Dämmplatten
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Nachwachsende Dämmstoffe

In einem Verbundvorhaben, gefördert vom deutschen Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL), abgewickelt über die FNR (Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe) wurden Fragen wie etwa nach Schimmelbefall von Dämmstoffen, nach Algenbefall auf der Fassade, nach dem Brandverhalten und den dabei entstehenden Gasen, nach dem Schallschutz und der Nachhaltigkeitsbewertung umfassend bearbeitet.

Dämmstoffen aus nachwachsenden Rohstoffen sollten mit diesen Erkenntnissen deutlich mehr anwendbar sein. Unter der Leitung des Fraunhofer-Instituts für Holzforschung, Wilhelm-Klauditz-Institut WKI wurde in den 6 Arbeitsbereichen Brand- und Glimmverhalten, Wärmeschutz, Schallschutz, Feuchteschutz, ökologische Bewertung und Emissionen 3,5 Jahre geforscht. Auf beachtlichen 2732 Seiten sind die Ergebnisse für die Öffentlichkeit verfügbar. 

Festgestellt wurde, dass die derzeitigen Normen und Messverfahren die Eigenschaften von Produkten aus nachwachsenden Rohstoffen nicht adäquat berücksichtigen. Diese nicht mehr zeitgemäßen Regelwerke müssten angepasst werden.

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Brandschutz

Untersucht wurden Materialien wie Holzfaser, Jute, Hanf, Seegras und Polystyrol in den jeweils bautechnisch wie auch für die Versuchsanordnungen sinnvollen Konstruktionen. Zu den Grundlagenuntersuchungen zählten zum Beispiel die Ergebnisse zum Schwelverhalten der Dämmstoffe sowie die Erkenntnisse wie das Schwelverhalten durch die Zugabe stärkebasierter Glimmschutzmittel verbessert werden kann.

Wärmeschutz

In den Untersuchungen zum Wärmeschutz heißt es unter anderem:

Für die Wärmeübertragung infolge Strahlung wurde jedoch festgestellt, dass eine Glasfaserdämmung direkt von einem Teil der Infraroten Strahlung durchdrungen wird (Teil-transparent im Infraroten Spektrum).
Dieser Effekt der durchdringenden Wärmestrahlung wird aktuell bei der Bestimmung des ganzheitlichen Wärmeschutzes nicht ansatzweise berücksichtigt und hier zeichnet sich ein deutlicher Unterschied zwischen Faserdämmstoffen aus pflanzlichen Rohstoffen und Glasfaserdämmstoffen ab. Während nämlich die pflanzlichen Faserdämmstoffe „dicht“ gegenüber Wärmestrahlung sind, ermöglichen Glasfaserdämmstoffe einen Wärmetransport durch Strahlung.

Schallschutz

Für den Schallschutz wurden innerhalb des Projektes

  • 45 Deckenaufbauten und
  • 10 Wandkonstruktionen

hinsichtlich ihrer schalltechnischen Eigenschaften untersucht. Dabei wurden Holztafelkonstruktion und Massivholzkonstruktionen berücksichtigt. Die ermittelten Werte zeigen, dass mit den Deckenaufbauten beim Einsatz von Holzfaser-Trittschalldämmplatten sehr gute Ergebnisse erreichbar sind. Bei entsprechender Gesamtkonstruktion können somit auch mit steiferen NawaRo-Dämmplatten die Zielwerte für Trenndecken eingehalten werden.

Ein zentrales technisches Ergebnis des Projektes stellt der erweiterte Bauteilkatalog für Holzbauteile dar, der eine umfangreiche Sammlung an Planungsdaten bietet. Dieser wurde auf Basis der Analyse und Aufbereitung vorhandener Messdaten sowie der im Projekt durchgeführten Prüfungen erstellt.

Fazit

In der Zusammenschau der einzelnen Ergebnisse ist in dem Bericht folgendes zu lesen:

Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen sind Multitalente: Neben guten Wärmedämmeigenschaften bieten sie Vorteile beim Feuchte-, Wärme- und Schallschutz. Der Einsatz der in der Regel brennbaren Dämmstoffe ist konstruktiv auch in Gebäuden bis zur Hochhausgrenze beherrschbar und erprobt. Die ökologischen Vorteile infolge der Herstellung aus nachwachsenden Rohstoffen aus nachhaltiger Bewirtschaftung, des geringen Einsatzes nicht erneuerbarer Energieträger bei der Herstellung, der Kohlenstoffspeicherung während der Nutzung und der vielfältigen Wiederverwertungsmöglichkeiten sind einzigartig. Es ist bei Dämmstoffen aus nachwachsenden Rohstoffen keine Alterung in Form einer Reduzierung der Wärmeleitfähigkeit zu erwarten, sofern die Struktur des Dämmstoffes erhalten bleibt, wovon bei einer ordnungsgemäßen Verwendung auszugehen ist. Damit kann von einer mindestens 50-jährigen Nutzung des Dämmstoffes selbst ausgegangen werden. Wie bei anderen holzbasierten Werkstoffen ist eine Wiederverwendung und vor allem eine Kaskadennutzung, z.B. in Form anderer faserbasierter Produkte, möglich. Damit ist eine Bindung des Kohlenstoffs 100 Jahre oder auch deutlich länger möglich.