Neues Positionspapier zu Flächenverbrauch und Bodenversiegelung
Bodenverbrauch, Flächenversiegelung, Flächeninanspruchnahme – in der öffentlichen Debatte werden diese Begriffe oft durcheinandergeworfen. Das führt zu Missverständnissen und erschwert die sachliche Diskussion. Das neue Positionspapier räumt damit auf: Auf 93 Seiten werden die Fachbegriffe klar definiert und voneinander abgegrenzt.
Die zentrale Botschaft: Flächeninanspruchnahme bezeichnet Flächen, die für Siedlungs-, Verkehrs-, Freizeit- und Versorgungszwecke genutzt werden und damit nicht mehr für Land- und Forstwirtschaft oder als natürlicher Lebensraum zur Verfügung stehen. Bodenversiegelung meint hingegen die vollständige Abdeckung mit wasser- und luftundurchlässigen Materialien wie Asphalt oder Beton.
Neue Datenlage: Österreich hat 2022 neu vermessen
Ein Highlight der Publikation ist die Darstellung der neuen ÖROK-Methode zur Bilanzierung, die seit 2022 zum Einsatz kommt. Statt wie bisher auf einen einzelnen Datensatz zu setzen, werden nun mehrere behördliche GIS-Datensätze kombiniert – von der Flächenwidmung über das Verkehrsnetz bis zu Gebäudedaten.
Die aktuellen Zahlen (Baseline 2022):
- 5.648 km² in Anspruch genommene Fläche (6,7 % der Landesfläche)
- Davon sind 2.964 km² versiegelt (3,4 % der Landesfläche)
- Der Versiegelungsgrad liegt bei 52 %
- Fast die Hälfte entfällt auf Siedlungsflächen innerhalb der Baulandwidmung
Die neue Methode bietet erstmals auch räumlich explizite Geodaten, die frei zugänglich sind. Künftig erfolgt eine Aktualisierung im Drei-Jahres-Rhythmus.
Frequently Asked Questions: Was Planer:innen wissen müssen
Besonders praxisnah ist das FAQ-Kapitel. Es beantwortet die Fragen, die in Beratungsgesprächen und bei Projekten regelmäßig auftauchen:
- Welche Nutzungen treiben die Flächeninanspruchnahme an?
- Was bedeutet das "2,5-Hektar-Ziel" konkret?
- Welche gesetzlichen Vorgaben beeinflussen die Entwicklung?
- Wo gibt es Anknüpfungspunkte in der täglichen Arbeit der Ziviltechniker:innen?
Dabei wird auch mit dem Mythos aufgeräumt, Österreich sei "Europameister" bei der Flächeninanspruchnahme – ein direkter internationaler Vergleich ist aufgrund unterschiedlicher Methoden schlicht nicht möglich.
Fünf klare Positionen für verantwortungsvolles Planen
Die Kammer formuliert fünf zentrale Positionen:
- Verantwortungsvoller Umgang mit Fläche und Boden
- Eindeutige Verwendung von Fachbegriffen in der Kommunikation
- Faktenbasiertes, objektives Analysieren, Planen und Handeln
- Praxisnahe, rasche Maßnahmen statt theoretischer Debatten
- Offener Dialog mit allen Betroffenen und Entscheidungsträger:innen
Umfassender Recherchepool
Das Positionspapier bietet weit mehr als Definitionen und Daten. Es enthält einen systematischen Überblick über Fachpublikationen, wissenschaftliche Studien, EU-Richtlinienvorschläge, legislative Akte und Normen der letzten Jahre. Auch internationale Beispiele aus Deutschland und der Schweiz werden analysiert und verschiedene europäische Bilanzierungsmethoden verglichen.
Für alle, die in ihrer täglichen Arbeit mit Raum- und Siedlungsentwicklung zu tun haben – ob in der Raumplanung, bei UVP-Verfahren, in der Bauplanung oder in der Kommunikation mit Auftraggeber:innen – liefert die Broschüre fundiertes Hintergrundwissen und solide Argumentationsgrundlagen.
Download und weitere Informationen:
Das vollständige Positionspapier steht kostenlos zum Download zur Verfügung: https://wien.arching.at/fileadmin/user_upload/redakteure_wnb/E_Bilder_News/News_2026/Broschuere_Flaecheninanspruchnahme_und_Bodenversiegelung.pdf
Zusätzlich empfehlenswert ist die Website des Umweltbundesamtes, auf der fundierte Zahlen und Statistiken für jede Gemeinde in Österreich auf Knopfdruck abgerufen werden können: https://www.umweltbundesamt.at/umweltthemen/boden/flaecheninanspruchnahme