Beim sogenannten bidirektionalen Laden fließt Strom in beide Richtungen: Das Elektroauto lädt, und bei Bedarf gibt es Energie zurück ins Gebäude oder ins Netz
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Batteriespeicher gegen negative Strompreise

Batteriespeicher sind als Ergänzung zur erneuerbaren Eigenerzeugung inzwischen fast Standard: Kaum eine Photovoltaikanlage wird noch ohne einen verkauft. In Einfamilienhäusern ermöglichen sie bereits heute Eigenverbrauchs- und Autarkiequoten von 60 bis 80 Prozent. Gleichzeitig verändert der Markt für stationäre und gewerbliche Speicherlösungen sein Gesicht – getrieben von negativen Strompreisen, neuen Fördermodellen und technologischen Innovationen aus Österreich.

Das Elektroauto als mobiler Batteriespeicher für Haushalte und Betriebe rückt näher, braucht aber noch Zeit. „Derzeit fehlt es an den Wechselrichtern, die es als Verbindungsglied zwischen Haus und Fahrzeug braucht", erklärt Albert Zarfl, Leiter des Kompetenzzentrums Erneuerbare Energien beim Großhändler Sonepar. „Es handelt sich um ein Standardisierungsthema." Beim sogenannten bidirektionalen Laden fließt Strom in beide Richtungen: Das Elektroauto lädt, und bei Bedarf gibt es Energie zurück ins Gebäude oder ins Netz. Im Kompetenzzentrum in Klagenfurt – ausgestattet mit 160-kW-Photovoltaikanlage, 215-kWh-Batteriespeicher und 180-kW-Ladeinfrastruktur – wird das Zusammenspiel solcher Systeme im Echtbetrieb erprobt.

Batteriespeicher richtig dimensionieren

Bis mobile Speicher marktreif sind, dominieren stationäre Lösungen. Dabei lohnt sich ein genauer Blick auf die Dimensionierung: Das im FFG-Projekt iLESS entwickelte Berechnungstool von Fraunhofer Austria zeigt, dass die häufig empfohlenen 10-kWh-Varianten für einen typischen Haushalt mit Wärmepumpe in der Regel überdimensioniert sind.

Für eine sinnvolle Auslegung werden Lastprofile aus Smart-Meter-Daten herangezogen. „Im Rahmen der Simulation wird dann festgestellt, wie sich der Ladezustand der Batterie entwickelt", erläutert Fraunhofer-Projektleiter Marco Hudelist. Wer ein Angebot einholt, hat die meisten benötigten Daten meist schon zur Hand: PV- und Batterieeffizienz, Preis je Kilowattstunde, Installationskosten, Strompreis und Einspeisetarif.

Förderungen und negative Strompreise

Batteriespeicher wirken nicht nur im einzelnen Haushalt – sie können auch netzdienlich eingesetzt werden. Energie Burgenland hat eine Förderung von 500 Euro für neue Speicher und Speichererweiterungen eingeführt. Grund: Überschüssiger PV-Strom wird direkt an der Strombörse verkauft, die Erlöse sinken, und negative Preise werden häufiger. Am 26. April 2026 wurde ein negativer Preis von minus 480 Euro pro Megawattstunde gehandelt. Im Jahr 2025 erzielte Burgenland Energie an der Börse durchschnittlich 4 Cent je Kilowattstunde, zahlte aber 9 Cent Vergütung.

Als Alternative bietet das Unternehmen an, Strom direkt über die Energiegemeinschaft „Fanclub Burgenland Energieunabhängig" zu einem Fixpreis von 7 Cent – garantiert für 20 Jahre – an Haushalte und Betriebe im Bundesland zu verkaufen.

Brandsicherer Batteriespeicher aus der Steiermark

Ein mediales Thema im Umfeld von Energiespeichern ist die Brandgefahr. Das Grazer Unternehmen Accupower will dieses Risiko mit dem Natec.Home-Heimspeicher minimieren: Das Gerät basiert auf Natrium-Ionen-Technologie, kommt ohne Kobalt oder Lithium aus und soll laut Herstellerangaben um bis zu 90 Prozent nachhaltiger als Lithium-Ionen-Akkus sein. Die Nennkapazität beträgt 7,7 kWh, bis zu 15 Einheiten können zusammengeschlossen werden.

Die angegebene Lebensdauer liegt bei 20 bis 25 Jahren – bis zu dreimal länger als bei Lithium-Ionen-Speichern. Selbst nach 20 Jahren sollen die Akkus noch mindestens 80 Prozent Restleistung haben. Besonders hervorzuheben ist die Temperaturstabilität: Bei Minusgraden erreicht das System 90 Prozent Leistung, während herkömmliche Heimspeicher auf 30 Prozent fallen.

Portable Batteriespeicher mit Industriezellen

Auf der Messe ees Europe in München stellte Deyle Technik einen Heimspeicher mit Lithium-Eisenphosphat-Zellen (LFP 314) vor, der über mehr als 11.000 Ladezyklen erreicht. Jedes Modul wiegt unter 27 Kilogramm – das Plug&Play-System lässt sich innen wie außen installieren. Bis zu vier 3-kWh-Batteriemodule können kombiniert werden, jedes Modul verfügt über einen eigenen DC/DC-Wandler und ist nachträglich erweiterbar.

Gewerbe-Batteriespeicher als Energiemanagement-Instrument

Den stärksten Wachstumstrend verzeichnen Gewerbe- und Industriespeicher. Mario Haidecker, Niederlassungsleiter von Krannich Solar Österreich, beobachtet: „Kein Produktsegment war auf der Intersolar so präsent wie Speicherlösungen für gewerbliche und industrielle Anwendungen." Moderne Gewerbespeicher übernehmen weit mehr als Zwischenspeicherung: Sie kappen Lastspitzen, stützen das Netz und nutzen dynamische Strompreise – ein wesentlicher Kostenfaktor für produzierende Betriebe und Landwirtschaft.

Krannich Solar setzt auf die Huawei-Luna2000-Serie mit bis zu 241 kWh Kapazität. Ein oberösterreichisches Referenzprojekt zeigt das Potenzial: Ein regionaler Wasserkraftbetreiber nutzt die Speicher, um Energieüberschüsse zu puffern statt die Erzeugung zu Spitzenzeiten zu drosseln.

Fronius wiederum setzt in der Landwirtschaft auf die Reserva-Produktfamilie. Das Modell Reserva Pro ist von 12 bis 128 kWh skalierbar, notstromfähig und schwarzstartfähig. In Pilotprojekten können Landwirte damit ihren gesamten Sommerbedarf aus eigener Erzeugung decken – auch in den Morgen- und Abendstunden.

Neue Abrechnungsmodelle und deutsches Solarspitzengesetz

Ab 2027 könnten in Österreich leistungsbezogene Abrechnungsmodelle für Strom eingeführt werden – Details stehen noch aus. In Deutschland ist seit Februar 2025 das Solarspitzengesetz in Kraft: Bei negativen Börsenpreisen entfällt die Einspeisevergütung für neue PV-Anlagen. Neue Anlagen ab 7 kWp müssen mit Smart-Meter-Gateway ausgestattet werden. Anlagen bis 25 kWp dürfen maximal 60 Prozent ihrer Leistung einspeisen. Für Betreiber in beiden Ländern steigen damit die Anreize für Batteriespeicher und intelligentes Energiemanagement.