Robert Schmid und Josef Muchitsch wiesen in einer gemeinsamen Pressekonferenz auf die Bedeutung der thermischen Sanierung hin
© Gewerkschaft Bau-Holz

Thermische Sanierung schützt vor Hitze und sichert Arbeitsplätze

Thermische Sanierung ist für die Gewerkschaft Bau-Holz (GBH) und die Stein- und keramische Industrie der wirksamste Schutz vor extremer Hitze: Eine gut gedämmte Gebäudehülle hält im Sommer die Hitze draußen und im Winter die Wärme im Gebäude, senkt dauerhaft den Energieverbrauch und sichert gleichzeitig heimische Arbeitsplätze.

Angesichts mehrerer Hitzewellen 2026 fordern die Gewerkschaft Bau-Holz (GBH) und die Stein- und keramische Industrie einen rascheren Kurswechsel bei der Gebäudesanierung. Für beide Organisationen ist klar: Thermische Sanierung ist der wirksamste Schutz vor extremer Hitze, weil sie direkt bei der Gebäudehülle ansetzt. Eine gut gedämmte Fassade hält im Sommer die Hitze draußen und im Winter die Wärme im Gebäude, senkt dauerhaft den Energieverbrauch und entlastet damit Haushalte spürbar.

Thermische Sanierung im Praxistest: Was die Messdaten zeigen

Wie groß der Unterschied tatsächlich ist, belegen aktuelle Messungen im VIVA Forschungspark, einem der größten Versuchsgelände Europas für vergleichende Baustoffforschung. Bei einer Außentemperatur von 37,4 Grad blieb es in einem gut gedämmten Haus mit 24,5 Grad Raumtemperatur knapp fünf Grad kühler als in einem baugleichen, ungedämmten Gebäude mit 29,5 Grad. Auch im Winter zeigt sich der Effekt: Bei einem simulierten mehrtägigen Heizausfall sank die Temperatur in einem ungedämmten Haus auf rund 10 Grad, während sie in einem vergleichbaren gedämmten Gebäude selbst nach zwei Tagen noch bei erträglichen 17 Grad lag. Ein ungedämmtes Haus erhitzt sich im Sommer stark, kühlt im Winter rasch aus und benötigt für ein angenehmes Raumklima rund zweieinhalb Mal so viel Energie wie ein gedämmtes.

Mehr zu den Messungen im Viva Forschungspark lesen

Sanierungsrate sinkt, Beschäftigung gerät unter Druck

Die Sanierungsrate ist in Österreich 2024 auf 0,9 Prozent gesunken, der Dämmstoffmarkt ist seit 2021 um rund 30 Prozent eingebrochen. Für die GBH sind das alarmierende Entwicklungen, denn jede nicht durchgeführte Sanierung bedeutet weniger Aufträge für heimische Betriebe und weniger Beschäftigung in der Branche.

Was thermische Sanierung den Menschen konkret bringt

Was auf den ersten Blick nach einer technischen Debatte klingt, wirkt sich direkt auf den Alltag aus:

  • Dauerhaft niedrigere Energiekosten
  • Kühlere Wohnungen im Sommer, ohne zusätzliche Klimaanlage
  • Mehr Sicherheit bei Blackouts sowie Kälte- und Hitzeperioden
  • Gesündere Raumluft durch stabilere Wandoberflächentemperaturen und geringeres Schimmelrisiko
  • Stabilere Betriebskosten für Mieter:innen
  • Sichere, regionale Arbeitsplätze statt Wertschöpfung im Ausland

Gebäudehülle vor Technik: Die Forderungen von GBH und Stein- und keramischer Industrie

GBH und Stein- und keramische Industrie warnen davor, bei Klimaanlagen denselben Fehler zu wiederholen wie beim Heizkesseltausch: Neue Heiz- oder Kühltechnik kann ihre volle Wirkung nur entfalten, wenn auch die Gebäudehülle stimmt. Die Organisationen fordern daher nachhaltige Investitionen in die thermische Sanierung, insbesondere bei Mehrparteienhäusern und leistbaren Wohnungen, Förderungen für Heizungs- oder Klimaanlagen künftig nur in Kombination mit Maßnahmen zur Verbesserung der Gebäudehülle sowie eine gezielte Ausbildung von Fachkräften für die notwendige Sanierungsoffensive.

GBH-Vorsitzender Josef Muchitsch betont: „Die Hitzewellen werden häufiger und stärker. Thermische Sanierungen schützen Menschen vor Hitze im Sommer und vor Kälte im Winter. Gleichzeitig sichern sie Arbeitsplätze und stärken unsere heimischen Betriebe. Wir dürfen bei den Klimaanlagen nicht denselben Fehler machen wie beim Heizkesseltausch. Jeder Euro, der heute in die thermische Sanierung investiert wird, schützt Menschen, sichert gute Arbeitsplätze und stärkt unsere heimischen Betriebe.“

Robert Schmid von der Stein- und keramischen Industrie ergänzt: „Die Lösung gegen zunehmende Hitze liegt nicht in einem höheren Energieverbrauch, sondern in intelligenten Gebäuden. Die günstigste und nachhaltigste Energie ist jene, die gar nicht erst verbraucht werden muss. Die Technologien sind vorhanden. Jetzt braucht es den politischen Willen, die thermische Sanierung deutlich zu beschleunigen.“

Initiative Dämmen statt Verheizen

Mit der Anfang Juni gestarteten Initiative „Dämmen statt Verheizen" setzen 15 Verbände ein deutliches Signal: Wer nur Heizungen tauscht, ohne die Gebäudehülle zu dämmen, verschwendet Energie, Geld und öffentliche Fördermittel. Jetzt fordern sie Maßnahmen, die sich rechnen – für Wirtschaft, Mieter und Klimaschutz.

Mehr lesen