt und, vergleichbar mit einem großen Puzzle, zusammengefügt werden. Aufgrund des hohen Vorfertigungsgrades bei der „Seriellen Sanierung“ nehmen die Montagearbeiten vor Ort nur wenige Tage in Anspruch und sind aus der Sicht der Gebäudenutzer minimalinvasiv. Das bedeutet keine Aussiedelung von Bewohner*innen, weniger Lärm, weniger Staub, so gut wie keinen Müll auf der Baustelle sowie eine gesichert hohe Ausführungsqualität. Dieses Prinzip wurde im vergangenen Jahr in drei konkreten Umsetzungsprojekten demonstriert.
Beheizung und Kühlung von außen als besondere Innovation
Ein besonders vielversprechender Baustein kommt dabei vom steirischen Unternehmen TOWERN3000, das ein in das Fassadenmodulsystem integrierbares Wärmeabgabesystem für Beheizung und moderate Kühlung entwickelt hat. Das Wärmeabgabesystem wird in Serie im Werk an das Fassadenelement montiert und im Montageverfahren vor Ort automatisch an die Bestandswand gepresst. Die dahinterliegenden Räume werden somit also von außen über die Bestandswand beheizt und im Sommerbetrieb von außen moderat gekühlt. Die flächige Anordnung des Abgabesystems erlaubt ähnlich wie bei einer Wandheizung geringe Vorlauftemperaturen und hohen Nutzungskomfort. Zusätzlich überzeugt das System durch die einfache Anordnung der notwendigen Rohrleitungen, die Nutzung der Außenwände als thermischer Speicher und aufgrund der geringen Vorlauftemperaturen eine effiziente Umstellung auf ein Heiz- und Kühlsystem basierend auf erneuerbaren Energien. Mit CEPA® schafft TOWERN3000 eine bislang fehlende Lösung für die Umstellung bestehender Hochtemperatursysteme auf effiziente Niedertemperatursysteme, während gleichzeitig die Grundlage für Heizen und Kühlen über ein System geschaffen wird.
Aktuelle Umsetzung in einem Studentenwohnheim in Graz
Umgesetzt wird das hochinnovative Prinzip der seriellen Sanierung inkl. der Beheizung/Kühlung von außen aktuell am Studentenwohnheim in der Grüne Gasse in Graz. Das 1972 als sechsgeschossiges errichtete Gebäude gehört mit seinen 34 Studentenwohnungen zum Immobilienportfolio der Rottenmanner Siedlungsgenossenschaft. Im Zuge der aktuell laufenden Erneuerung der Gebäudehülle und der Gebäudetechnik werden insgesamt 84 vorgefertigte Vorhangmodule in 14 Werktagen montiert. Diese Module wurden in den letzten Wochen im Werk des beauftragten Holzverarbeitungsunternehmens vorgefertigt und dabei mit 14 cm Wärmedämmung plus ca. 10 cm Ausgleichsdämmung ausgestattet. Neben der Seriellen Sanierung der Fassaden erfolgt die Dämmung der Kellerdecke sowie die Umstellung der Wärmeversorgung von dezentralen elektrischen Nachtspeicheröfen. Zusätzlich wird im Zuge der Sanierung am Dach des Gebäudes eine Photovoltaikanlage mit 24 kWp installiert. Insgesamt konnte durch die umgesetzten Maßnahmen der Wärmebedarf um 50 % reduziert werden.
Landeshauptmann-Stellvertreterin Manula Khom sowie Landesrätin Simone Schmiedtbauer machten sich persönlich ein Bild vom Prinzip der seriellen Sanierung, von der Innovation des Unternehmens TOWERN3000 sowie deren Umsetzung im Sanierungsprojekt in der Grüne Gasse.
Landeshauptmann-Stellvertreterin Manuela Khom: „Dieses Projekt zeigt beispielhaft, wie zukunftsweisende steirische Entwicklungen unseren Wirtschaftsstandort stärken. Die serielle Sanierung bündelt Forschung, heimische Produktion und Handwerk zu einer marktfähigen Lösung. Das bedeutet: Arbeitsplätze für die Steierinnen und Steirer, Wertschöpfung in unserer Region und die Chance, Innovation ,made in Styria‘ zu exportieren und international bekannt zu machen. Ein Musterbeispiel dafür, wie regionale steirische Innovation internationale Wirkung entfalten kann.“
Wohnbaulandesrätin Simone Schmiedtbauer: „Innovationen wie diese sind entscheidend, um unsere Wohngebäude fit für die Zukunft zu machen. Gebäude mit einer guten Isolierung und einer effizienten Heizung helfen uns dabei, nachhaltiger zu werden und bei den Heizkosten bares Geld zu sparen. Gerade die Verbindung aus Energieeffizienz, sozialer Verträglichkeit und schneller Umsetzung macht diese „Serielle Sanierung“ so attraktiv. Ich bin stolz darauf, dass wir solche großartigen Innovationen ‚Made in Styria‘ mit Mitteln aus dem Wohnbauressort unterstützen. Damit leisten wir einen Beitrag zu einer energieeffizienteren und nachhaltigeren Steiermark “