Diskussionsrunde
Valerie Höllinger, CEO Austrian Standards in der Diskussion
© Austrian Standards/APA-Fotoservice/Ben Leitner

Standardisierung: Dialogforum geht in die Arbeitsphase

Standardisierung soll einfacher, praxistauglicher und wirkungsorientierter werden: Das Dialogforum „Gemeinsam vereinfachen“ von Austrian Standards ist am 24. September in die Arbeitsphase gestartet. Im Mittelpunkt stehen konkrete Problemstellungen aus der Praxis: Was können Standards zur Vereinfachung beitragen, wo lässt sich die Standardisierung selbst weiterentwickeln und wo liegen Ursachen außerhalb der Normung?

Standardisierung steht beim Dialogforum „Gemeinsam vereinfachen“ selbst auf dem Prüfstand. Das Forum soll konkrete Belastungen aus der Praxis analysieren, ihre Ursachen klären und dort Veränderungen anstoßen, wo Vereinfachungen tatsächlich möglich sind. Wirtschaft, Verwaltung und weitere relevante Akteure erarbeiten dafür umsetzbare nächste Schritte. Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer begrüßt den Ansatz: Vereinfachung und Deregulierung gelängen dort am besten, wo konkrete Probleme auf den Tisch kommen und gemeinsam mit den Betroffenen an Lösungen gearbeitet werde.

Austrian-Standards-CEO Valerie Höllinger stellt klar, woran sich der Erfolg messen soll: „Unser Ziel ist nicht, den Erfolg daran zu messen, wie viele Standards am Ende gestrichen werden, sondern daran, ob wir gemeinsam konkrete Probleme lösen und Verbesserungen in der Praxis erreichen.“ Dabei nehme man ausdrücklich auch Austrian Standards selbst in den Blick.

Gruppe von Menschen

Dialogforum gemeinsam vereinfachen bei Austrian Standards. 1. Reihe (v.l.n.r) Austrian Standards Karl Grün, Land Niederösterreich Martin Windisch, Austrian Standards Valerie Höllinger, Land Niederösterreich Christine Pennerstorfer, Industriellenvereinigung Mercedes Ritschl, Fachstelle Normungsbeteiligung Herbert Weißensteiner, Stadt Wien Petra Martino und Beatrix Rauscher, Land Oberösterreich Antonia Licka, Asfinag Roman Schremser, Verband Österreichischer Ziegelwerke (VÖZ) Norbert Prommer, Hauptverband der Gerichtssachverständigen Österreichs Roland Popp, Wirtschaftskammer Österreich Annemarie Mille, Austrian Standards Mirjana Mully, BMEIA Philipp Herold. 2. Reihe (v.l.n.r) Austrian Standards Daniel Nourani, BMWET Maximilian Feith und Christoph Raber, TGM Helmut Richter, Austrian Standards Elisabeth Sperlich, Österreichischer Städtebund Johannes Schmid, ÖGNI Evgeni Gerginski, Austrian Standards Stefan Wagmeister, Land Oberösterreich Harald Goldberger, Land Tirol Christoph Lechner, Austrian Standards Thomas Mühl. (Austrian Standards/APA-Fotoservice/Ben Leitner)

Standardisierung im Praxistest: Vier Arbeitsschwerpunkte

Auf Basis der vorab eingebrachten Rückmeldungen unterschiedlicher Institutionen und Stakeholder haben sich vier Schwerpunkte herauskristallisiert. Die erste Arbeitsgruppe befasst sich mit Bedarf, Nutzen und Wirkung von Normung, nach dem Grundsatz: nicht mehr Standards, sondern die richtigen Standards, wirkungsorientiert, effizient und zur richtigen Zeit. Die zweite behandelt Verweistechnik, Schutzziel und Gleichwertigkeit, insbesondere die Frage, wie alternative, gleichwertige Lösungen ermöglicht werden können.

Die dritte Arbeitsgruppe widmet sich der Anwendung von Standards und angrenzenden Regelwerken in der Praxis, vor allem Fragen der Verhältnismäßigkeit und möglichen Widersprüchen. Der vierte Schwerpunkt betrifft den Zugang zu Standards: Wie lassen sich Nutzung, Service und Orientierung für Anwender:innen verbessern? Ein wichtiger Hebel ist hier die Vermittlung von Normenkompetenz, beginnend bereits in der Ausbildung.

Standardisierung und Regelwerke: Nicht alles, was als „Norm“ gilt, ist ein Standard

Schon die erste Sitzung hat gezeigt, wie unterschiedlich die Ursachen für Anforderungen sein können, die Unternehmen oder Organisationen als belastend empfinden. Neben österreichischen, europäischen oder internationalen Standards können sie auf Gesetze und Verordnungen, OIB-Richtlinien, Förderbedingungen, Vertragsbestimmungen oder die konkrete Anwendungspraxis zurückgehen. Diese Unterscheidung ist für die weitere Arbeit wesentlich, denn je nach Ursache braucht es andere Ansätze und andere Akteur:innen.

Standardisierung weiterentwickeln: Ansatzpunkte und nächste Schritte

Betrifft ein Anliegen die nationale Normung, können die Erkenntnisse in die zuständigen österreichischen Standardisierungskomitees eingebracht werden. Geht es um Standardisierungsprozesse, Services oder den Zugang zu Standards, fließen sie direkt in die Weiterentwicklung von Austrian Standards ein. Die Organisation befindet sich selbst in einem umfassenden Transformationsprozess und entwickelt Prozesse und Services mit Fokus auf Anwender:innen neu. Liegt die Ursache außerhalb der Standardisierung, soll aufgezeigt werden, wo Ansatzpunkte liegen und welche Akteur:innen für Veränderungen relevant sind.

Die Arbeitsgruppen bearbeiten die priorisierten Themen in den kommenden zwölf Monaten weiter und ziehen bei Bedarf zusätzliche fachliche Expertise bei. Austrian Standards koordiniert den Prozess und stellt die Verbindung zu den zuständigen Stellen und Normungskomitees her. Das nächste Plenum ist für Ende 2026 geplant. Dort stehen die bisherigen Erkenntnisse, offene Fragen und mögliche weitere Schritte im Mittelpunkt.