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Überraschendes Aus für den Sanierungsbonus

Das Umweltministerium hat die Förderung für den Sanierungsbonus geschlossen – mit der Begründung, dass der Kesseltausch pro eingesetztem Euro eine höhere CO₂-Einsparung bringe.

Die  von Umweltminister Norbert Totschnig präsentierte Sanierungsoffensive 2026 setzte auf zwei zentrale Instrumente: den Kesseltausch für klima-freundliche Heizsysteme und den Sanierungsbonus für die thermisch-energetische Sanierung. Dafür sollten von 2026 bis 2030 jährlich 360 Millionen Euro vorgesehen sein, insgesamt somit 1,8 Milliarden Euro. 

Überraschendes Ende für den Sanierungsbonus

Jetzt kommt überraschend ein Strategiewechsel. Auf der Webseite des Bundesministeriums steht: Seit der Neuauflage Ende November 2025 hat sich gezeigt, dass rund zwei Drittel des Antragsvolumens auf den Sanierungsbonus entfallen und nur rund ein Drittel auf den Kesseltausch. Da der Kesseltausch im Vergleich jedoch eine deutlich höhere CO₂-Einsparung pro eingesetztem Euro erzielt, wird die Sanierungsoffensive angepasst. Neue Registrierungen und Förderanträge sind ab heute, den 2. Februar 2026, nur mehr für den Kesseltausch möglich.

Argumentiert wird mit knappen Budgetmitteln. Seit dem Start im November 2025 wurden bereits Anträge im Volumen von rund 220 Millionen Euro gestellt. Angesichts der ohnehin stockenden Sanierungsfortschritte in Österreichs Gebäudebestand ein völlig falsches Signal, erklärt Peter Schmid, Vorstandsvorsitzender der GDI 2050 (Gebäudehülle+Dämmstoff Industrie 2050): Das Umweltministerium hat die Förderung für den Sanierungsbonus geschlossen – mit der Begründung, dass der Kesseltausch pro eingesetztem Euro eine höhere CO₂-Einsparung bringe. Diese rein technische „CO₂-pro-Euro“-Rechnung ist jedoch viel zu kurz gedacht: Wer die thermisch-energetische Sanierung der Gebäudehülle ausbremst, prolongiert Energieabhängigkeit, riskiert höhere Systemkosten – und nimmt den Verlust von Wertschöpfung und Arbeitsplätzen billigend in Kauf. Es ist unverständlich und frustrierend, dass ausgerechnet jene Maßnahme zurückgedrängt wird, die dauerhaft wirkt – nämlich die Reduktion des Energiebedarfs selbst."

Ein getauschter Kessel bleibt abhängig von Energieträgern und Strom. Eine sanierte Gebäudehülle macht unabhängiger – und zwar langfristig.“ (Peter Schmid, GDI 2050)

Auch für Georg Bursik, Geschäftsleitung Baumit GmbH, ist das am Wochenende verlautbarte Aus für den Sanierungsbonus ist aus fachlicher Sicht nicht nachvollziehbar. Denn:

Wärmedämmung ist eine bewährte, technisch zuverlässige Maßnahme, die den Energiebedarf dauerhaft senkt – und damit die Grundlage für jede effiziente Heizlösung schafft. (Georg Bursik, Baumit)

Zwar spare eine Wärmepumpe in der aktuellen Betrachtung etwas mehr CO₂ ein als eine reine Dämmmaßnahme. Der Unterschied liegt jedoch nur bei rund 0,3 bis 0,5 Tonnen CO₂ pro Jahr. Entscheidend ist daher die richtige Reihenfolge: Zuerst dämmen, dann eine kleinere, effizientere Wärmepumpe einsetzen. So sinkt der Energiebedarf langfristig deutlich – und damit auch die Abhängigkeit von unsicheren Energiepreisen.

