anotHERVIEWture Award 2026: Vier Preisträgerinnen für Baukultur
Der anotHERVIEWture Award 2026 macht die Arbeit von Architektinnen und Zivilingenieurinnen sichtbar. Ausgelobt wird der Frauenpreis für Baukultur von der Bundeskammer der Ziviltechniker:innen. Heuer nahmen 126 Architektinnen und Zivilingenieurinnen aus 24 Ländern teil, insgesamt wurden mehr als 300 Projekte eingereicht – ein Höchstwert seit Bestehen des Preises. Neben den vier Gewinnerinnen würdigte die Jury auch die Finalistinnen jeder Kategorie.
Female Architect of the Year: Anja Innauer
In der Kategorie I für österreichische Architektinnen gingen 34 Einreichungen ein. Gewonnen hat die Vorarlberger Architektin Anja Innauer mit drei Projekten, die alle im Bestand arbeiten: dem Badehaus des Hotels Hirschen in Schwarzenberg, der neuen Bürowelt für Haberkorn und der Sanierung eines Bürgerhauses in Dornbirn. Die Jury hebt hervor, dass Innauers Architektur „nicht die große Geste“ suche, sondern ihre Stärke aus Kontext, Materialität und der Frage nach langfristig gut funktionierenden Räumen entwickle. Finalistinnen waren Hemma Fasch mit drei Schulbauten sowie das österreichisch-schweizerische Büro Illiz Architektur (Sabrina Mehlan, Petra Meng, Stefanie Wögrath) mit zwei Hallenbädern und einer Sportanlage.
Emerging Female Architect: Nina Beck
Die Kategorie II richtet sich an österreichische Architektinnen unter 40. Aus 18 Einreichungen wählte die Jury Nina Beck. Ihre Projekte – die Transformation eines ehemaligen Bauernhauses, ein Treffpunkt für die Offene Jugendarbeit Bregenzerwald und ein für mehrere Lebenszyklen konzipiertes Wohnhaus – zeigen laut Jury, wie zirkuläres Denken nicht nur über die Konstruktion, sondern auch über die Nutzung gedacht werden kann. Alle drei Finalistinnen der Kategorie arbeiten im ländlichen Raum und mit Bestand: Neben Beck waren dies Yvonne Lammer mit Bauten der sozialen Infrastruktur in Kärnten und Barbara Weber mit Forschung zur Verbesserung bestehender Gebäude, Wohn- und Mobilitätsstrukturen.
Ingenieurpreis für Kuppelsanierung in Zagreb
In der Kategorie III, National/International Female Engineering Achievement of the Year, setzte sich die kroatische Tragwerksplanerin Vlatka Rajčić durch. Nach den Erdbeben von 2020 leitete sie die konstruktive Erneuerung der Kuppel und des Ringgewölbes im 1938 errichteten Haus der kroatischen bildenden Künstler:innen in Zagreb. Die nur wenige Zentimeter starken Stahlbetonschalen mit Glasprismen waren so stark beschädigt, dass sie rückgebaut und neu errichtet werden mussten. Neu entwickelte Glasprismen, eine optimierte Bewehrung, Materialversuche und eine neue Verbindung zwischen Glas und Beton verbesserten Tragfähigkeit, Dauerhaftigkeit und Wasserdichtigkeit, ohne den Charakter des Denkmals zu verändern. Finalistinnen waren Nadine Ritschel (statische Sicherung des Theaters im alten Schlachthof in Naumburg) und Marija Sojcic (Abrisskonzept für den Vjesnik Tower in Zagreb nach einem Brand).
International Female Architect of the Year: Elisa Valero
Die internationale Kategorie IV verzeichnete 43 Einreichungen aus 21 Ländern in Europa, Afrika und Südamerika. Ausgezeichnet wurde die spanische Architektin Elisa Valero für die Pfarrkirche Espíritu Santo in Granada, ein Wohnhaus im Granadiner Viertel Realejo und eine Kinderstation in Yaoundé, Kamerun. Die Jury würdigt neben der räumlichen Qualität ihren ressourcenschonenden Ansatz: Bestehendes erhalten und wiederverwenden, Abfall minimieren und mit lokalen Ressourcen arbeiten. Finalistinnen waren Veronika Dannheimer (München), Margarita Danou (Nikosia) und Beatriz Ramo (Rotterdam).
Warum es den anotHERVIEWture Award 2026 braucht
Nur rund 15 Prozent der Ziviltechniker:innen in Österreich sind Frauen. Stereotype Rollenbilder, männlich dominierte Netzwerke und schwer vereinbare Arbeitsbedingungen erschweren Frauen nach wie vor den Weg in technische Planungsberufe. Der Preis orientiert sich am französischen Prix des Femmes Architectes und soll Vorbilder schaffen, die junge Frauen zur Wahl eines technischen Berufs motivieren. „Mit über 120 Frauen aus mehr als 20 Ländern gab es in diesem Jahr mehr Einreichungen denn je“, sagt Doris Schmidauer, Ehrenschutz-Trägerin des Preises.
Alle Projekte und Finalistinnen: anotherviewture.at