In die selbe Kerbe schlägt Bundesinnungsmeister Robert Jägersberger: 

Von zahlreichen Experten wurde eindeutig klargestellt, dass ein reiner Kesseltausch ohne energiesparende Begleitmaßnahmen in der Regel wenig Sinn macht. (Robert Jägersberger, Bundesinnung Bau)

Jägersberger weiter: „Die im Oktober des Vorjahres verkündete neue Förderoffensive für thermische Sanierungen ist bereits damals in der Baubranche mit mäßiger Begeisterung aufgenommen worden. Die Fördersummen pro Projekt wurden gegenüber dem ursprünglichen Sanierungsbonus erheblich reduziert. Lediglich die Tatsache, dass die neue Offensive für einen 5jährigen Zeitraum garantiert wurde, hat die Bauwirtschaft als erfreuliches Signal für eine längerfristige Planbarkeit positiv aufgenommen. Dass nun bereits 3 Monate nach Inkrafttreten der neuen Förderoffensive alle baulichen Sanierungsmaßnahmen aus dem Förderprogramm gestrichen wurden, konterkariert die Planbarkeit des Programms und zeigt, dass die Politik offensichtlich nach wie vor die nachteiligen Auswirkungen einer kurzfristigen Stop and Go-Politik unterschätzt.

Auch das inhaltliche Argument des Umweltministeriums, dass bei einem Kesseltausch eine deutlich höhere CO2-Einsparung pro eingesetztem Euro als bei der thermisch-energetischen Sanierung erzielt werden könne, greift meines Erachtens zu kurz. Von zahlreichen Experten wurde eindeutig klargestellt, dass ein reiner Kesseltausch ohne energiesparende Begleitmaßnahmen in der Regel wenig Sinn macht. Schließlich bleibt der Gesamtenergieverbrauch bei einem reinen Kesseltausch zu einem Großteil unverändert und es kommt lediglich eine CO2-ärmere Technologie zum Einsatz. Wesentlich sinnvoller wäre es, auf ein Gesamtpaket zu setzen, welches auch eine nachhaltige Reduktion des Energieeinsatzes bewirkt. Ohne begleitende bauliche Maßnahmen wird dies in der Regel nicht zu bewerkstelligen sein.“

Energieunabhängigkeit statt Verschiebung auf den Sankt-Nimmerleins-Tag

Nur die thermisch-energetische Sanierung reduziert die Verluste über die Gebäudehülle – und damit den Heizenergiebedarf insgesamt. Das senkt die Abhängigkeit von Energie in jeder Form: Öl, Gas, Pellets oder Strom. Wer jetzt einseitig auf den Heizungstausch setzt und die Gebäudehülle vernachlässigt, tauscht lediglich Abhängigkeiten aus, statt sie zu reduzieren. Laut Wien Energie ist Österreich bereits seit 2001 Nettostromimporteur!

Versorgungssicherheit: Ohne Dämmung wird’s im Ernstfall schnell kritisch

Die Debatte ist nicht akademisch: Bei Stromausfällen – wie zuletzt in Berlin – hilft die schönste Technik wenig. Wärmepumpe wie Pelletheizung benötigen Strom für Betrieb und Steuerung. In einem ungedämmten Haus fällt die Innenraumtemperatur bei Heizungsausfall laut Untersuchungen binnen 48 Stunden massiv ab – in einem gut gedämmten Gebäude bleibt sie deutlich höher. Das ist keine Komfortfrage, sondern eine Frage der Sicherheit – gerade für Familien, Ältere und vulnerable Personen.

„Wenn wir über Resilienz sprechen, müssen wir endlich ehrlich sein: Effizienz ist die günstigste Form von Versorgungssicherheit“, betont Clemens Demacsek, Geschäftsführer der GDI 2050. „Wer die Gebäudehülle ignoriert, macht Haushalte im Winter verwundbar – und erhöht gleichzeitig den Druck auf Netze, Speicher und Erzeugung.

Arbeitsplätze und Wertschöpfung: Sanierung ist ein Beschäftigungsmotor

Thermisch-energetische Sanierung ist arbeitsintensiv und regional wirksam: Pro 1 Million Euro Förderung werden im Jahresdurchschnitt rund 30,6 Arbeitsplätze gesichert bzw. geschaffen. Das Sanierungsgewerbe ist kein „Nice-to-have“, sondern ein stabilisierender Faktor für Beschäftigung – besonders in wirtschaftlich angespannten Zeiten.

Auch volkswirtschaftlich ist die Wirkung klar: Bei der Sanierung der Außenwände wird das Bruttoinlandsprodukt um das 3,80-fache der Förderung erhöht – beim Kesseltausch hingegen nur um das 1,41-fache. Wer Förderung streicht, spart nicht – er verschiebt Kosten und vernichtet Potenzial.